|

Das Geschäft mit dem Grünen Gold

Länder: Europäische Union

Tags: E-njoint, cannabis, Pharmaindustrie

Seit 2013 ist Cannabis zu therapeutischen Zwecken in der Tschechischen Republik legal und wird in ganz Europa gerade zur wahren Goldgrube. Ein aufstrebender Markt, von dem sich Labore und Unternehmer große Gewinne erhoffen.

 

Egal ob als Spray, Creme oder gar als Zäpfchen – immer mehr Menschen nutzen Cannabis-Extrakte zu medizinischen Zwecken. Dessen Legalisierung wurde vor allem durch die Fortschritte der Wissenschaft erleichtert, die die positive Wirkung der umstrittenen Pflanze auf die menschliche Gesundheit belegt haben. Laut einer Studie mit dem Titel Cannabis and Medicine: A New Frontier in Therapeutics, welche am 14. Februar 2015 veröffentlicht wurde, ist das Gras nicht nur krampflösend und schmerzstillend, sondern hilft auch gegen Übelkeit.

In mehreren europäischen Ländern wie der Tschechischen Republik, Finnland, den Niederlanden, Spanien und Portugal ist die weiche Droge mittlerweile legal. „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird aufgrund des enormen Drucks sicherlich bald schon einen neuen Standpunkt zum Thema Cannabis beziehen“, verkündete Pavel Pachta, ehemaliger stellvertretender Generalsekretär des Suchtstoffkontrollrates (INCB), auf der Internationalen Konferenz zur medizinischen Cannabis-Nutzung am 4. März 2015 in Prag.

 

Die Labore stehen in den Startlöchern

Die Extraktion von THC (der Hauptwirkstoff der Hanfpflanze) erfordert kostspielige Investitionen, doch die großen Pharmakonzerne setzen auf die jüngst gestiegene Nachfrage. So auch das britische Unternehmen GW Pharmaceuticals, das Sativex herstellt – ein Spray auf Cannabis-Basis, dessen Verkauf im Januar 2014 auch von Seiten der französischen Arzneimittelagentur genehmigt wurde. Frankreich war eines der letzten Länder in Europa, in denen das Schmerzmittel für Multiple-Sklerose-Patienten erlaubt wurde.

Kritiker machen das Gras allerdings für Lungenkrebs und Psychosen verantwortlich. Einige Pharmakonzerne haben sich aus Angst um ihren Ruf entschieden, keine Produkte auf Hanf-Basis zu bewerben. „Die Zeiten ändern sich und ich verstehe, dass einige große Pharmaunternehmen an der Entwicklung solcher Produkte arbeiten. Doch bisher hat es noch kein einziges als Medikament auf den Markt geschafft“, berichtet Raphael Mechoulam, Hochschullehrer aus Jerusalem und Wissenschaftsexperte im Bereich Cannabis.

 

Der E-Joint

Doch nicht nur im Pharma-Sektor tut sich was. Auch kleine Unternehmen wollen auf die Hanf-Welle aufspringen, wie zum Beispiel das niederländische Start-up E-njoint. Mit der Einführung des ersten elektronischen Joints sorgte dieses Unternehmen 2014 für Schlagzeilen. Dieses Jahr melden sie sich mit einer E-Zigarette in der Geschmacks- und Geruchsrichtung Hanf zurück. „Da der E-Joint weder THC noch Nikotin, Teer oder Giftstoffe enthält, ist er vollkommen legal, gibt dem Raucher allerdings dennoch das Gefühl zu schweben“, erklärt E-njoint. „Gleichzeitig entspannen sich die Muskeln der Raucher, ihre Stimmung verbessert sich und ihre Auffassungsgabe wird gesteigert.“ 

Wohlwissend, dass sie mit ihrem Produkt, ähnlich wie im Fall der Firma KanaVape (die nach der Legalisierung E-Zigaretten mit Hanf in Frankreich verkaufen will), einen Schrei der Empörung auslösen, ist E-njoint davon überzeugt, dass „sich zahlreiche Regierungen und strenge Behörden [dazu] äußern werden“.

Derzeit nur in den Niederlanden erhältlich, wird der E-Joint sicherlich schon bald nach ganz Europa exportiert werden. 

Céline Peschard

 

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017