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Der Papst verlängert das Mandat der Kinderschutz-Kommission

Länder: Monde

Tags: Papst, katholische Kirche, Pädophilie

Für viele Katholiken ist Papst Franziskus mit seiner Kapitalismuskritik, seinem Einsatz für die Umwelt und Flüchtlinge ein wahrer Rockstar. Nach den konservativen Pontifikaten von Benedikt XVI. und Johannes Paul II. bringt Franziskus frischen progressiven Wind in die altehrwürdigen Gemäuer und steigert seine Popularität. Seine letzte Lateinamerika-Reise im Januar hatte jedoch einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der Grund: Seine Unterstützungszusage an Bischof Barros, der verdächtigt wird, die Missbrauchsdelikte des chilenischen Kardinals Fernando Karadima in den 1980er und 1990er-Jahren gedeckt zu haben. Einige Tage später entschuldigte sich der Papst bei den unzufriedenen Missbrauchsopfern und leitete Ermittlungen gegen den umstrittenen Bischof ein. Am 17. Februar wurde ein erstes Opfer in der Causa angehört.

Nur beratende Funktion

Die Ankündigung, das Mandat der Kommission für den Schutz von Minderjährigen just an diesem Tag zu verlängern, war wohl kaum ein Zufall. Die Kommission war 2014 – kurz nach der Wahl von Papst Franziskus – ins Leben gerufen worden und ihr Mandat war am 17. Dezember 2017 ausgelaufen. Sieben Mitglieder wurden erneut bestellt, sieben wurden nicht verlängert und neun neue Mitglieder stoßen dazu. Der Vatikan teilte mit, dass sich auch ehemalige Missbrauchsopfer im Gremium befänden. Ihre Identität ist nicht bekannt.

Tatsächlich braucht es aber mehr, um das Vertrauen in die Kirche, die in den letzten Jahren wiederholt von Missbrauchsskandalen eingeholt wurde, wiederherzustellen. Die Aufgabe des Expertengremiums beschränkt sich auf eine beratende Funktion, sie kann nicht in Einzelfälle eingreifen.

 

Frustration bei den Opfern

Die Arbeit der letzten Kommission war von zwei Mitgliedern, selbst Missbrauchsopfer, heftig kritisiert worden. Die Irin Marie Collins trat im März 2017 zurück und bezeichnete den "Mangel an Zusammenarbeit" mit dem Vatikan als "beschämend".

"Es ist vernichtend, im Jahr 2017 zu sehen, wie diese Männer noch immer andere Interessen vor die Sicherheit von Kindern (...) stellen können", erklärte sie die Beweggründe für ihren Rücktritt. Die Vorgangsweise der Kirche in der Missbrauchskrise beschreibt sie "mit schönen Worten in der Öffentlichkeit und gegensätzlichen Handlungen hinter geschlossenen Türen".

Die französische Kinderpsychiaterin Catherine Bonnet - ehemaliges Mitglied der Kommission deren Mandat nicht verlängert wurde - zeigt sich gegenüber der Zeitung Le Monde schockiert, dass die von der Kommission ausgearbeiteten Vorschläge keine Beachtung fanden. Am 21. September 2017 erhielt der Papst einen konkreten Maßnahmenkatalog: die Aufhebung der pontifikalen Schweigepflicht bei sexuellem Missbrauch und die Abschaffung der Verjährungsfrist – unter Papst Benedikt XVI wurde sie von 10 auf 20 Jahre angehoben.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen wurden von Opfervereinen einhellig begrüßt, sie erwarten im Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Papst Franziskus aber mehr als fromme Wünsche.

 

Zuletzt geändert am 20. Februar 2018