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Der weibliche Blick auf den Krieg

Länder: Spanien

Tags: Fotografie, Kriegsfotografie, Geschichte, Krieg

Gibt es ihn denn überhaupt, den weiblichen Blick auf den Krieg? - Inzwischen wissen wir, dass es allein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine nicht zu beziffernde Anzahl an schreibenden und fotografierenden Kriegsreporterinnen gegeben hat. 

Sie kamen im Ersten Weltkrieg überwiegend aus Großbritannien und Österreich und im Zweiten Weltkrieg aus der Sowjetunion, Frankreich, Griechenland, Finnland, Südafrika, den Niederlanden, Norwegen sowie aus den USA. Aus diesen Ländern kamen etwa 120 schreibende und fotografierende Reporterinnen. Das belegen Akkreditierungen.

 

Alice Schalek, die erste deutschsprachige Kriegsfotografin

Geradezu begeistert von dieser elementaren Grenzerfahrung im Ersten Weltkrieg war die Österreicherin Alice Schalek, die erste deutschsprachige, akkreditierte Kriegsreporterin und Fotografin.

Alice Schalek hatte ein ganz besonderes Selbstverständnis von sich als Frau und Journalistin; es bestand eine offene Gegnerschaft zwischen der Kriegsreporterin und ihrem misogynen Widersacher, dem Pazifisten Karl Kraus - vermutlich gerade wegen ihrer Ausnahmesituation in der damaligen Zeit.
 

Die Sicht der Frauen auf ihre Rolle und ihre Rechte in Großbritannien im Ersten Weltkrieg war nicht weniger differenziert und findet auch ihren Niederschlag in einer Fülle unterschiedlicher fotografischer Werkkomplexe von Fotografinnen in der 1917 angelegten Sammlung des Imperial War Museum in London.

 

Die internationale Teilnahme fotografierender Frauen steigt im Spanischen Bürgerkrieg deutlich an, auch, weil sich der Beruf der Fotografin während der zwanziger Jahren europaweit enorm verbreitet hat. Von Großbritannien aus unterstützten fotografierende Frauen die Belange der Republik oder waren wie Vera Elkan mit Film- und Fotokamera im Auftrag der angelsächsischen "Aid Spain" zur Unterstützung der republikanischen Truppen und der Internationalen Brigaden vor Ort. 

 

Gerda Taro, Fotografin an vorderster Front im Spanischen Bürgerkrieg

Gerda Taro, die Fotografin, die im Spanischen Bürgerkrieg an vorderster Front unter Soldaten und Kollegen mit der Kamera dabei war und dabei zu Tode gekommen ist, hat Medien- und Frauengeschichte geschrieben. 

 

Einige ihrer Fotos finden Sie in unserer Fotogalerie. Daneben stellen wir Ihnen Werke von Christinie Spengler vor, die ihr erstes Foto 1970 als Kriegsreporterin im Tschad schoss. Sie dokumentierte ausserdem die iranische Revolution und die Bombardements der amerikanischen Luftwaffe auf Phnom Penh. 1998 gewann sie in Frankreich eine Auszeichnung für ihre Fotoreihe zu den Frauen im Krieg. 

Kriegsfotografinnen als Medienstars

Margaret Bourke-White und Lee Miller, zwei amerikanische Kriegsfotografinnen aus den USA wurden während des zweiten Weltkriegs regelrecht zu Medienstars: 

Als akkreditierte Fotografinnen in Uniform haben sie neben kämpfenden Soldaten das Kriegsgeschehen in Nord-Afrika, Italien und Frankreich an der Front am Boden und aus der Luft mit der Kamera fotografiert. Dieser Tabubruch bedeutete in der Geschichte der Kriegsfotografie eine historische Zäsur, in deren Folge es für Frauen überhaupt erst selbstverständlich wurde, in Kriegs- und Krisengebieten tätig zu werden. Dass zu diesem Schritt neben einem grenzenlosen Durchsetzungsvermögen der Frauen selbst vor allem auch gesellschaftliche Verhältnisse wie in den USA gehörten, zeigt die zurückhaltende Rezeption der Kommunistin und Kriegsfotografin Gerda Taro, aber mehr noch das öffentliche Ansehen der Kriegsfotografinnen in der Sowjetunion: Die Fotografin Natalija Bode beispielsweise und ihre Kolleginnen, die freiwilligen Rotarmistinnen, wurden nach ihrer Rückkehr nicht gefeiert und zu Vorbildern stilisiert, vielmehr schlug ihnen Misstrauen und oftmals Verachtung entgegen. Sowohl in der offiziellen als auch in der privaten Erinnerung wurde ihr Kriegsbeitrag weitgehend tabuisiert. 

 

Germaine Krull: Im Kampf gegen den Nationalsozialismus

Die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Paris lebende Fotografin Germaine Krull hat als vehemente Antifaschistin zwischen 1942 und 1944 ihre fotografische Tätigkeit vollständig in den politischen Kampf gegen den Nationalsozialismus auf Seiten der exterritorialen Regierung Charles de Gaulles gestellt.

Abgesehen von zahllosen Kriegsfotografinnen, muss in diesem Zusammenhang auch die Tätigkeit zahlreicher, namentlich bekannter, deutscher Bildberichterstatterinnen im Zweiten Weltkrieg ein ungeschriebenes Kapitel bleiben. Im Auftrag des Deutschen Frauenbundes haben viele von ihnen in den besetzten Gebieten für die gleichgeschaltete deutsche Presse fotografiert oder wie Ilse Steinhoff, deren Leben und Arbeit sich bis jetzt nur fragmentarisch rekonstruieren lässt, auf Reisen in Nordafrika, auf dem Balkan und Reportagen für die Berliner Illustri(e)rte Zeitung, für Signal, Die Wehrmacht, Atlantis u.a. gemacht.

 

Die Zeitschrift "Fotogeschichte" widmet sich in ihrem Heft 134 den Kriegsfotografinnen und ihren Arbeiten in den Jahren 1916 bis 1944. Der Text oben stammt aus dem Editorial dieser Ausgabe und wird hier leicht gekürzt dargestellt.

Ausstellungen:
- noch bis 24. 4.: Imperial War Museum London: Lee Miller, A Woman's War
- 19.3. - 12.6.16: Martin Gropius Bau Berlin: Lee Miller - Fotografien
- April - Oktober 2016: Farley Farm Haus, Chiddingly / East Sussex, England: sonntags Führungen durch das Haus von Lee Miller und Roland Penrose
- 6.4. - 5.6.16: Maison Européenne de la photographie: Christine Spengler - L'Opera du monde 1970 - 2016

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016