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David Bowie, Deadstar

Länder: Großbritannien

Tags: David Bowie

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Unsere ganz persönliche Erinnerung an David Bowie gibt es hier.

Der Mann, der von einem anderen Stern kam, kehrt zu seinem Planeten zurück und lässt uns genauso verstört zurück, wie einst das Schweigen von Major Tom die Ground Control. David Bowie hatte seinen Kollegen immer mehrere Längen voraus. Mit einem Gespür für ein perfektes, aber auch trauriges Timing brachte er nur drei Tage vor seinem Tod, sein neuestes und wohl auch letztes Album, "Blackstar", heraus. Eine Platte, in der es um Krankheit, Tod und den Himmel geht, in die man aber eintaucht, ohne an deren prophetischen Charakter zu denken. Heute trägt die Welt Schwarz, gehüllt in das Licht der großen, verstorbenen Stars - einer davon war David Bowie.

 

"Look up here, I’m in heaven"

Geboren wurde er am 8. Januar 1947 als David Robert Jones im Londoner Stadtviertel Brixton, 69 Jahre später, am Sonntag, den 10. Januar 2016, erlag er seinem Krebsleiden, obwohl die Welt von seiner Unsterblichkeit überzeugt war. Doch im Internet kursierten bereits vor einigen Jahren Gerüchte über seinen Gesundheitszustand, sogar über einen eventuellen Tod. David Bowie lieferte die Antwort auf die brodelnde Gerüchteküche musikalisch mit seinem Album "The Next day", das 2013 auf den Markt kam und auf dem der Musiker lautstark erklärte "Here I am, not quite dying".  Auf seinem letzten, jüngst erschienen Album "Blackstar" klammern wir uns nun an eine Textzeile aus "Lazarus" und möchten glauben, dass sie Wirklichkeit geworden ist: "Look up here, I’m in heaven". Ein Lazarus – das war Bowie selbst mehrere Male – er gab sich nicht damit zufrieden, sich künstlerisch immer wieder neu zu erfinden, sondern multiplizierte seine Reinkarnationen. 

 

 

Space Oddity, sein erster interplanetarischer Erfolg

Seinen ersten interplanetarischen Erfolg hatte Alien Bowie, dessen eine Pupille bei einer Schlägerei im Alter von 16 Jahren beschädigt worden war, im Jahre 1969 mit “Space Oddity” und dem wirren, astralen Gerede von Major Tom. 

Dann tauscht er seinen Raumanzug gegen ein Kleid für das Cover von “The Man who sold the world” ein, schmeißt sich für sein Album “Hunky Dory” in ein androgynes Outfit und legt damit den Grundstein für eine ganze Reihe modischer Klassiker. Nichtsdestotrotz war Bowie sich selbst nie genug und schlüpfte deshalb in die Rolle von Avataren, in denen seine vielen Persönlichkeiten Platz haben konnten.  Damit ebnete er seinen musikalischen Weg, der mit zahlreichen Hybriden gepflastert war. 1972 erweckt er die Figur Ziggy Stardust zum Leben, eine dekadente Glamrock Ikone, begleitet von der Band "Spiders from Mars". Auf Ziggy Stardust folgten dann weitere Figuren, wie Alladin Sane oder Halloween Jack auf dem orwellschen Album “Diamond Dogs”.

 

David Bowie, der Mann mit den tausend Gesichtern. Eine Hommage der Illustratorin Helen Green.

 

Mit "Fame" zum Erfolg in den USA

Bowie, der Berliner

Unsere Reportage zu David Bowies Zeit in Berlin.

Diese kosmischen Inkarnationen ließen natürlich auch die Filmemacher nicht unberührt. Nicholas Roeg gibt ihm 1976 die Rolle des Thomas Jerome Newton in "The Man Who Fell to Earth" im Jahre, eine Adaptation des Science-Fiction Romans von Walter Tevis. Im gleichen Jahr landet er in den amerikanischen Charts zum ersten Mal einen Nummer 1 Hit, dank des souligen Einschlags des Albums "Young Americans", und zwar mit der Single "Fame", die er gemeinsam mit John Lennon geschrieben hatte.

Aber der Ruhm und die vielen verschiedenen Identitäten haben ihn ausgeblutet. Zurück bleibt ein ausgezehrter Bowie, Antrieb bekommt er hauptsächlich durch Koks, Milch und Paprika. Er zieht nach Los Angeles, verwandelt sich in Thin White Duke – eine Art shakespearischer Buster Keaton in weißem Hemd und schwarzer Weste, der mit "Station to Station" einen sublimen Kreuzweg beginnt. Es verschlägt ihn nach Deutschland, denn den deutschen Rock von Can, Neu! oder Cluster hat er bereits mit der Muttermilch aufgesogen. Bowie zieht nach Berlin, hilft Iggy Pop, seinem wilden Doppelgänger, wieder auf die Beine und macht sich an die Verwirklichung seiner Trilogie "Low" / "Heroes" / "Lodger", der Grundstein der entstehenden neuen Musikrichtung New Wave.

 

Die 80er Jahre, eine Zeit zweifelhafter Entscheidungen

1980 kann Bowie es sich erlauben, wieder in die Vergangenheit zu reisen und singt mit einem Funken post-moderner Ironie "We know Major Tom's a junkie" auf "Ashes to Ashes", ein Welthit, der ebenfalls das Aufkeimen des Videoclips und MTV’s markiert.

"Let’s dance", produziert von Nile Rogers von "Chic" ist ebenfalls ein voller Erfolg. Daraufhin beginnt eine Zeit zweifelhafter Entscheidungen (eine wichtigtuerische Wiederaufnahme von "Dancing in the Street" mit Mick Jagger, die Rolle des Gobelin-Königs Jareth in "Labyrinth2 von Jim Henson 1986) und unbedeutenderen Alben  wie "Tonight" oder "Never Let Me Down"). Die Rückkehr zu einem agressiveren Rock durch die Gründung der Gruppe Tin Machine schafft es auch nicht, zu überzeugen.

 

Der Zeitgeist der 90er Jahre

Auch wenn "Outside" aus dem Jahre 1995, wo er wieder mit Brian Eno anknüpft, unbestritten ein Erfolg und Hoffnungsträger ist, schnuppert der Bowie der 90er nur am Zeitgeist, anstatt ihn neu zu erfinden. So auch in "Earthling", wo der Sänger in einen Mantel mit Union Jack Aufdruck eingehüllt ist, und beschwingt aus Jungle und Drum’n’Bass Rythmen schöpft. Zu Beginn der 2000er Jahre triff sich Bowie wieder mit dem Produzenten Tony Visconti, der Architekt seiner Glam-Zeit und seines Albums "Heathen", ein unleugbarer Erfolg, der von einer Wiederaufnahme der Pixies getragen wird, dann "Reality" (2003). Die zweite Hälfte des Jahrzehnts war dann musikalisch lückenhafter. David Bowie schwankt zwischen der Verwaltung des eigenen Hab und Guts und einer Art Teilzeit-Rente.

Seitdem gilt die Veröffentlichung von "The Next day" im Jahr 2013 als eine echter Dreikönigstag. Und "Blackstar" präsentiert sich heute als eine seiner abenteuerlichsten Platten, an der Grenze zu Jazz und Avant-Garde, ein neuer Eckpfeiler.

"I'm not a pop star, I'm not a film star, i'm not a flam star, I'm a blackstar". Mehr als das, David Bowie ist ein Wunder. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016