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Der illegale Handel mit Holz floriert weiter

Länder: Rumänien

Tags: Ökologie, Wald

In Rumänien stehen die letzten Urwälder Europas, und das Land sieht sich mit den illegalen Machenschaften der Holzhändler konfrontiert. Die EU will die Gesetzgebung verschärfen

Im Westen von Rumänien, jenseits der Karpaten, birgt Transsylvanien einen der letzten „grünen Schätze“ in Europa. Nichts als Bäume soweit das Auge reicht. Sie bildet einen der letzten Urwälder auf dem gesamten Kontinent, einen Ort, an dem der Mensch bis in die Gegenwart keine sichtbaren Spuren hinterlassen hat. Doch da laut WWF lediglich 18 % der Wälder einen offiziellen Schutzstatus genießen, stellt die Abholzung eine echte Bedrohung für die ausgedehnten Waldflächen dar. Seit Anfang der 2000er Jahre beuten hunderte lokale und ausländische Gesellschaften das Gebiet massiv aus, und die rumänische Regierung schaut nicht nur zu, sondern tut alles, um neue Investoren anzulocken.

Davon profitieren in erster Linie österreichische Unternehmen, allen voran der Holzmagnat  Schweighofer. Dessen Erfolge beunruhigen die rumänischen Umweltschützer, denn die Methoden des Unternehmens sind alles andere als transparent. Illegale Holzladungen und Unterstützung exzessiver Abholzungen im Austausch gegen finanzielle Zuwendungen – Schweighofer macht die Regeln lieber selbst. Im Juni 2015 wurde in Rumänien ein neues Gesetz verabschiedet, durch das dieses Beinahe-Monopol und seine Auswüchse eingedämmt werden sollen. Zudem darf ein Unternehmen maximal 30 % des Bestands ein und derselben Holzart erwerben.

Auf europäischer Ebene ist am 3. März 2013 die neue EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) in Kraft getreten, die Holz und Holzprodukte aus illegaler Abholzung – das heißt aus holzwirtschaftlichen Tätigkeiten, die gegen die gesetzlichen Vorschriften im Ursprungsland verstoßen – aus dem gemeinsamen Markt verdrängen soll. Dazu gehören die Einführung effizienter Kontrollen und Sanktionen für Holzimporteure, die keinen Nachweis über eine legale Herkunft ihres Holzes erbringen können.

 

40% des in Frankreich verarbeiteten Tropenholzes stammt aus illegalen Quellen

 

Frankreich ist der größte Holzimporteur in Europa. Die Zuständigkeit für diesen Markt teilen sich das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium. Letzteres hat bereits für die Einführung von Kontrollen gesorgt, allerdings ist es ausschließlich für Holzbewirtschaftungsunternehmen und Sägewerke zuständig. Das Umweltministerium hat seinerseits die Aufgabe, Importe nach Frankreich zu überprüfen. Nach einem im März 2015 in der Tageszeitung La Croix veröffentlichten Artikel wurden jedoch bisher keine solchen Kontrollen durchgeführt. Dieses fehlende Handeln wird von der Umweltschutzorganisation Greenpeace stark kritisiert.

Am 4. März hatten Greenpeace-Aktivisten im Morgengrauen einen 4 Tonnen schweren und 8,5 Meter langen Baumstamm aus Tropenholz vor dem Umweltministerium in Paris abgelegt. Beigefügte Zettel prangerten mit einem prägnanten Wortspiel die Passivität der Regierung und von Umweltministerin Ségolène Royal in Sachen Handel mit illegalem Holz an. In einem Interview mit La Croix erklärte Frédéric Amiel, der bei der Umweltschutzorganisation für Aktionen im Zusammenhang mit Holz zuständig ist, es handle sich um eine Reaktion auf das „Nichtstun“ der Verantwortlichen in diesem Zusammenhang. Er spricht von einer „nicht hinnehmbaren Situation, denn die Behörden wussten seit 2011 [damals wurde die EUTR verabschiedet (Anm. d. Red.)], dass sie Kontrollen durchführen würden müssen“.

Laut einer im September 2014 veröffentlichten WWF-Studie hatten bis dahin nur 11 EU‑Mitgliedstaaten Gesetze verabschiedet, die für eine sinnvolle Überprüfung der legalen Herkunft von Holz und Holzprodukten aus Importen sorgen. Die übrigen 18 Länder hatten entweder überhaupt keine einzelstaatlichen Regelungen zu diesem Thema getroffen oder ihre Vorgaben reichten nicht als Grundlage für effiziente Kontrollen und abschreckende Strafen aus. Philippe Germa ist Leiter der Frankreich-Sektion des WWF und erklärte gegenüber dem Radiosender  France Inter im Interview, dass 40 % des in Frankreich verwendeten Tropenholzes aus illegalen Quellen stamme. Diese beachtlichen Zahlen sind weitläufig kaum bekannt. Zudem legen die wenigsten Verbraucher beim Kauf von Holzerzeugnissen  ein verantwortungsvolles Verhalten an den Tag.

 

Zuletzt geändert am 17. Januar 2017