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An der Sterbehilfe scheiden sich die Geister

Länder: Deutschland

Tags: Sterbehilfe, Bundestag, Beihilfe zum Suizid

Suizid und Beihilfe dazu sind in Deutschland bisher nicht strafbar. Aktive Sterbehilfe dagegen ist verboten. Die Meinungen über die Neuregelung des Gesetzes zur Sterbehilfe gehen im Bundestag quer durch alle Fraktionen. Die Abgeordneten sind sich darüber einig, dass das Thema zu sensibel ist, um sich einem "Fraktionszwang" zu unterwerfen. Noch in diesem Jahr will der Bundestag über eine Neuregelung entscheiden.

500

Fälle gibt es pro Jahr, in denen sich die Frage des assistierten Suizids stellt.

Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte

Vier Vorschläge – Mal mehr, mal weniger deutliche Unterschiede

"In etwa 500 Fällen pro Jahr stellt sich die Frage des assistierten Suizids", sagte heute der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Er, sowie der CDU-Abgeordnete und Bundestagsvizepräsident Peter Hintze, lehnen eine Verschärfung des Strafrechts im Zusammenhang mit der Sterbebegleitung ab. Nicht Staatsanwälte gehörten ans Sterbebett, sondern Angehörige und Ärzte des Vertrauens, so Hintze. Der Maßstab müsse der leidende Mensch sein und sein Recht zu entscheiden, "ob er die Qual des Todeskampfes noch ertragen kann", sagte Hintze im Bundestag bei der ersten Lesung von vier fraktionsübergreifenden Gesetzesentwürfen zur künftigen Sterbehilfe.
Eine weitere Gruppe von Abgeordneten will demgegenüber mit einem neuen Gesetzesparagraphen "Anstiftung und Beihilfe zur Selbsttötung" verbieten. Nur in extremen Ausnahmefällen solle das straffrei bleiben.
Auf der anderen Seite wollen Abgeordnete um die Grünen-Politiker Renate Künast und Kai Gehring, sowie die Linke Petra Sitte, dass die Beihilfe zur Selbsttötung straffrei bleibt. Es sei denn, sie geschehe "aus Gründen des eigenen Profits". Auch Sterbehilfevereine sollen ausdrücklich erlaubt sein, sofern sie keine Profitabsicht haben.
Die "geschäftsmäßige Förderung der Sterbehilfe" solle unter Strafe gestellt, Suizidbeihilfe, die in schwierigen Konfliktsituationen gewährt wird, soll hingegen ausdrücklich nicht bestraft werden.

 

Gegenwind von der Bundesärztekammer

Man soll nicht durch den Arzt sterben, sondern an der Hand des Arztes in den Tod begleitet werden.

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer

"Man soll nicht durch den Arzt sterben, sondern an der Hand des Arztes in den Tod begleitet werden", sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, im ARD-Morgenmagazin. Der Mediziner stellt sich damit gegen den Vorschlag aus den Reihen von CDU, SPD, Grünen und Linken, es Ärzten zu erlauben, sterbenskranken und extrem leidenden Personen beim Suizid zu helfen.
Gewarnt vor einer "Normalisierung" des ärztlich begleiteten Suizids, hat auch die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Das sei "der falsche Weg", sagte DGP-Präsident Lukas Radbruch in Berlin. Das Lebensende sei nicht klar zu definieren, deshalb sei es "zum Scheitern verurteilt" festzulegen, wann ein Arzt das tun dürfe. Die Palliativmediziner glauben, dass die Optionen für eine Begleitung am Lebensende noch "nicht ausgereizt" sind.

 

Kirchen fordern bessere Hospizbegleitung

Die beiden großen Kirchen in Deutschland wollen, dass organisierte Beihilfe zum Suizid verboten wird. In einer Stellungnahme wandten sie sich an die Abgeordneten des Bundestages. "Wir müssen verhindern, dass Sterbebeihilfe in unserem Land zur alltäglichen Selbstverständlichkeit wird", hieß es in dem gemeinsamen Text der evangelischen und der katholischen Kirche. Stattdessen fordern sie einen Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung, um Todkranke besser begleiten zu können. Nur so könne eine "angemessene und menschliche medizinische Fürsorge am Lebensende geschaffen werden".

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016