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Den Euro um jeden Preis?

Länder: Lettland

Tags: Eurozone, EZB

Im Januar 2014 trat Lettland als 18. Land der Eurozone bei - eher widerstrebend und unter großen Opfern an die ausländischen Finanzinvestoren. Wer profitiert vom Euro? Welche Lobbygruppen hatten 2002 ein Interesse an der Einführung der gemeinsamen Währung? Nicht nur Populisten wollen den Euro heute abschaffen. Überall in Europa mehren sich die Stimmen gegen die Einheitswährung.

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Als Ergänzung zur Fernsehsendung bietet Vox Pop jede Woche im Internet eine Vertiefung der behandelten Themen sowie Hintergrundinformationen an. Hier finden Sie weiterführende Artikel und Dokumente, auf die sich unsere Journalisten bei ihren Recherchen gestützt haben.

 

„Euroraum: Sie haben Zypern gemocht? Dann werden Sie Lettland lieben!“ Mit diesem sarkastisch übertitelten Artikel kommentierte das Wirtschaftsmagazin Challenge den Beitritt des neuen Euro-Landes. Erzwungene Euro-Übernahme, Aufstellen drastischer Sparpläne, Preisinflation, Kaufkraftminderung in der Bevölkerung, undurchsichtige Holding-Geschäfte … Der überstürzte Beitritt Lettlands zum Euro-Währungsgebiet wirft zahlreiche Fragen auf – und ist umso diskutabler, als weder die lettische Bevölkerung noch die Europäische Zentralbank (EZB) uneingeschränkt dahinter standen.

 

Wer profitiert vom Euro?

Eine Frage, die kurz vor den Europawahlen wieder hochaktuell wird. Überlegungen über einen Euro-Austritt sind nicht länger rechtsextremen Nationalisten vorbehalten. Zu den Euro-Gegnern zählen inzwischen sogar Wirtschaftsmanager wie Wolfgang Reitzle, Vorstandsvorsitzender des Industriegaskonzerns Linde AG, Hochschulforscher wie Frédéric Lordon, Autor des vor kurzem in Frankreich erschienen Buches La Malfaçon, und zahlreiche renommierte Wirtschaftsexperten. Die Nobelpreisträger Paul Krugman und Robert Stiglitz haben sich mehrfach gegen die Euro-Rettungspolitik ausgesprochen. Schon im Januar 2011 plädierte Stiglitz für den Austritt Griechenlands und Spaniens aus dem Euro-Währungsgebiet, um diesen beiden Ländern eine Chance zu geben, ihre Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen. Robert Krugman ging sogar so weit zu behaupten, dass es Europa ohne den Euro besser gehen würde – und zwar lieber heute als morgen.  

 

„Der Euro ist klinisch tot“

Wenige Tage vor den Europawahlen drängen zahlreiche Bücher auf den Markt, die zusätzlich Salz auf die Wunde streuen. So zum Beispiel  „Casser l’euro pour sauver l’Europe“ , das Gemeinschaftswerk von vier Journalisten, die sagen: „Wir sind zu der einfachen Feststellung gelangt, dass der Euro in seiner heutigen Form klinisch tot ist!“ Die Autoren schlagen eine Rückkehr zu nationalen Währungen mit übergeordneter Einheitswährung vor: Euro-Franc, Euro-Mark, Euro-Lira … mit innerhalb einer festgelegten Bandbreite schwankenden Wechselkursen.

 

Kann ein Land den Euro wieder abgeben?

Diese Frage ist grundlegend, denn die Scheidung scheint nicht so einfach zu sein. Der 2009 in Kraft getretene Vertrag von Lissabon enthält zwar eine EU-Austrittsklausel, sieht aber keine Möglichkeit für einen Austritt aus der Einheitswährung vor. Die EZB erklärte bereits 2009: „Der Austritt eines Mitgliedstaats aus der Wirtschafts- und Währungsunion ohne den Austritt aus der EU ist rechtlich gesehen unvorstellbar.“  Eine Diskussion, die heute aktueller scheint denn je.  

 

 

Manuel Vicuña

 

Montag, 12. Mai

02:45

Vox Pop

Wer profitiert vom Euro?

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016