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Darfur: Die Verzweiflung der Bevölkerung

Länder: Sudan

Tags: Darfur, Flüchtlinge, Humanitäre Hilfe

Darfur steht vor einer neuen großen humanitären Krise, tausende Zivilisten fliehen vor den Kämpfen zwischen der sudanesischen Armee und den Rebellen in der Bergregion von Jebel Marra im Westen des Sudans.

Seit dem 15. Januar finden erneut schwere Kämpfe in Darfur, im Westen des Sudans, statt und sorgen für eine neue humanitäre Krise in dieser, bereits durch vorausgegangene Kämpfe zerstörten Region. Der UNO zufolge leidet die Zivilbevölkerung unter "einer der schlimmsten im letzten Jahrzehnt beobachteten Vertreibungen". Bei den Auseinandersetzungen stehen sich die Regierungstruppen des sudanesischen Präsidenten Omar Hassan Al-Baschir und die Rebellen einer Untergruppe der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) unter Abdul Wahid Al Nur gegenüber. Die Kämpfe fanden in den Bergen von Jebel Marra statt, die als Hochburg der Rebellen gelten.

Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Krise. Den Vereinten Nationen zufolge befinden sich derzeit 38.000 Menschen auf der Flucht in Richtung Nord-Darfur. Etwa 8.403 geflüchtete Zivilisten befinden sich in Sortoni und 2.385 in Tawila in von der UNO geleiteten Flüchtlingscamps. 5.000 Überlebende sollen die Westzone erreicht haben. Die Vertriebenen, in der Mehrzahl Frauen und Kinder, finden Zuflucht in Notunterkünften. Der UN-Koordinatorin für humanitäre Angelegenheiten im Sudan Marta Ruedas zufolge, ist die Lage der Menschen "schrecklich": es "fehlt praktisch an allem."

 

Jebel Marra im Zentrum der Krise

Die Bergregion von Jebel Marra befindet sich genau zwischen den drei Gebieten Darfurs (siehe Karte). Zur Erinnerung, Darfur ist in drei Verwaltungseinheiten unterteilt: den Norden, den Süden und den Westen. Diese werden von großen Städten gesteuert: Süd-Darfour von Nyalo, West-Darfur von El Geneina und Nord-Darfur von Al-Faschir. Der Großteil der Bevölkerung ist allerdings in kleinen Ortschaften und Dörfern ansässig und lebt von Landwirtschaft und Viehzucht.

Die Vertreibung der Bevölkerung hat bereits zu einer Verschärfung der Kämpfe um Bewirtschaftungsflächen zwischen den verschiedenen Volksgruppen geführt. Die gegenwärtige Flüchtlingswelle in Verbindung mit den regelmäßigen Angriffen der sudanesischen Armee und den Viehdiebstählen befeuern den Konflikt nur noch mehr. 

 

Die Bevölkerung im Kreuzfeuer

Darfur war bereits Schauplatz zahlreicher Auseinandersetzungen, deren Ursachen vielfältig sind, zu nennen sind vor allem die Entvölkerung, die Beziehung zu Khartum und die Spannungen zwischen den verschiedenen Volksgruppen.

In Darfur sind verschiedene Kräfte präsent: auf der einen Seite die sudanesische Zentralregierung unter Omar Hassan Al-Baschir, der wegen Kriegsverbrechen seit 2009 vom Internationalen Gerichtshof gesucht wird. Der Diktator wird von verbündeten arabischen Milizen, den Janjaweed, unterstützt, sie sichern die Ordnung und die Kontrolle der Ölressourcen in der Region.

Auf der anderen Seite haben sich verschiedene bewaffnete Rebellengruppen, die von einigen Volksstämmen unterstützt werden, gegen Khartum organisiert. Vor allem die Darfur-Befreiungsfront , später umbenannt in die Sudanesische Befreiungsarmee/-Bewegung. Diese Gruppierung hat 2003 die Kämpfe mit Angriffen auf Militäreinrichtungen der Zentralregierung von Khartum begonnen. Die schreckliche Dürre, von der die Region in jenem Jahr heimgesucht wurde, hat die Fronten verhärtet. Der Hunger verbunden mit der bereits erdrückenden wirtschaftlichen Not, brachte die politischen und inter-ethnischen Spannungen in der sechs Millionen Einwohner zählenden Region zum Explodieren. Die Rebellen sahen sich als Sprecher der durch Darfur unterdrückten Bevölkerung und forderten ein Ende der wirtschaftlichen Ausgrenzung und eine Umverteilung der Erdöleinnahmen auf die lokale Bevölkerung.

Zwischen den Fronten die Zivilbevölkerung mit bereits Hunderttausenden Toten. 2006 kam es unter Federführung der Afrikanischen Union (AU) und der UNO zu einem teilweisen Abschluss eines Friedensabkommens, wodurch sich das Land in einem noch labilen Gleichgewicht befand. 

Zuletzt geändert am 9. Februar 2017