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Die deutsche Willkommenskultur

Länder: Deutschland

Tags: Willkommenskultur, Flüchtlinge

Die deutsche Integrationspolitik dient als Vorbild in Europa. Was ist mit Willkommenskultur gemeint:

1. Die Demonstration einer positiven Einstellung von Politikern, Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Sportvereinen und anderen Institutionen Migranten gegenüber.

2. Ausdruck des Wunsches, dass Migranten allen Menschen, denen sie begegnen, willkommen sein mögen, dass sie insbesondere keinen Diskriminierungen ausgesetzt werden.

3. Drittens bezeichnet das Wort Willkommenskultur die Gesamtheit aller Maßnahmen, durch die die positive Haltung gegenüber Migranten bei anderen gefördert und dem Gefühl von Migranten, willkommen zu sein, eine Grundlage in der Realität gegeben werden soll.

Informationen der Bundesministerien für Arbeit suchende Ausländer findet man unter: www.make-it-in-germany.com/

 

Deutschland und Frankreich

Wie Frankreichs Premierminister Manuel Valls und Bundeskanzlerin Angela Merkel über Willkommenkultur in ihren Ländern denken, erfahren Sie hier

Das Demografie-Argument

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes würde die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland bis 2060 ohne Zuwanderung wegen der geringen Geburtenrate um 20 Millionen Menschen, also etwa um ein Viertel der Bevölkerung Deutschlands zurückgehen. Noch dramatischer würde die Schrumpfung des Erwerbspersonenpotenzials in Deutschland ausfallen, wenn es keine Zuwanderung von Erwerbsfähigen nach Deutschland gäbe: Bei Annahme einer konstant bleibenden Erwerbsquote ab 2011 würde bis 2050 das Erwerbspersonenpotenzial um 34,3 Prozent abnehmen.

 

Wie misst man die Willkommens- und Anerkennungskultur in Europa?

Die EU hat dafür den Migrant Integration Policy Index (MIPEX) entwickelt. Deutschland gelang es 2015 erstmal in die Top 10 aufzustoßen, während unsere österreichischen Nachbarn nur auf Platz 20 und die Schweiz es nur auf Platz 21 schaffen. Der MIPEX wird für insgesamt 38, überwiegend europäische Länder erstellt. Relativ gute Ergebnisse erzielt Deutschland in den Bereichen "Zugang zur  Staatsbürgerschaft" (3/38) und "Arbeitsmarktmobilität" (4/38). Immer noch relativ schlecht bewertet wird Deutschland in den Bereichen "Familienzusammenführung" (24/38), "Gesundheit" (22/38), "Kampf gegen Diskriminierung" (22/38), "Daueraufenthalt" (19/38) und "Bildung" (16/38).

Laut Thomas Huddleston, Programmdirektor der Migration Policy Group, wird Deutschland von anderen Ländern in der Integrationspolitik inzwischen als Vorbild gesehen. Die deutsche Politik habe es in den vergangenen Jahren geschafft, zahlreiche Verbesserungen für Einwanderer umzusetzen, zum Beispiel die bessere Anerkennung ausländischer Abschlüsse (insbesondere durch das 2012 in Kraft getretene sogenannte "Anerkennungsgesetz" zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen. In anderen Industrieländern hingegen hätten rechtspopulistische Parteien die politische Agenda bestimmt und so Reformen blockiert. Deutschland ist eines der wenigen Industrieländer, in dem sich die Einstellungen der Bevölkerung zu Integration verbessern. 72 Prozent der Deutschen finden, dass Nicht-EU-Bürger und Deutsche gleiche Rechte haben sollten.

BILD-Aktion  "Wir helfen – #refugeeswelcome"

Sigmar Gabriel macht mit, Ursula von der Leyen auch und noch rund 100 weitere Prominente. Vor allem aber zahllose normale Bundesbürger. Das Flaggschiff des Springer Verlages hat mit seiner Spenden- und Mitmach-Aktion zugunsten von Flüchtlingen ein weiteres Zeichen der deutschen Willkommenskultur gesetzt. Bemerkenswert vor allem, da gerade  in den Spalten der meistgelesenen deutschen Tageszeitung Einwanderer in der Vergangenheit gerne auch als Sozialschmarotzer und potentielle Kriminelle stigmatisiert wurden. Die BILD will nach eigenen Worten mit ihrer Aktion zeigen "dass Schreihälse und Fremdenhasser NICHT in unserem Namen grölen!" Gut gebrüllt Löwe.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016