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Das Leid der Palästinenser in Syrien

Länder: Syrien

Tags: Damaskus, Jarmuk, Palästina, Flüchtlinge

Eine halbe Million Palästinenser leben in Syrien und sie alle sind zu Flüchtlingen und Gefangenen eines Krieges geworden, der nicht ihr eigener ist. Jarmuk, das größte Palästinenserlager befindet sich im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus, dort harren noch immer zahlreiche Menschen aus und warten auf Hilfe. 16.000 palästinensische Flüchtlinge harren dort unter dramatischen Bedingungen. Das Lager ist seit einer Woche von den Extremisten der "IS" besetzt. Die Menschen sterben an Hunger und Durst oder durch die Fassbomben der syrischen Luftwaffe. In dieser Woche ist zum ersten Mal seit drei Wochen ein Hilfskonvoi angekommen. 

Flüchtlingslager von Jarmuk, 31. Januar 2014

Die Situation im Camp ist unmenschlich, Besserung ist nicht in Sicht, und dass, obwohl der Krieg in Syrien zwischen den Anhängern Baschar al-Asads und den Rebellen bereits seit vier Jahren andauert. Noch immer leiden die Menschen in Jarmuk unter den schlechten hygienischen Bedingungen, haben nicht genug zu essen und zu trinken.

Dieses Bild ist Anfang 2014 um die Welt gegangen. In einer völlig zerstörten Hauptstraße mitten in Syrien warten hunderte Flüchtlinge auf dringend benötigte, überlebenswichtige Hilfsmittel, allen voran natürlich Lebensmittel, die von der UNO verteilt werden. Diese Straße befindet sich inmitten des 1957 gegründeten Palästinenserlagers Jarmuk. Die Menschen auf dem Foto sind allesamt Palästinenser, die 1948 nach Syrien geflohen sind, als Israel sie aus ihrem Land vertrieben hat.

Vor dem Beginn des Krieges, der am 15. März bereits in sein fünftes Jahr geht, lebten in Jarmuk 180 000 Menschen, heute sind es nur noch 18 000 Menschen, die im Kugelhagel und unter Raketenbeschuss ihr Dasein fristen. Sie haben keine Nahrungsmittel mehr, kein Wasser und keine Medikamente. Seit 2011 sind dort mindestens 200 Menschen ums Leben gekommen. Laut Angaben von NGOs sind mehrere Dutzend von ihnen verhungert. Ende Juni 2014 wurde eine Waffenruhe beschlossen, durch die die Besetzung der Stadt teilweise aufgehoben wurde, dennoch konnten die humanitären Organisationen nur schwer zu den Menschen durchdringen, um Hilfsmittel zu liefern. Wie schwer es tatsächlich ist, zeigen die jüngsten Hilfslieferungen. Am Dienstag ist es dem Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) gelungen, mit einem Hilfskonvoi zu den palästinensischen Flüchtlingen in Jarmuk durchzudringen. Es war der erste… seit drei Monaten. 

 

Yarmuk, 10. März 2015. ©UNRWA/Taghrid Mohammed

Pierre Krähenbühl in Jarmuk

 

Pierre Krähenbühl ist UNO-Generalkommissar beim Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge UNRWA. Die Situation der Flüchtlinge sei dramatisch und schrecklich, sagt er. "In den Blicken der Bewohner, der Frauen und Kinder, habe ich nichts als Leid gesehen. Sie sind umgeben von Ruinen, es mangelt an allen Ecken und Enden. Viele leiden unter schweren Krankheiten." Vor dem Krieg war das anders, erklärt der Schweizer Diplomat: "Die palästinensischen Flüchtlinge waren vollständig integriert in der syrischen Gesellschaft, gut ausgebildet und selbständig. Nun leben sie ohne jegliche Perspektive, in einer extremen Situation der Unsicherheit. Sie haben ihre Mittel und ihren Lebensunterhalt verloren. Die Situation ist sehr beunruhigend."

 

Portrait der 23-jährigen Farah, die im Libanon palästinensischen Flüchtlingen aus Jarmuk unterrichtet.

Die meisten sahen sich gezwungen, in eines der anderen zwölf palästinensischen Camps oder in Richtung Libanon zu flüchten. Dort erleben die Flüchtlinge, was ihre Vorfahren bereits 1948 erlebt hatten, die "Nakba", das "Desaster", das 750 000 palästinensische Araber entwurzelt- und vor eine ungewisse Zukunft gestellt hat. Die Geschichte ist eine ewige Wiederholung ihrer eigenen Grausamkeiten.

Mehr zum Thema...

Das Projekt "Refugees" von ARTE Reportage wirft den Blick auf das palästinensische Flüchtlingslager von Burj el-Barajneh in Beirut. 

Während seinem Besuch in Damaskus Anfang der Woche hat sich Pierre Krähenbühl mit Walid Mouallem unterhalten, dem Außenminister von Baschar al-Asad. Dabei hat er noch einmal auf die "Notwendigkeit" hingewiesen, "dass das Regime die regelmäßige Lieferung von Hilfsgütern erleichtert. Wir können nicht einen Tag lang Hilfsgüter liefern und danach eine Woche daran gehindert werden." Der Chef der UNRWA sagt weiter: "Die Bewohner von Yarmuk und die palästinensischen Flüchtlinge der anderen syrischen Camps brauchen zu allererst Sicherheit." Zum gegenwärtigen Zeitpunkt halten sich auf syrischem Boden etwa 500 000 Flüchtlinge auf.

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016