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Das Cyberkalifat greift an

Länder: Frankreich

Tags: TV5 monde, Cybercaliphate, Daech, Islamischer Staat

Mit diesem Cyberangriff eröffnen die selbsternannten Dschihadisten der IS eine neue Front in ihrem Krieg gegen den Westen und seine Werte. Sie nennen sich das „CyberCaliphate“.

Ein Blackout ist das Schlimmste für jeden TV-Sender.

Pascal Guimier - 09/04/2015

Die Cyberattacke begann am Mittwochabend um 22 Uhr. Der Bildschirm von TV5Monde wurde schwarz, auch die Kontrolle über die Internet- sowie Facebook-Seite und den Twitterstream des französischsprachigen Senders übernahmen die Hacker und posteten Drohbotschaften. Sie richten sich an französische Soldaten und ihre Familien, die im Rahmen der internationalen Koalition am Militäreinsatz gegen sunnitische IS-Extremisten im Irak und in Syrien teilnehmen. Die Direktion des Senders spricht von einer “in der Geschichte des Fernsehens einmaligen“ Cyberattacke. Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls prangert über Twitter eine „inakzeptable Verletzung der Informations- und Meinungsfreiheit" an. Der Redaktionsleiter von TV5Monde Pascal Guimier spricht von dem "Schlimmsten und Brutalsten, dass einem Fernsehsender passieren kann".

 

TV5Monde

Der Sender wurde 1984 gegründet und strahlt seine französischsprachigen Programme 24 Stunden am Tag weltweit aus.  Nach Angaben des Senders erreicht TV5Monde 257 Millionen Haushalte in 200 Ländern und besitzt damit, nach MTV2, das zweitgrößte  Ausstrahlungsnetz  der Welt

Der Spuk hat mehrere Stunden gedauert. Um 2 Uhr morgens erklärte der Direktor des Senders, Yves Bigot: „Wir  haben wir die Kontrolle über Facebook und Twitter zurückgewonnen. “ Der Sendebetrieb des TV-Kanals ist allerdings immer noch stark eingeschränkt, die Rückkehr zum Normalzustand  könnte noch Tage dauern, lässt der Sender wissen. „Unsere  Systeme sind sehr stark beschädigt worden » präzisiert Direktor Bigot, es handele sich um eine Cyberattacke von «von  noch nie dagewesener Stärke».

Die islamistischen Hacker  nutzten die Kontrolle über die verschiedenen Bildschirme von TV5 Monde um Drohbotschaften zu senden: «Soldaten Frankreichs, haltet euch vom Islamischen Staat fern ! Ihr habt die Möglichkeit, eure Familien zu retten, nutzt sie!“, konnte man auf der Facebook-Seite des Senders lesen. "Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen, setzt das Cyberkalifat seinen Cyberdschihad gegen die Feinde des Islamischen Staates fort!“ verspricht der Text weiter.

Auf der Facebook-Seite wurden außerdem Dokumente gezeigt, bei denen es sich um Ausweispapiere und Lebensläufe von Familienmitgliedern von französischen Militärangehörigen handeln soll, die an Einsätzen gegen den IS beteiligt seien.

 

 

 

Weiter schreiben die Cyberterroristen, Präsident François Hollande habe einen "unverzeihlichen Fehler begangen" in dem er einen "sinnlosen Krieg" befürworte. „Darum haben die Franzosen das Januar-Geschenk von Charlie Hebdo und dem HyperCasher erhalten.„ hieß es weiter, in Anspielung auf die islamistische Terrorattacke gegen die Satirezeitschrift Charlie Hebdo, bei der am 7. Januar in Paris 17 Menschen starben sowie dem Angriff auf einen jüdischen Supermarkt, zwei Tage später, dem vier Unschuldige zum Opfer fielen.

 

 

1x1 für Cyberattacken:
Noch kann niemand mit Sicherheit sagen, wie genau es den Cyberterroristen gelungen ist, das Sendesignal von TV5Monde zu hacken. Sicher ist allerdings, dass sie das Einmaleins des Hackens beherrschen: Ein Hacker ist nicht allwissend oder omnipräsent. Aber er weiß technische und vor allem menschliche Schwächen auszunutzen. Zuerst braucht einen Eingang, einen Zugriff auf das interne Datensystem des Unternehmens, das er anzapfen will. Dafür sucht er nach geeigneten Mitarbeitern des anvisierten Unternehmens, und zwar durch phishing , also das gezielte Auslegen von Ködern. Das kann z.B. eine vertrauenswürdig erscheinende Mail oder eine Facebook-Nachricht sein, mit einer bekannten Marke als Absender, die einen Anhang mit einem versteckten Virus transportiert. Ein Klick genügt um den Virus zu aktivieren, der sich, für das naive Benutzerauge unsichtbar, ins System einschleicht. Jetzt ist der Virus im Computer des Mitarbeiters installiert und kann das interne Computersystem des Unternehmens sabotieren oder kontrollieren. Ein anderer Weg, um sich Zugang zum internen Computersystem eines Unternehmens zu verschaffen, kann die Internetseite sein. Eine Schwachstelle im Schutzwall kann ausreichen, um eine Virus zu infiltrieren.


 
Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016