Der politische Umbruch von 1989 und die Jugend von heute

Länder: Tschechische Republik, Deutschland, Polen, Rumänien

Tags: generation, Révolution, Mauerfall, Berlin

Der Mauerfall – verdammt lange her könnte man meinen. Oder vielleicht doch nicht? Spielt er noch eine Rolle für junge Europäer?

Überblick :

Prag: In Prag begegnen sich Underground-Musiker Mihael Kocáb und Roma-Star-Rapper Radek Banga, beide provozieren mit ihrer Musik.

Rumänien: Wir berichten aus Rumänien, wo die Revolution von 1989 nicht friedlich blieb und zwei Schauspieler heute für die Aufarbeitung dieses blutigen Kapitels kämpfen.

Estland: Wir suchen in Estland nach Spuren der Singenden Revolution und erfahren wie aktuell die Lieder von damals heute wieder sind.

 

Wie viel Revolution steckt heute noch in jungen Europäern? 

(Ausschnitt der Sendung):

 

Yourope MDR10  Treffen in Berlin

 

Umsturzbewegungen in Osteuropa

Von der Perestroika zum Ende der UdSSR

 

Es gibt eine ganze Reihe von Ereignissen, die viele Jahre vor dem Mauerfall das Fass langsam aber stetig zum Überlaufen gebracht haben. Spätestens ab Mitte der 80er Jahre wurde immer deutlicher: Das zentralistische Wirtschaftssystem ist am Ende. Die Reformbestrebungen unter Michail Gorbatschow in der Sowjetunion hat vielen Regimekritikern in den sozialistischen Bruderstaaten Mut gemacht, ihre Unzufriedenheit offen zu zeigen. Und so – begann der politische Umbruch – schleichend und langsam  –, der sich wie ein Lauffeuer durch Osteuropa verbreitet hat.

 

 

Yourope MDR10  Faktencheck

 

9. November 1989

 

 

 

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9. November 1989. Es ist 18.58 Uhr, als Günter Schabowski, Sprecher des SED-Zentralkomitees, die Öffnung der Grenzen zur Bundesrepublik und zu Westberlin bekannt gibt. Die neue Reiseregelung erlaubt DDR-Bürgern Privatreisen ins Ausland ohne Voraussetzungen (zum Beispiel Reiseanlässe oder Verwandtschaftsverhältnisse). Schabowski verkündet: „Ständige Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD bzw. zu Westberlin erfolgen.“ Und zwar „ ab sofort, unverzüglich“. Danach ist in Europa nichts mehr wie zuvor. 

 

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Der Fall der Mauer hat ganz Europa verändert. Es erfolgte ein Systemwechsel in allen sozialistischen Staaten Osteuropas. Dadurch haben viele die Chance bekommen, Träume wirklich werden zu lassen, zu reisen, eine neue berufliche Zukunft aufzubauen. Andererseits bedeutete dieser Wechsel aber auch den Verlust von gewohnten Sicherheiten.

 

Generation Wende

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Der politische Umbruch bedeutet für die Menschen in Osteuropa ein ganz neues Leben. Ein Leben mit neuen Möglichkeiten aber auch mit neuen Herausforderungen – die vertraute Sicherheit war weggebrochen. In der DDR zum Beispiel waren viele Menschen zum ersten Mal nach der Wende mit Arbeitslosigkeit und Existenzangst konfrontiert. Eine berufliche Neuorientierung war für einige DDR-Bürger die einzige Alternative.

Eine Langzeitstudie

Eine Langzeitstudie aus Sachsen zeigt, wie es DDR-Jugendlichen ergangen ist. Seit 1987 werden jedes Jahr immer die gleichen Menschen, die damals 14 Jahre alt waren, befragt:

Wie haben sie den Wiedervereinigungsprozess erlebt? Was denken sie heute über die Wende und wie sehen sie ihre Zukunft?

Ein Viertel dieser ehemaligen Sachsen lebt heute im Westen Deutschlands oder im Ausland. Über die Jahre haben die Forscher festgestellt, dass die überwiegende Mehrheit der Studienteilnehmer die Wiedervereinigung begrüßt. 1990 waren 73 Prozent der Befragten für die deutsche Einheit, 2013 haben 91 Prozent von ihnen gesagt, dass sie die Wiedervereinigung für etwas Gutes halten.

Dennoch ist die DDR-Vergangenheit nicht vergessen: seit einigen Jahren antworten über 85 Prozent der Teilnehmer, dass sie sich in ihrer Identität gleichermaßen als ehemaliger DDR-Bürger wie auch als Bürger der Bundesrepublik fühlen.

Die meisten der Befragten, die heute über 40 Jahre alt sind, haben schon immer optimistisch in die Zukunft geblickt. 2012 gaben 75 Prozent der Teilnehmer an, ihre Zukunftsaussichten positiv einzuschätzen.

Fragt man allerdings nach der Zukunft Ostdeutschlands sinkt der Optimismus seit der Wiedervereinigung deutlich: Glaubten anfangs noch 52,3 Prozent an eine gute Perspektive für Ostdeutschland, waren es 2004 nur noch 12,3 Prozent. Seitdem geht die Stimmung aber wieder nach oben.

 

Gerhild, Simone, Lutz und Franka gehören zu diesen Studienteilnehmern, die jedes Jahr mehr als 100 Fragen beantworten. Die Reportage:
Yourope MDR10  Studie

 

Ossi-Wessi

 

Auch wenn die DDR als Staat nicht mehr existiert, gibt es immer noch Menschen, die sich als Ossi bezeichnen - zum Beispiel die Schauspielerin Katharina Spiering. Katharina hat in vielen Kino- und Fernsehfilmen mitgespielt - im vergangenen Jahr zum Beispiel in dem Film „Jedes Jahr im Juni“. Es geht darin um eine Liebesgeschichte zwischen einer Westdeutschen und einem Mann aus der DDR. Die beiden treffen sich einmal im Jahr in Ost-Berlin. Und genau dort, in Ost-Berlin, hat sich nun Andreas, geboren in Westdeutschland, mit Katharina getroffen.

 

Gedreht im November 2013 und nur noch auf info.arte.tv zu sehen.

 

 

Yourope MDR10 Katharina