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Dänemark nach dem Dschihad: Ein "Syrien-Freiwilliger" berichtet

Länder: Dänemark

Tags: Syrien, Dschihad, Rückkehr, Islamischer Staat

Die zweitgrößte Stadt Dänemarks verfolgt einen ungewöhnlichen Umgang mit den "Syrien-Freiwilligen", wie sie hier genannt werden. Jene, die die Gewalt dort abgeschreckt, gar traumatisiert hat, bekommen eine zweite Chance. Ein sogenanntes Reintegrationsprogramm bietet Hilfe bei der Jobsuche und psychologische Betreuung. Auch Abdel wurde von den Projektinitiatoren kontaktiert und hat sich bereit erklärt, mit ARTE Journal zu sprechen.

Interview Syrien Rückkehrer

Abdel ist einer Sozialbausiedlung -  einem Ghetto, wie sie in Dänemark genannt werden – groß geworden. Dort leben vor allem Einwandererfamilien wie seine eigene. Seine Eltern sind schon in den 90er Jahren vor dem Assad-Regime nach Dänemark geflohen. Als sich der Bürgerkrieg immer mehr zuspitzte, immer mehr Menschen gefoltert und getötet wurden, der Westen einfach nur zusah, hat er beschlossen die Sache selbst in die Hand zu nehmen und reiste nach Syrien. Das war 2012. Damals gab es die Terrormiliz „Islamischer Staat“ noch nicht. Zweimal war Abdel Rahmann in Syrien.

Es ist kein Spaß dort und auch nicht romantisch, erzählt er uns im Interview. Er betont, er sei  nicht radikal, vielmehr für die Demokratie. Er selbst habe nicht gekämpft, sondern versucht, humanitäre Hilfe zu leisten. Der IS sei in Syrien die Organisation mit dem meisten Geld, der besten Infrastruktur, deswegen würden viele von ihm angezogen. Es gehe dabei keineswegs um Religion, sondern nur um Politik.  Abdel Rahman findet, dass es dumm sei alle, die nach Syrien fliegen, als „Gotteskrieger“zu bezeichnen. Das dänische Reintegrationsprogramm vom Sozialamt und der Polizei begrüßt er.

Es hat Syrienrückkehrer wie Abdel im Visier, denn Dänemark geht davon aus, dass die fehlerhafte Integrationspolitik der vergangenen Jahre und die Diskriminierung junge Muslime dazu bringt, sich zu radikalisieren. Insofern hat die Stadt parallel zu dem Reintegrationsprogramm auch Demokratie-Workshops in Schulen gestartet. Hier lernen die Schüler und Schülerinnen, was Rassismus ist und wie sie sich dagegen wehren können. Auch der Terrorismus und die Frage, wie eine Radikalisierung erkannt werden kann, sind Thema.

 

 

Danemark : l'après-Jihad

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016