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Das Großprojekt der Abrüstung

Länder: Welt

Tags: Chemiewaffen, Abrüstung

Mit dem Inkrafttreten der Chemiewaffenkonvention im Jahr 1997 hat die Weltgemeinschaft den umfangreichen Prozess der Abrüstung in Angriff genommen. Aus politischen und humanitären Gründen, aber auch aus wirtschaftlichen: Die Zerstörung der Chemiewaffen ist zwar teuer und sehr anspruchsvoll, aber die Lagerbestände zu warten und zu schützen ist noch viel teurer. Reportagen in den USA und China. 

DIe Kapitel:

- Wo stehen wir im Abrüstungsprozess?

- Wie wird eine Chemiwaffe zerstört?

- Die schwierige Kooperation zwischen den Staaten

 
Wo stehen wir im Abrüstungsprozess?

Ende August 2014, ein Jahr nach den Ereignissen in Syrien und dem Giftgasangriff von Ghuta, wurden bereits 85% der weltweit deklarierten Chemiewaffenbestände (61.608 von 72.524 Tonnen) nachweislich vernichtet. Die meisten Abrüstungsschritte  werden auf Basis einer verpflichtenden Berichterstattung der Vertragsstaaten durchgeführt, die ihre Chemiewaffenbestände zerstören wollen, wie die Vereinigten Staaten, Russland, Albanien und China. Die größten Arsenale befinden sich aufgrund des Wettrüstens während des Kalten Krieges in den USA und in Russland. Beide Länder haben im Abrüstungsprozess Verspätung und haben die Frist im April 2012 verpasst. Die Vereinigten Staaten, die bereits mehr als 90% ihrer ursprünglichen 32.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe vernichtet haben, kündigten den Abschluss des Abrüstungsprozess für 2023 an. Unterdessen will Russland, das bisher 84% der ursprünglichen 40.000 Tonnen zerstört hat, bereits bis Ende 2020 alle Chemiewaffen vernichtet haben. 

Politisches Chaos, Hinterlassenschaften vergangener Kriege und diplomatisches Tauziehen: in Libyen, im Irak und in Syrien ist die Situation unübersichtlicher. Erste Regierungserklärungen stimmten nicht mit den Entdeckungen der OPCW-Inspektoren vor Ort überein, was das Vertrauen zwischen den Staaten und der Organisation nachhaltig gestört hat. Trotzdem ist es Priorität, koste es was es wolle, mit den Regimen an der Macht zusammen zu arbeiten und so schnell wie möglich die Restbestände in diesen Ländern zu zerstören - auch wenn dies bedeutet, die Verfahren zu beschleunigen und sogar Grenzen mit den gefährlichen Waffen zu passieren.

Sie können sich im ARTE-Archiv das Dossier zu Syrien anschauen. Das Land schuldet der OPCW bereits mehr als zwei Millionen Euro für die Zerstörung ihres Chemiewaffenarsenals unter Zeitdruck:

1. Syrien: was sind die Beweise für den Giftgaseinsatz? 

2. Syrien: "Es ist zu einfach, Chemiewaffen herzustellen"

3. Zerstörung syrischer Chemiewaffen gefährdet Kretas Idyll

 

 

Wie wird eine Chemiewaffe zerstört?

Es gibt zwei Haupttechniken für die Zerstörung von chemischen Kampfstoffen: die direkte Verbrennung bei 1.400°C oder die Neutralisation durch eine chemische Reaktion: abhängig von der Art des Gases werden andere Chemikalien dazugegeben oder im einfachsten Fall nur heißes Wasser, wie zum Beispiel bei Senfgas. Aber noch bevor man die giftigen Bestandteile angehen kann, muss man diese erst aus dem Geschoss lösen, entweder durch Bohrung, Absaugung oder Explosion. 

Im "Pueblo Chemical Depot" im US-Bundesstaat Colorado, einem von zwei Standorten in den USA, wo noch chemische Waffenbestände zerstört werden, erklärt ein Ingenieur den Ablauf des Zerstörungsprozesses durch Explosion an einem Vorführungsgerät für die Öffentlichkeit. Der Prozess dauert für jede einzelne Ladung Munition zwölf Stunden.

 
Le système de destruction par explosion

 

 

 

Die schwierige Kooperation zwischen den Staaten

Chemische Waffen, die "nach dem 1. Januar 1925 von einem Staat auf dem Hoheitsgebiet eines anderen Staates ohne dessen Zustimmung hinterlassen wurden", sind ein kompliziertes Problem. Grundsätzlich sind die Länder, denen die Waffen gehören, für deren Zerstörung zuständig. Aber in Wirklichkeit sind es oft die Länder, die die Blindgänger an ihren Stränden oder auf ihren Feldern finden, die sich direkt vor Ort des Problems annehmen, bevor noch weitere Katastrophen passieren könnten. Dies ist auch der Fall von Frankreich, das die auf seinem Staatsgebiet gefundenen Chemiewaffen selbst neutralisiert. 

In China wurde nach einem schwierigen Start eine Einigung mit Japan erzielt. Die Beziehung der beiden Ländern hat sich erst ab Anfang der 70er Jahre wieder normalisiert. Trotzdem hat China die massiven Giftgaseinsätze auf seinem Boden zwischen 1937 und 1945 während des Widerstandskrieges gegen die japanische Besatzung nie vergessen. 

Im Angesicht der zügellosen Stadtentwicklung und einer Reihe von tödlichen Unfällen in seinen Provinzen, zeigt sich China heute standhafter und will den Entminungsprozess beschleunigen. Unsere Journalistin hat exklusiven Zugang zu einer der Ausgrabungsstätten erhalten und traf sich mit Liu Hong, der Direktorin der Abteilung für von Japan hinterlassene Chemiewaffen. 

Liu Hong : Les armes chimiques en Chine

@nderswo im Netz (auf englisch)

1. Ein Bericht der Umweltorganisation Global Green, dessen Mitglied Paul Walker ist, über die japanischen Blindgänger in China.

2. Ein guter zusammenfassender Artikel über die angespannten japanisch-chinesischen Beziehungen, für die die hinterlassenen chemischen Waffen immer ein Symbol bleiben werden

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016