Der unzumutbare Dschungel von Calais

Länder: Frankreich

Tags: Calais, Flüchtlinge

Bernard Cazeneuve hat heute zum siebten Mal den "Dschungel" von Calais besucht. Der französische Innenminister steht unter Druck, nachdem 800 Franzosen in der Tageszeitung "Libération" einen Appell unterzeichnet haben, um auf das Flüchtlingselend im Zeltlager aufmerksam zu machen.

 

 

Der unzumutbare Dschungel von Calais

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Lesen Sie hier den vollständigen Bericht der "Défenseurs des droits" zur humanitären Situation im "Dschungel" (auf Französisch).

In zwei Wochen hat sich die Zahl der Flüchtlinge im Slum verdoppelt. Es sind mittlerweile 6.000 Menschen, die sich in die Zelte von Calais quetschen. Sie kommen aus dem Sudan, aus Eritrea, Afghanistan oder Syrien und verbringen im Zeltlager eine äußerst schwierige Zeit. Schmutz, unzumutbare hygienische Verhältnisse und nun kommen zwei weitere erschwerende Bedingungen hinzu: Kälte und Feuchtigkeit. Jacques Toubon, der Leiter der staatlichen Organisation "Défenseur des droits" erwähnt in einem Bericht außerdem die "anhaltende Belästigung durch die Polizei" sowie die regelmäßige "Benutzung von Tränengas". "Gestern besprühte die Polizei in Calais die Flüchtlinge von ihrem Auto aus mit Tränengas", schrieb die Journalistin Alexis Kraland auf Twitter

 

 

Auch wenn Bernard Cazeneuve die Schlussfolgerung als "vereinfacht" und "karikaturistisch" abtut – der Bericht  stützt sich auf Fakten, die von einer Delegation im vergangenen Juni und Juli erhoben wurden. Die Situation im Zeltlager von Calais hat sich rapide verschlechtert.

 

Der Alltag im "Dschungel"

Der Aufschrei der 800

Es ist die Zuspitzung der Situation im Lager, die französische Filmemacher, Schriftsteller, Philosophen, Forscher und Intellektuelle dazu veranlasst hat, sich nun vermehrt für die Bewohner des "Dschungels" einzusetzen. Auf der Internetseite der französischen Tageszeitung "Libération" starteten sie einen Aufruf. "Unwürdig" nennen sie die Zustände im Slum. Bislang wurde der Appell mehr als 9.000 Mal unterzeichnet.

 

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Calais: Vom Elend und einem Funken Hoffnung. Unsere Reportage

Die unzureichende Antwort der französischen Behörden

Auf den Zuwachs der Flüchtlinge war Frankreich nicht vorbereitet. Bis zum 31. Dezember sollen in Calais 125 Container hergerichtet werden. Jeder dieser Wohnblocks soll geheizt werden und 12 Menschen aufnehmen können. Unter dem Strich heißt das aber: Nur 1.500 der derzeit 6.000 Flüchtlinge werden hier Unterschlupf finden. "Was geschieht mit den restlichen zwei Dritteln? Es wird mehr Beengtheit geben und so zu stärkeren Spannungen führen. Es wird die Situation der 2.500 anderen Flüchtlinge verschärfen!", erklärte Christian Salomé der Vereinigung "Auberge des migrants". 

 

Die englische Fata Morgana

England, dorthin wollen die Flüchtlinge. Calais ist hierbei ihre letzte Hürde. Wegen der aufgerichteten Zäune und der angebrachten Kameras ist die Überfahrt seit Anfang September fast unmöglich. ​

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016