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In Detroit blühen die Ruinen

Länder: Deutschland, Vereinigte Staaten Von Amerika

Tags: Detroit, Ruinen

Detroit - die einst boomende Motorcity ist heute Ground Zero der amerikanischen Krise. In den fünfziger Jahren lebten hier noch 1,8 Millionen Menschen. Heute sind es weniger als die Hälfte. Im Juli 2013 meldete Detroit als erste amerikanische Großstadt Insolvenz an. Trotz der wirtschaftlichen Niederlage verlieren die Menschen nicht die Hoffnung, die Stadt wird zur Inspiration für zahlreiche Kunstprojekte und die Straßen jeden Tag ein bisschen bunter.

Der Müll häuft sich auf den Straßen, der Putz bröckelt von den Fassaden, viele Häuser sind abgebrannt - eine einst blühende Stadt liegt in Ruinen. Das Bild von Detroit hat sich in den letzten Jahrzehnten gewaltig verändert. Die einstige boomende Motorcity ist heute Ground Zero der amerikanischen Krise. In den fünfziger Jahren lebten hier noch 1,8 Millionen Menschen. Heute sind es weniger als die Hälfte, davon rund 85 Prozent Dunkelhäutige. Viele Einwohner führen ein miserables Leben, haben keine Jobs. Im Juli 2013 meldete Detroit als erste amerikanische Großstadt Insolvenz an. Um die 85.000 Häuser sind verlassen oder in einem katastrophalen Zustand, oder beides.

 

 

Eine ausgefallene Idee hatte Gary Zimnicki, ein begeisterter Instrumentebauer aus Michigan. Er verwertet den Sperrmüll der Ruinen in Detroit, und baut daraus Ukulelen und Mandolinen.

Doch wer genauer hinschaut, der sieht die vielen bunten Farbkleckse in dem tristen Grau der Stadt. Er hört die lachenden Menschen, inmitten der zu schrillen Kunstobjekten verwandelten Häuser. Und er fühlt den Puls einer Stadt, der trotz der wirtschaftlichen Niederlage weiterschlägt – dank den zahlreichen kleineren und größeren Kunstprojekten, die der Stadt ein bunteres Leben schenken.

 

Eine Inspirationsquelle 

Detroit ist inzwischen zur Inspirationsquelle für Künstler aus aller Welt geworden. Da ist zum Beispiel das Heidelberg Project in der Heidelberg Street, die dem Projekt 1986 den Namen gab. Tyree Guyton, der Gründer, ist hier groß geworden. Abgebrannte und verlassene Häuser bilden die Kulisse für seine surreale Kunstlandschaft. Die Ruinen sind mit Stofftieren und Schallplatten geschmückt, an den Bäumen baumeln Schuhe. Guyton nutzt die grotesken Häuserskelette für sein Outdoor-Projekt, verwertet den übrig gebliebenen Müll in extravaganten Skulpturen. Das ist Kunst für alle.

 

Feuer gehört hier zum Alltag

Große Filmemacher haben Detroit bereits für sich entdeckt: Der Regisseur Steve Faigenbaum verwirklichte hier seinen Dokumentarfilm "City of Dreams". Auch die Themen der Filme passen sich der unheimlichen Stadtkulisse an: das Ende einer Zivilisation, darum geht es in "Lost River", der ersten Regiearbeit des US-Schauspielers Ryan Gosling. Der in Detroit gedrehte Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der im Feuerchaos dieser Stadt überlebt. Feuer gehört hier zum Alltag, etwa 10 Häuser werden pro Nacht in Brand gesetzt.

 

 

 

Eine Stadt empört sich für die Kunst

Für große Empörung sorgte die Ankündigung, Gemälde des Detroit Institute of Arts zu verkaufen, um Gläubiger auszuzahlen.

 

 

Hunderte von Arbeitern und Jugendlichen versammelten sich am im Stadtzentrum von Detroit, um gegen die Ausverkaufspläne zu demonstrieren - ein Zeichen, dass die Bürger Detroits Kunst als Teil ihres Lebens betrachten.

Jetzt versprachen General Motors, Ford und Chrysler 26 Millionen Dollar, damit die Kunst in Detroit bleiben kann.

 

Auch über den Kontinent hinaus inspiriert das Detroit-Projekt viele Künstler. So etwa in Bochum, das mit der Schließung der Opel-Werke zu einem deutschen Detroit werden könnte. Doch genau das wollen die Menschen dort verhindern. Blumen- und Gemüsekisten im Gemeinschaftsgarten des Theaters, Jeder-Kann-Mitmachen-Sonntage, Fotoausstellungen – rund 50 internationale und nationale Künstler aus Spanien, Polen, Großbritannien, Deutschland und den USA haben mit dem Bochumer Detroit-Projekt die Stadt ein bisschen schöner gemacht und die Bürger zum Mitmachen bewegt.

 

Es wird gemunkelt, Detroit sei das neue Berlin. Die Stadt inspiriert, zieht mit ihrem besonderen Spirit viele Touristen an und bietet nebenbei billigen Wohnraum für viele Künstler, die sich jetzt hier niederlassen. Auch wenn die Stadt ihren einstigen wirtschaftlichen Erfolg vielleicht nie wieder einholen wird – ein Stück schöner ist sie auf jeden Fall geworden.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016