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Die Deutschen und der Sex: Sind wir schamlos?

Länder: Deutschland

Tags: Haus der Geschichte, Bonn, Sexualität, BRD, DDR

Im Haus der Geschichte in Bonn beschäftigt sich eine Ausstellung mit den Veränderungen von Sexualmoral und Geschlechterbeziehungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Für unsere Kulturserie haben wir die Ausstellung mit Menschen verschiedener Altersgruppen besucht.

 

Sexualmoral in Deutschland: Die Nachkriegsjahre

Vom gesellschaftlichen Tabu bis zur Übersexualisierung durch Medien – die Geschichte der Sexualität seit dem Zweiten Weltkrieg trägt viele Facetten. Noch während des Krieges wurde Sexualität zu Propagandazwecken eingesetzt, das Bild des "reinen" (arischen) Körpers galt als Ideal. Auch nach Kriegsende blieb das Thema ambivalent, es kam zu einer "Geschlechterkrise": Viele der aus dem Krieg zurückgekehrten Männer waren traumatisiert, während die deutschen Frauen unterdessen eine erhebliche Unabhängigkeit erlangt hatten. Pin-Up-Bilder, die amerikanische Soldaten nach Europa brachten, ließen deutsche Männer und Frauen von freier Sexualität träumen.

 

Die prüden 50er: Sex als Privatangelegenheit

In den 1950er wurde Sex abermals zur "Privatangelegenheit", die Deutschen versuchten die durch den Krieg zerrissenen Familienverhältnisse wieder aufzubauen. Erst nach dem Beginn der 60er Jahre wurde Sexualität in der BRD langsam zum öffentlichen Thema. Einen erheblichen Beitrag dazu leistete die Kommerzialisierung von Sex in der Werbung. Eine ganz andere Entwicklung gab es unterdessen in der DDR: Dort wurde mit Sexualität wesentlich offener umgegangen, als im Westen. Weder vorehelicher Geschlechtsverkehr, Abtreibung oder FKK-Kultur galten als gesellschaftliche Tabus.

 

Miniröcke und Antibabypille: Die sexuelle Revolution

Nach und nach kam es in ganz Deutschland zu einer Transformation: Sexualwissen wurde durch Ratgeber und Aufklärungsserien im Fernsehen zusehends popularisiert. Beate Uhse eröffnete 1962 das erste "Fachgeschäft für Ehehygiene" in Deutschland. Wenig später führte "Anovlar 21", die erste Antibabypille, zu einer weiteren Revolution im Bett. Auch in der DDR wurde eine eigene Pille produziert und kostenlos verteilt. 1971 betitelte das "Stern"-Magazin seine Titelseite mit "Wir haben abgetrieben" – erstmals in der Geschichte Deutschlands nahmen unzählige Frauen öffentlich zum Thema Abtreibung, das nach wie vor als Tabu galt, Stellung. Erst 1993 wurde in Deutschland eine faktische Fristenregelung im Parlament beschlossen.  

 

Homosexualität in Deutschland: Fernab der Gleichstellung

Die Lage Homosexueller in Deutschland hat sich im Laufe des letzten Jahrhundert nur schleichend verändert: Während des Zweiten Weltkrieg wurde ein Paragraph zur "Unzucht zwischen Männern" eingeführt, der auch nach seiner Aufhebung gesellschaftlich verankert war – noch viele Jahrzehnte wurden Homosexuelle in Deutschland strafrechtlich verfolgt. In der DDR wie auch in der Bundesrepublik galten zeitweise "Schutzalter" für homosexuelle Handlungen. Erst 2001 trat das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft, das homosexuellen Paaren eine eingetragene Partnerschaft ermöglicht. Lesben, Schwule und Transsexuelle kämpfen nach wie vor um die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. 

 

In unserer Bildergalerie können Sie Eindrücke von der Ausstellung "Schamlos" bekommen und gleichzeitig den Wandel in der deutschen Gesellschaft in Bezug auf die Sexualität nachvollziehen:

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016