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Das britische Unterhaus - Was ist das?

Länder: Großbritannien

Tags: Großbritannien, Parlamentswahlen, Unterhaus

Hitzige Debatten und amüsante Wortgefechte: Im House of Commons, dem britischen Unterhaus, geht es heiß zu und her. Die Abgeordneten nehmen gewöhnlich kein Blatt vor den Mund, schon gar nicht im Wahlkampf. Bevor die Briten am 7. Mai ihr Unterhaus wählen, wirft ARTE einen Blick hinter die Fassade des Palace of Westminister.

In diesem Parlament, einem der ältesten der Welt, herrscht oft großer Trubel. Die Abgeordneten fahren, herrschen und brüllen sich gegenseitig an. Der Parlamentsvorsitzende, den man Speaker nennt, hat da oft Schwierigkeiten, für Ordnung zu sorgen. Und das, obwohl er, der einstimmig ernannt wird, in seiner schwarzen Robe alle Autorität hat. Seine Aufgabe ist es, für den reibungslosen Ablauf der Debatten zu sorgen und die Abgeordneten dazu aufzufordern, das Wort zu ergreifen.

Die beiden Parteien sitzen sich also direkt gegenüber: zur Rechten des Speakers sitzt die Regierung, zur Linken die Opposition. Von denen gibt es allerdings nur 437. Bei wichtigen Debatten müssen die 650 Abgeordneten also eng zusammenrücken. Das drückt natürlich auch auf die Stimmung. Die Fragestunde, das wöchentliche "Verhör" des Premierministers bietet freie Bühne für amüsante Wortgefechte, wie etwa jene vom 25. März. Schon die ersten 20 Sekunden des Videos geben einen Vorgeschmack auf den Ton, der dort herrscht…

 

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Der Speaker wird von drei Stellvertretern unterstützt. Der wichtigste von ihnen trägt den Titel "Vorsitzender der Wege und Mittel" (Chairman of Ways and Means). Traditionell gehören der Speaker und seiner Stellvertreter keiner Partei an. Sie nehmen nicht an der Abstimmung teil und mischen sich auch nicht in Parteiangelegenheiten ein.

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Etwas Geschichte

Vor langer, langer Zeit kam ein königlicher Rat regelmäßig zusammen. Unter seinen Mitgliedern waren Vertreter des Klerus, des Adels und Ritter der Grafschaft. Die Ratsmitglieder berieten über die Höhe der Abgaben, die die Krone vorschlug. Dabei richteten sie sich oft nach den Forderungen des Volkes bevor es zur Abstimmung kam. Das waren die Anfänge der Legislativgewalt. 1265 wurden die Bürger das erste Mal vertreten. Dieses Parlament wurde im Jahre 1332 in House of Lords (Oberhaus) und House of Commons (Unterhaus) geteilt: In einer Kammer die Ritter und das Bürgertum, in der anderen der Klerus und der Adel. Der Geschichte zufolge soll sich am 10. Juli 1376 der Speaker des Unterhauses, Sir Peter de la Mare über zu hohe Abgaben beschwert und die Militärausgaben des Königs in Frage gestellt haben. Diese Waghalsigkeit brachte ihn zwar ins Gefängnis, war aber zugleich die Geburtsstunde der Tradition des Ungehorsams. Nach und nach setzten sich die Abgeordneten durch: Sie setzten Minister ab, nahmen immer stärkeren Einfluss auf die Staatsausgaben und letztendlich gelang es ihnen, die Gesetze zu machen. 

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Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016