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Debatte über Homo-Ehe in Deutschland

Länder: Deutschland

Tags: Homosexualität, Homoehe

Nach dem irischen YES zur gleichgeschlechtlichen Ehe, wächst auch in Deutschland der Druck auf die Bundesregierung, der Heirat zwischen Männern oder Frauen das Ja-Wort zu geben. Doch noch treten CDU und CSU auf die Bremse.

Wenn man verstehen will, warum Marcus Weinberg,  familienpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, die Frage der Homo-Ehe als "hochpolitisch" bezeichnet, dann sollte man bei Google einfach mal die Stichworte "CDU" und "Homosexualität" eingeben. Teile des konservativen Parteiflügels sind da offensichtlich immer noch der Meinung, dass die Liebe zwischen Männern oder Frauen "eine Krankheit" sei, aber immerhin "heilbar" und zum Glück "nicht angeboren". Sicher sind solche Ansichten auch unter CDU- und CSU-Anhägern schon lange nicht mehr mehrheitsfähig. Doch es zeigt, wie die Union, aus Angst ihr konservatives Profil zu verlieren, immer noch an ihrem klassischen "Vati-Mutti-Kind-Weltbild" festhält.

Unsere Reportage zur Homo-Ehe
Etwa zwei Drittel der Deutschen hätte nichts gegen die Homo-Ehe, für konservative Gruppierungen bleibt sie jedoch unvorstellbar. Unsere Reportage zeigt Befürworter der Homo-Ehe, die um mehr Akzeptanz ringen. Denn völlige Gleichstellung bedeutet für sie mehr als eine eingetragene Lebenspartnerschaft.

 

Homo-Ehe in Deutschland?
Verweis auf Koalitionsvertrag

An diesem Mittwoch votierte das Bundeskabinett für das "Lebenspartnerschaftsbereinigungsgesetz". Im Wesentlichen handelt es sich dabei um redaktionelle Änderungen von geltenden Gesetzen. Danach wird dem Wort "Ehegatte" in genau 23 Gesetzespassagen ein "oder Lebenspartner" beigefügt, um eingetragene Lebenspartnerschaften von Homosexuellen stärker an die Ehe anzugleichen. Ein weiterer Schritt in Richtung Gleichstellung ist damit getan. Doch für Volker Beck von den Grünen geht die neue Gesetzesänderung nicht weit genug: "Der Koalitionsvertrag sieht immerhin bei der Lebenspartnerschaft vor, alle Ungleichbehandlungen zu beseitigen. Davon gibt es 150 in 54 Gesetzen und er setzt gerade einmal 23 um. Viel weniger geht wirklich nicht."

Druck von der Opposition

Auch der Fraktionschef der Linken im Bundestag Gregor Gysi meldet sich in dieser Angelegenheit zu Wort: "Die Tatsache, dass in einem streng katholischen Land wie Irland sich eine klare Mehrheit für eine Ehe von Lesben und Schwulen ausspricht, bedeutet eine kulturelle Revolution", sagte Gysi der Süddeutschen Zeitung, "nun darf es in Deutschland kein Zögern mehr geben; unverzüglich müssen wir nachholen, was die Iren uns vorgemacht haben". Die Co-Vorsitzende der Grünen Simone Peter forderte die Bundesregierung auf, sich endlich ein Beispiel an anderen Staaten in Europa wie Irland, Frankreich, Großbritannien oder Spanien zu nehmen und die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen.

Unterstützung von Lesben und Schwulen in der CDU       

Auch der Bundesverband der Lesben und Schwulen in der CDU sieht das Referendum in Irland als ein Signal. "Ich hoffe, Angela Merkel setzt sich endlich über die Blockierer in der CDU hinweg", sagt der Vorsitzende Alexander Vogt.  

Referendum in Deutschland?

Baden-Württembergs SPD-Chef Nils Schmid kann sich sogar eine Volksabstimmung nach irischem Vorbild vorstellen. "Das Volk soll auch in Deutschland über die Öffnung der Ehe entscheiden können", sagte Schmid. "Dieses gesellschaftspolitische Thema eignet sich auch bei uns hervorragend für eine Volksabstimmung."

Gesellschaftliche Realitäten

Selbst in der erzkonservativen CSU fragt man sich, was das Volk wohl tatsächlich denkt. Der Münchner Bundestagsabgeordnete Bernd Fabritius "möchte das Thema lieber heute als morgen geklärt wissen". Denn "auch in unserer Partei schärft sich das Verständnis für gesellschaftliche Realitäten".

Die Gesetzgebungen zur Homo-Ehe in Europa:

 

Der Ausnahmefall Italien

 

Italien ist eines der letzten Länder in der EU, in dem gleichgeschlechtliche Partnerschaften überhaupt nicht gesetzlich geregelt sind. Zahlreiche Bürgermeister haben zwar schon homosexuelle oder lesbische Paare getraut, aber die Einträge im Standesamt sind juristisch gesehen unwirksam und ohne rechtliche Konsequenzen.
Nach dem Referendum in Irland, will Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi nun Klarheit schaffen. Ein Gesetzesvorschlag über die Regelung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften könnte noch vor dem Sommer seinen Weg ins Parlament finden. Doch der Ehe gleichgestellt werden, sollen diese Partnerschaften nicht. Die Gegner dieser Initiative, meist Abgeordnete die der katholischen Kirche nahe stehen, sind vor allem gegen ein Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare und gegen die Zahlung einer Witwenrente im Todesfall.            

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016