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Boko Harams junge Attentäterinnen

Länder: Nigeria

Tags: Terrorismus, Boko Haram

Zwei Mädchen geben sich als Verfolgte aus und sprengen sich in einem Flüchtlingslager der nordnigerianischen Stadt Dikwa während der Essensausgabe in die Luft. 65 Menschen verlieren ihr Leben. Der Terror von Boko Haram überschattet auch den Besuch des deutschen Bundespräsidenten Gauck in der Hauptstadt.
 

65 Tote in einem Flüchtlingslager

Zwei Mädchen betreten am 10. Februar ein Flüchtlingslager in der Stadt Dikwa, im Norden Nigerias. Sie geben vor, auf der Flucht vor der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram zu sein. Mit Hunderten anderen stellen sie sich bei der Essensausgabe an. Niemand merkt, dass sie unter ihren traditionellen Gewändern Sprengstoffgürtel tragen. Die Selbstmordattentäterinnen reißen am Mittwoch 65 Menschen mit in den Tod.

Es ist nicht der einzige Anschlag, der in den letzten Monaten auf diese perfide Weise verübt wurde. Im Nachbarstaat Yobe zündete eine Zehnjährige ihren Sprengstoffgürtel auf einem belebten Markt in der Stadt Damaturu. Mindestens 19 Menschen starben, fast 50 andere werden verletzt. Weiter westlich, in der Stadt Kano, sprengten sich zwei junge Attentäterinnen inmitten einer Menschenmasse in die Luft. Auch hier fiel die Bilanz mit 15 Toten und etwa 100 Verletzten verheerend aus.

 

Eine menschenverachtende Strategie

Der Einsatz von Mädchen als Selbstmordattentäterinnen entspricht einer Strategie, die im wesentlichen zwei Hauptgründe kennt:

1. Unschuldsvermutung: Mädchen wirken weniger verdächtig und können unter ihrem langen, muslimischen Gewand, der Burka, leicht Sprengstoffgürtel verstecken. Männliche Sicherheitskräfte dürfen Frauen in der stark religiös geprägten Region keinen Körperkontrollen unterziehen.

2. Mediatisierung: Terrorgruppen wie der "IS" oder Boko Haram suchen die internationale Aufmerksamkeit. Junge, weibliche Täterinnen lösen größere Empörung aus und bekommen mehr Aufmerksamkeit, vor allem in internationalen Medien. 
 

Chibok-Mädchen als Selbstmordattentäterinnen?

Einige Experten gehen davon aus, dass sich unter den Selbstmordattentäterinnen einige jener 276 Schulmädchen befinden, die im April 2014 von Boko Haram aus der Stadt Chibok entführt wurden. "Es ist sehr wahrscheinlich", bestätigte Bukola Shonibare gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Bukola Shonibare arbeitet für die Kampagne "Bring Back Our Girls", die fast zwei Jahre nach der Tat noch immer für die Rückkehr der Mädchen kämpft. "Wir haben keine Beweise, doch Informationen von einigen geflüchteten Mädchen und Dorfbewohnern in der Nähe von Boko-Haram-Verstecken deuten darauf hin."

 

Buhari wirkt machtlos

Nachdem der ehemalige Präsident Goodluck Jonathan die Terroranschläge während seiner Amtszeit nicht in den Griff bekommen hatte, gewann sein Herausforderer Muhammadu Buhari im vergangenen April die Präsidentschaftswahl unter anderem mit dem Versprechen, Boko Haram zu stoppen. Zwar konnte das Militär zahlreiche besetzte Dörfer und Gebiete zurückerobern, doch zog sich die Terrorgruppe in ihre Lager in schwer zugänglichen Wäldern und Höhlen zurück. Von dort aus verübt sie weiter blutige Anschläge in Nigeria sowie angrenzenden Gebieten der Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger. 

 

Schatten über Treffen mit Gauck

Buhari sagte heute anlässlich des Treffens mit dem deutschen Bundespräsidenten Gauck, dass die Terrormiliz - ungeachtet des neuen Anschlags - geschwächt sei: "Boko Haram ist nicht mehr, was sie einmal war", sagte er. Es gebe keine lokalen Verwaltungseinheiten mehr, die von den Terroristen kontrolliert würden. Nur zu feigen Attentaten sei die Miliz noch in der Lage.

Bundespräsident Joachim Gauck hat Nigeria Unterstützung im Kampf gegen die islamistische Terrormiliz und für eine politische und wirtschaftliche Stabilisierung zugesagt. Gauck verurteilte den Selbstmordanschlag im Norden Nigerias und sprach dem Präsidenten sein Beileid aus.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016