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David Ricardo: Wer tauscht, gewinnt

Länder: Großbritannien

Tags: ricardo, Wirtschaft

David Ricardo ist ein liberaler Wirtschaftsdenker des frühen 19. Jahrhunderts. Auf der Basis von Adam Smiths Modell des absoluten Kostenvorteils, entwickelt er seine eigene Rechtfertigung des internationalen Handels: die Theorie des komparativen Kostenvorteils.

In dem Model von David Ricardo geht es wieder um zwei Länder - diesmal England und Portugal - und um zwei Produkte, nämlich Wein und Kleidung. Auch Ricardo geht davon aus, dass man zur Herstellung einzig und allein die Arbeitskraft braucht, also die Zeit, die ein Arbeiter in die Herstellung eines Produkts investiert.

 

In England ist ein Arbeiter in einer Woche in der Lage, 100 Liter Wein zu produzieren, oder aber 5 Einheiten Kleidung. Da beide Produkte gleich viel Arbeitsaufwand benötigen, haben sie also den gleichen Wert und können gegeneinander eingetauscht werden.  Portugal hingegen ist in Ricardos Beispiel produktiver. In der gleichen Zeit produziert ein Arbeiter dort 300 Liter Wein oder 10 Einheiten Kleidung.

 

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Und obwohl England Portugal in der Herstellung aller Waren unterlegen ist, lohnt sich der internationale Handel laut Ricardo: In England lassen sich 5 produzierte Kleidungsstücke gegen 100 Liter Wein tauschen. Bietet ein englischer Textilhersteller jetzt aber seine Kleidung in Portugal an, trifft er auf ein anderes Verhältnis der Kosten: Hier erhält man für 10 Einheiten Kleidung im Gegenzug 300 Liter Wein – für 5 Einheiten Kleidung sind es also 150 Liter Wein. Durch den Tausch seiner produzierten Kleidung in Portugal, kann der englische Textilhersteller also 50 Liter Wein mehr gewinnen.

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Umgekehrt ist der Handel aber ebenso zum Vorteil des Portugiesen. In Portugal erhält ein portugiesischer Winzer für 300 Liter Wein 10 Einheiten Kleidung. In England bekommt man pro 100 Liter Wein 5 Einheiten Kleidung – also kann der portugiesische Winzer hier 15 Einheiten Kleidung im Tausch gegen seine 300 Liter Wein ergattern.

 

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Ricardo beweist also: Beide Länder haben Interesse daran, miteinander zu handeln, obwohl England bei der Produktivität beider Waren im Nachteil ist. Trotzdem können beide Partner einen Vorteil aus dem Handel ziehen – und das nur, weil das Verhältnis der Preise zueinander in den Ländern unterschiedlich ist. Oder um es mit David Ricardos Worten zu sagen: "Weil die Handelspartner den komparativen Kostenvorteil ausschöpfen können."

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016