|

Deutschland - Drohnen liefern Medikamente

Länder: Deutschland

Tags: Drohne, Liferung, Medikamente

Seit Kurzem transportiert die Deutsche Post eilige Medikamente ferngesteuert per Drohne. Die Ersten, denen dieses Pilotprojekt zugutekommt, sind die Bewohner der Nordsee-Insel Juist.

 

Pakettransport mit einem Flugroboter … das gehört nicht mehr in den Bereich der Science-Fiction: Seit September 2014 wird eine Apotheke auf der 12 Kilometer vom Festland entfernten Nordseeinsel Juist mittels Drohnen beliefert - für die Notfallversorgung, wenn die normalen Arzneivorräte nicht reichen! Ein weltweit einmaliger und auf mehrere Monate angelegter Feldversuch! Die Deutsche Flugsicherung GmbH und die Nationalparkverwaltung Wattenmeer haben der Deutsche-Post-Tochter DHL die Genehmigung zum Test des „Paketkopters“ erteilt. Jeder Flug des helikopterartigen Kleinfluggerätes muss einzeln angemeldet werden. Der unbemannte Apparat fliegt außerhalb der Sichtweite des Piloten völlig autonom, lediglich durch einen Autopiloten gesteuert. Die Testläufe werden von einer mobilen Bodenstation aus überwacht. Diese befindet sich im Hafen von Norddeich, einem Stadtteil der ostfriesischen Stadt Norden. Der gelbe DHL-Paketkopter kann 45 Minuten lang in einer Höhe von 50 Metern bis zu 1,2 Kilo Nutzlast in einer Reichweite von mindestens 12 Kilometern transportieren „Dort, wo normale Flugzeuge nicht starten oder landen können, kann der Paketkopter noch fliegen“, sagt Andrej Busch, DHL-Paketchef für Deutschland und Europa.

 

Zustellung in sechzehn Minuten

Erich Hrdina, seit 1981 Apotheker auf der Insel Juist, äußert sich in den NDR-Nachrichten begeistert über das Projekt, denn in Juist sei man aufgrund der Wetterbedingungen manchmal von der Welt abgeschnitten, was die Notfall-Belieferung mit Medikamenten dann fast unmöglich mache. Durch die Paketkopter könnten Arzneien nun auch bei rauer See und Nebel zugestellt werden, oder bei Niedrigwasser, wenn kein Schiff mehr fährt. Zurzeit fliegt die robuste Transport-Drohne bis Windstärke 10 übers Wattenmeer. Sie benötigt für die Route von Norddeich zur Insel sechzehn Minuten Flugzeit. Nach der Landung auf einem speziellen Landeplatz tritt der Paketbote in Aktion: Er holt die Medikamente aus der kapselförmigen DHL-Lufttransportbox heraus, die unterhalb des Flugkörpers mitgeführt wird, wechselt den Akku und schickt das Gerät auf die Rückreise.

 

Drohnen, ein lukratives Geschäft

Mit diesem Pilotprojekt ist DHL den Konkurrenten Google und Amazon voraus, die ebenfalls mit Transport-Drohnen experimentieren. Gegenwärtig hat die Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten (Federal Aviation Administration, FAA) den gewerblichen Einsatz von Flugdrohnen inklusive Tests unter freiem Himmel fast vollständig untersagt. Deshalb droht Amazon, sein Forschungsprogramm in andere Länder zu verlagern.

In Europa sind die Regularien für die Drohnen-Nutzung von Land zu Land unterschiedlich. Folglich will Brüssel einheitliche europäische Richtlinien für alle EU-Mitgliedstaaten entwickeln. Einer Pressemitteilung der EU-Kommission zufolge werden zivile Drohnen insbesondere in Schweden, Frankreich und Großbritannien genutzt. Bei den angestrebten neuen Normen und Vorschriften geht es vor allem um die Betriebssicherheit sowie um den Schutz von Daten und Privatsphäre. 2012 hat die Europäische Kommission ein Dokument veröffentlicht, in dem sie Le Monde zufolge „eine Strategie zur Entwicklung der zivilen Anwendungen von ferngesteuerten Flugsystemen empfiehlt“. Wirtschafts- und Finanzwelt sind einer Meinung: der Markt für zivile und kommerzielle Drohnen hat ein großes Wachstumspotenzial. Nach Aussage des globalen Beratungsunternehmens Frost & Sullivan, das sich mit Marktforschung und -strategie befasst, wird der Umsatz in dieser Branche 2015 bereits 2 Milliarden Dollar betragen. Und in zehn Jahren könnten die Drohnen 10% des Weltmarktes im Luftfahrtbereich ausmachen.

 

 

Nadine Ayoub

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016