|

Dänemark - Das glücklichste Land eröffnet Anti-Stress-Kliniken

Länder: Dänemark

Tags: Lebensbedingung

Dänen leiden offensichtlich viel häufiger an psychischen Störungen, als allgemein angenommen. Um Angstzustände und Depressionen zu bekämpfen, will das Land nun Kliniken zur Stressbewältigung eröffnen.


Dänemark ist bekanntlich das Land des reinsten Glücks – das sagt zumindest der „World Happiness Report“, der jedes Jahr zum selben Ergebnis kommt. Eine neue Untersuchung bestätigt wieder einmal, dass wir Südeuropäer im Vergleich zu unseren nördlichen Nachbarn trübsinnig und niedergeschlagen sind, häufig sogar am Rande des Nervenzusammenbruchs stehen. Die Dänen dagegen strotzen angeblich vor Lebenslust – ungeachtet der haushohen Überschuldung, der weltweit höchsten Steuerlast und der endlosen, dunklen Winter.

 

Psychische Probleme

Doch nun scheint der Mythos vom „dänischen Glücksrezept“ zu bröckeln. „Die Anzahl der Dänen mit psychischen Erkrankungen ist bedeutend höher als bisher angenommen“, räumte The Copenhagen Post im Frühjahr ein. Jüngsten Forschungen der Universität Aarhus zufolge wurde fast ein Viertel der unter fünfzigjährigen Dänen schon einmal wegen psychischer Probleme behandelt; bei den über Fünfzigjährigen waren es sogar mehr als ein Drittel. „Diese Zahlen geben einen realistischen Eindruck von der Verbreitung psychischer Probleme in Dänemark“, meint Anne Lindhart, die Vorsitzende der Dänischen Stiftung für Psychische Gesundheit.

 

Soziale Ungleichheit

In Kopenhagen ruft das Phänomen große Sorgen hervor. Kürzlich investierte die Stadt sogar 6 Mio. Kronen (über 800 000 Euro) in fünf neue Kliniken, die auf die Behandlung von Stress, Angstzuständen und Depressionen spezialisiert sind. Das gab es in diesem Land noch nie! „Im Gesundheitsbereich wurden bisher nur die physischen Pathologien berücksichtigt; psychische Probleme erregten Unbehagen und blieben daher im toten Winkel des medizinischen Blickfeldes“, klagt Ninna Thomsen, Abgeordnete der Nationalversammlung und Bürgermeisterin der dänischen Hauptstadt, die das Projekt finanziell trägt. Nach Auffassung der gewählten Vertreterin sind diese neuen Kliniken „ein enormer Fortschritt im Kampf gegen die soziale Ungleichheit im Gesundheitsbereich“. Mehreren Studien zufolge sind in Kopenhagen mehr als ein Viertel der psychologisch behandlungsbedürftigen Menschen arbeitslos.
 

 

Manuel Vicuña