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Der verfängliche Ehemann von Anne Lauvergeon

Länder: Frankreich

Tags: Anne Lauvergeon, Areva, Uramin

Gegen Olivier Fric, den Ehemann von Anne Lauvergeon, läuft ein Verfahren wegen Verdachts auf Insidergeschäfte mit Uramin-Aktien kurz vor dem Aufkauf durch Areva 2007. In einem Interview, das er uns vor der Anklageerhebung gegeben hatte, wies er diesen Vorwurf zurück.

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Olivier Fric, der Ehemann von Anne Lauvergeon, war der erste Verdächtige, der Ende März  im Rahmen der gerichtlichen Untersuchungen zur Uramin Affäre offiziell beschuldigt wurde, wegen Insidergeschäft und Geldwäsche. Der Vorwurf: Er habe dank Insiderinformationen mit einem Partner kurz vor dem Uramin-Aufkauf durch Areva ein einträgliches Geschäft mit Uramin-Aktien gemacht. Zwischen dem 18. Mai und dem 12. Juni, unmittelbar vor dem Öffentlichen Kaufangebot von Areva an der Börse von Toronto, kaufte eine Firma, die er zusammen mit einem Partner in der Schweiz besaß, 320.000 Uramin-Aktien. Der Wiederverkauf nach dem Erwerb von Uramin durch Areva brachte einen Nettogewinn von knapp 300.000 Euro. Das erfuhr ARTE von Olivier Frics Anwalt Mario-Pierre Stasi, der im Übrigen jede Unregelmäßigkeit bei dieser Transaktion leugnet. Tracfin, die Einheit zur Bekämpfung der Geldwäsche im Wirtschaftsministerium, hatte diese Informationen an die Justiz weitergeleitet und damit das Verfahren ausgelöst.

 

Sie werden wegen Insidergeschäfts gerichtlich verfolgt. Wie erklären Sie sich das?

Olivier Fric: Versetzen Sie sich zurück in den Kontext von 2007. Damals boomten die Rohstoffe, und Uran besonders. Die Kursanstiege schienen unaufhaltsam. Wenn meine Erinnerung stimmt, hat Areva im März oder April (im März, AdR) 5 Prozent der Uramin-Aktien gekauft. Das hat auf dem Finanzmarkt Interesse geweckt, viele Experten beschäftigten sich damit. Ich hatte mit einem Partner, Franck Hanse, 2003 in der Schweiz eine Firma gegründet, deren Geschäftsgrundlage die Herstellung von Firmenkontakten und der Verkauf von Aktiva im Erdölsektor ist. Irgendwann sind wir auch auf den steigenden Uran-Kurs zu sprechen gekommen. Daraufhin hat er Ende Mai, Anfang Juni Aktien angekauft. Ich habe das erst im Nachhinein erfahren. Damals war ich darüber nicht informiert, ich habe es erst dieses Jahr festgestellt, als ich die Bücher geprüft habe.

 

Finden Sie die Versicherung, Sie hätten eine solche Transaktion erst acht Jahre später entdeckt, wirklich glaubhaft? 

Olivier Fric: Als ich der Sache dieses Jahr, im Rahmen der Ermittlungen, auf den Grund gegangen bin, habe ich festgestellt, dass diese Geschäfte 5 Prozent unserer gesamten Investitionen von 2007/2008 darstellen. Sie verlieren sich also in der Gesamtmasse. Sicher, es waren gewinnbringende Operationen, aber es war nur ein winziger Teil dessen, was Franck gemacht hat, und davon redet keiner. Wir haben uns 2009 getrennt, Anfang 2011 habe ich meine Anteile abgegeben.

 

Wir hatten damals kleine Kinder"

Olivier Fric

Haben Sie damals mit Ihrer Frau darüber gesprochen?

Olivier Fric: Wir sehen uns nicht jeden Abend, ich wohne die Woche über in Lausanne. Nein, wir haben nicht darüber gesprochen. Ich war damals enorm viel auf Reisen, wir sind beide ständig unterwegs. Und wir sprechen auch am Telefon nicht über Geschäfte. Und ich weise Sie auf noch etwas hin: Wir hatten damals kleine Kinder, was einen am Abend und am Wochenende auch ganz schön beschäftigt. Außerdem hat Anne, wenn wir uns am Wochenende in Paris sehen, eine harte Woche in ihrem eigenen Umfeld hinter sich und braucht nichts weniger als einen Mann, der ihr auch noch mit beruflichen Dingen kommt.

 

Haben Sie später irgendwann über das Thema Uramin gesprochen?

Olivier Fric: Am Abend des Tages, als Anne den Aufkauf von Uramin bekanntgegeben hatte, hat sie mich angerufen und gesagt: "Übrigens, ich habe heute eine Bergbaufirma gekauft." "Gratuliere", sage ich, "und wer ist der Glückliche?" Erinnerungslücke - der Name fällt ihr nicht mehr ein. Das ist das Paradoxe an der Geschichte: Die Tatsache, dass wir nicht wussten, was hinter unserem Rücken geschah, hat dazu geführt, dass wir nicht reagiert haben, was heute als äußerst ungeschickt erscheint. Aber wenn mein Partner und ich uns wirklich für Insidergeschäfte hätten aufstellen wollen, hätten wir dann eine so durchsichtige und offensichtliche Operation aufgezogen?

 

Sie haben auch für eine Areva-Fabrik in Namibia gearbeitet, nicht?

Olivier Fric: Ich habe mich ein Mal auf Ersuchen von Sébastien de Montessus (Leiter der Abteilung Bergbau bei Areva, AdR) bereit erklärt, mich um den namibischen Partner des dortigen Projekts zu kümmern. Das war eine kleine Finanz- und Hotel-Holding vor Ort, deren Chef sich bemühte, Kapital aufzutreiben, um in das Projekt einzusteigen. Ich habe an einigen Besprechungen teilgenommen. Ich habe dafür in zwei Jahren 30.000 Euro verdient, also weniger als 2.000 Euro im Monat. 

 

Bevorteilung durch Beziehungen? Erklären Sie mir mal, welche!"

Olivier Fric

Warum lassen Sie sich auf Geschäfte mit Areva ein, wenn Sie doch wissen, dass Ihnen das unweigerlich den Vorwurf der Bevorteilung durch Beziehungen einbringen wird?

Olivier Fric: Erklären Sie mir mal, welche! Ich habe zwei Jahre lang für 2.000 Euro im Monat einen Geschäftsmann vor Ort bei der Kapitalbeschaffung beraten. Finden Sie, dass das eine unvertretbare Bevorteilung durch Beziehungen darstellt? Heute, acht Jahre später, sieht man das als Untat. Aber die Ethik-Kommission bei Areva, die es schon immer gab, hat damals zu keinem Zeitpunkt auch nur den leisesten Zweifel angemeldet.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016