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Der Kreuzweg der Frauen

Länder: Polen

Tags: katholische Kirche, Priestertum, Frauen

In Polen wecken Frauen in typischen Männerberufen die Missgunst der katholischen Kirche. Und auch innerhalb der Institution scheint Gleichstellung nach wie vor ein Fremdwort: In ganz Europa ist dem weiblichen Geschlecht der Zugang zu höheren klerikalen Ämtern verwehrt.

 

Ministerin, Abgeordnete oder Firmenchefin – dass den polnischen Frauen heutzutage alle Führungspositionen offen stehen, gefällt der katholischen Kirche ganz und gar nicht. In dem zu 90 % katholischen Land haben Priester noch immer großen Einfluss und verteilen im Gottesdienst bisweilen sogar Wahlratschläge. Manche von ihnen behaupten ganz offen, dass „Frauen nicht für die Ausübung politischer Ämter geeignet sind“. Die Kirche hat die gesellschaftliche Gleichstellung der Frau also noch längst nicht akzeptiert. Und auch in der Institution selbst bleibt das weibliche Geschlecht benachteiligt.

 

Sexismus im Vatikan?

Für die römisch-katholischen und orthodoxen Kirchen ist klar: Manche klerikale Ämter dürfen einfach nicht mit Frauen besetzt werden. Priester und Bischöfe gelten als irdische Vertreter Christi und verteilen die Sakramente an seiner statt. „Das Priestertum ist ein Männeramt“, verkündete Laurent Ulrich, Erzbischof von Lille, im Dezember gegenüber der französischen Presseagentur AFP. „Es sei jedoch daran erinnert, dass unsere Aufgabe darin besteht, alle kirchlichen Dienste wertzuschätzen.

Auch wenn dem weiblichen Geschlecht die höheren kirchlichen Positionen verwehrt bleiben, so ist es doch immer häufiger in Gemeinden und Bistümern vertreten. Frauen unterstützen die Bischöfe vor Ort und übernehmen Tätigkeiten wie liturgische und pastorale Betreuung, Bestattungen, Katechese und Seelsorge.

Wir engagieren uns für eine gemeinsame Sache, und das klappt gut. Natürlich sind wir nicht hier, um Karriere zu machen“, erklärt Manuela de Faria, leitende Seelsorgerin in der Gemeinde Notre-Dame-de-Nazareth in Vitry-sur-Seine bei Paris, auf AFPTV. Eine hehre Einstellung, die jedoch immer weniger Europäer teilen. Sogar die Priesterzahl ging in Frankreich von 25 203 (1990) auf 14 000 (2012) zurück.

 

Und die Protestanten?

Im Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche machen die reformierten Glaubensgemeinschaften immer mehr hohe Ämter auch für Frauen zugänglich. Ein Meilenstein in dieser Entwicklung war eine Entscheidung auf der Londoner Synode im Juli 2014. Nach der Abstimmung, die den weiblichen Mitgliedern der anglikanischen Kirche die Ausübung des Bischofsamts erlaubte, konnte Pfarrerin Kat Campion-Spall ihre Tränen nicht zurückhalten. Wenige Monate später, am 26. Januar 2015, wurde Libby Lane in der Kathedrale von York tatsächlich zur ersten weiblichen Bischöfin geweiht.

In der lutherischen Kirche, wo Pastoren als Gemeindevorsteher, Lehrer oder spirituelle Begleiter gelten, ist das Bischofsamt schon lange für Frauen offen. Dies gilt insbesondere für nordeuropäische Länder wie Norwegen, Schweden und Dänemark. 2009 wurde die deutsche Bischöfin Margot Käßmann zur ersten weiblichen Ratsvorsitzenden der EKD gewählt, einer der wichtigsten evangelischen Kirchen der Welt. 

 

Céline Peschard 

 

Zuletzt geändert am 17. Januar 2017