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Deutschland - Die Kirchen reicher als je zuvor

Länder: Deutschland

Tags: Kirche, Finanzierung, Steuer

Obwohl immer weniger Gläubige zur Messe kommen, verzeichnet die Kirche in Deutschland Rekordeinnahmen.

Die Kirchen haben in Deutschland allen Grund zur Freude: Fast 11 Milliarden Euro werden dank der Kirchensteuer in diesem Jahr in ihren Kassen landen, so die Zeitung Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Ein Rekord, der der guten Konjunktur zu verdanken ist. Die Folge: Die katholische und die evangelische Kirche sind reicher als je zuvor.

 

Keine Steuer, keine Hostie

Während in den meisten Ländern religiöse Institutionen durch Spenden finanziert werden, ist in Deutschland eine Kirchensteuer fällig. Wer nicht zahlen möchte, muss offiziell aus der Kirche austreten. Der Steuersatz variiert je nach Bundesland und beträgt zwischen 8% und 10% der Einkommenssteuer. Seit 2005 sind so die Steuereinnahmen der Kirche um 45% gestiegen.

Um säumige Zahler zu bestrafen, wurde 2012 ein neues Gesetz verabschiedet, demzufolge nur ordentliche Kirchensteuerzahler das Recht haben, Mitglied der Kirche zu sein und die Sakramente zu empfangen. Die Rechtmäßigkeit dieser Regelung wurde vom Verwaltungsgericht Leipzig bestätigt.

 

Eine Badewanne für 15 000 Euro

Im Oktober 2013 veröffentlichte die Wochenzeitung Der Spiegel einen Bericht, der belegte, dass katholische Bischöfe Millionenbeträge gebunkert haben. Nachdem die horrenden Kosten für den Bau des Bischofssitzes in Limburg bekannt wurden, die innerhalb weniger Jahre von 5,5 auf mehr als 31 Millionen Euro angestiegen waren, stand vor allem Erzbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in der Kritik. Grund für die Kostenexplosion waren u. a. Sonderwünsche des Erzbischofs: Laut der Zeitung Frankfurter Neue Presse kostete seine Privatwohnung ganze 2,9 Millionen Euro, rund 15 000 Euro machte dabei alleine die Badewanne aus. Laut Spiegel wurden im Bistum Limburg seit 1948 rund 300 Millionen Euro Einnahmen aus der Kirchensteuer auf graue Konten überwiesen. Vor dem Hintergrund dieser Enthüllungswellen wandten immer mehr Gläubige der katholischen Kirche den Rücken zu  - 2013 traten fast 180 000 Steuerzahler aus der Kirche aus.

 

Nadine Ayoub

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016