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Dänemark - Eine Kommunal- verwaltung fordert Babys

Länder: Dänemark

Tags: Fruchtbarkeit, Kinderwunsch, Single

Thisted, eine Kommune mit gleichnamigem Hauptort im Norden des Landes, droht mit der Schließung ihrer öffentlichen Einrichtungen, wenn ihre Bürger nicht bald mehr Kinder in die Welt setzen. Dieser Aufruf zur Fortpflanzung veranschaulicht die niedrige Geburtenziffer in Dänemark.

Die überall sichtbaren Werbekampagnen in den Straßen von Thisted konnten nicht viel ausrichten. Ebenso wenig wie Babyklar.nu (wörtlich „babybereit.jetzt“), eine im Juni 2014 gegründete Dating-Website für Singles mit Kinderwunsch - und andere Portale solcher Art. In dieser 40 000 Einwohner zählenden Landgemeinde im norddänischen Jütland wie auch andernorts in Dänemark werden immer weniger Babys geboren. Mit 1,6 Kind pro Frau liegt die Fruchtbarkeitsrate der Stadt sogar noch unter dem landesweiten Durchschnittswert (1,7 Kind pro Frau), der bereits zu den schwächsten Europas gehört. Daher hat der Stadtrat seine Bürger auf der letzten Sitzung vorgewarnt: Wenn sie nicht bald mehr Kinder zeugten, würden mehrere öffentliche Einrichtungen dichtmachen.

Die zurzeit verwaisten Freizeiteinrichtungen, Kinderkrippen und Schulen können also nur dann weiterbestehen, wenn die Paare vor Ort zu stärkerer Fortpflanzung bereit sind. Der angesichts des Babymangels machtlose Bürgermeister von Thisted, Lars Sloth, erklärte dennoch, die Ankündigung der möglichen Maßnahmen sei von den Einwohnern mit „Begeisterung“ aufgenommen worden. Es gehe vor allem darum, den Fortbestand der „dynamischen Gemeinde“ zu sichern „und neue Familien anzulocken“, betonte Sloth in seinem Interview mit dem Guardian.

 

Babys um jeden Preis

In Dänemark ist die Fertilitätsrate seit zwei Jahrzehnten rückläufig. 2012 lag sie um 17 % niedriger als zu Anfang der 2000er-Jahre. Eine Regierung nach der anderen bemühte sich, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Beispielsweise machten Kindertagesstätten den Eltern das Angebot, die Kinder einen Abend kostenlos zu hüten, damit die Paare auch mal Zeit für sich selbst haben. Doch alle diese Initiativen blieben erfolglos.

Im Frühjahr 2014 versuchte ein Reisebüro des Landes auf seine Art, dem Geburtenmangel entgegenzuwirken, und landete dabei gleichzeitig einen tollen Werbecoup: Die dänische Zweigstelle des Reiseveranstalters Thomas Cook behauptete, die Dänen hätten in den Ferien 46 Mal mehr Sex als sonst. Das Reisebüro forderte seine Mitbürger in einem ebenso aufreizenden wie patriotischen Werbespot auf, romantische Reiseziele anzufliegen, denn so eine Liebesreise stimuliere bekanntermaßen den Paarungsdrang. Es wurde sogar eine „Eisprung-Ermäßigung“ angeboten: Paare, die nachweisen konnten, dass ihr Kind während ihres Rom- oder Paris-Aufenthaltes gezeugt wurde, sollten drei Jahre lang in den Genuss einer kostenlosen Versorgung mit Baby-Produkten kommen. Natürlich nur bei Buchung der Reise in der betreffenden Agentur!

Franck Berteau

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016