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Cumhuriyet erhält Alternativen Nobelpreis

Länder: Welt

Tags: Alternativer Nobelpreis, Cumhuriyet, Türkei, Pressefreiheit

Mit der Pressefreiheit in der Türkei ist es schlecht bestellt. Die Cumhuriyet, eine der letzten regierungskritischen Zeitungen auf dem türkischen Markt, erhielt nun den Alternativen Nobelpreis. Das Preisgeld muss sie sich mit drei weiteren Organisationen teilen.

Die regierungskritische, türkische Tageszeitung Cumhuiyet wird am Donnerstag mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt. Die Auszeichnung, die offiziell "Right Livelihood Award" ("Preis für die richtige Lebensführung") heißt, bekommen jedes Jahr Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden. Das Preisgeld in Höhe von umgerechnet 313 000 Euro teilt sich Cumhuriyet mit drei weiteren Preisträgern: der syrischen Rettungsorganisation "Weißhelme", der ägyptischen Feministin Mozn Hassan sowie der russischen Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina. 125 Kandidaten aus 50 Ländern waren in diesem Jahr für den Preis nominiert. Insgesamt hat die Stiftung mit Sitz in Stockholm dann schon 166 Menschen und Organisationen aus 68 Ländern mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Seit 1980 wird der Alternative Nobelpreis in kritischer Distanz zu den traditionellen Nobelpreisen verliehen. Er wird aus privaten Spenden finanziert. Die Idee stammt von dem deutsch-schwedischen Publizisten Jakob von Uexküll.

 

Im Juni 2016 sprach Can Dündar im ARTE Journal über die Pressefreiheit in der Türkei: 

 

 

Can Dündar, Ex-Chefredakteur der Cumhuriyet, vor Gericht

Die Redaktion von Cumhuriyet dürfte sich über die Auszeichnung freuen, denn sie ist eines der wenigen Blätter, die sich in der Türkei überhaupt noch traut, regierungskritisch zu schreiben. Von Staatschef Recep Tayyip Erdogan wird sie deshalb kritisch beäugt. Immer wieder gibt es Festnahmen und Prozesse. 

Erst am Mittwoch ist gegen den ehemaligen Chefredakteur der Cumhuriyet Can Dündar und seinen Kollegen Erdem Gül erneut ein Prozess eröffnet worden. Die beiden Reporter müssen sich dieses Mal wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Gülen-Netzwerk verantworten. Im Mai waren Dündar und Gül nach der Veröffentlichung eines Artikels über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten beziehungsweise fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Bis zum Berufungsverfahren kamen sie frei. Zu der Anhörung vor einem Gericht in Istanbul erschienen am Mittwoch Gül sowie Dündars Frau Dilek, weil der frühere Chefredakteur inzwischen die Türkei verlassen hat und in Deutschland leben soll. Den Journalisten wird vorgeworfen, "wissentlich und bereitwillig" der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen geholfen zu haben, obwohl sie dieser nicht angehören. Die türkische Führung macht Gülen für den gescheiterten Militärputsch Mitte Juli verantwortlich - dieser bestreitet das.
Die Anwälte von Dündar und Gül forderten bei der Anhörung am Mittwoch einen Freispruch für ihre Mandanten. Der Prozess wurde auf Mitte November verschoben. Den Reportern drohen bei einem Schuldspruch bis zu 30 Jahre Gefängnis.

Totschlag der türkischen Medienlandschaft

Die Türkei belegt mittlerweile Platz 151 von 180 auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen. Denn Erdogan geht mit aller Härte gegen Oppositionelle sowie Journalisten vor und zerstört langsam aber sicher die Pressefreiheit. Mit Erdogans Säuberungsaktionen nach dem gescheiterten Militärputsch Mitte Juli hat er die Presselandschaft seines Landes ordentlich ausgedünnt. Ganz nach dem Motto "Was nicht passt, wird passend gemacht!". Inzwischen ließ die türkische Regierung 16 Fernseh- und 23 Radiosender abschalten, 20 türkische Internetseiten wurden blockiert, 45 Zeitungen, 15 Zeitschriften und drei Nachrichtenagenturen verboten.

Wer sich in der Türkei unabhängig informieren will, hat es mittlerweile schwer. Die türkische Regierung hingegen behauptet, bei den Säuberungen ginge es gar nicht um Journalisten, sondern um Erdogans Erzfeind Fetullah Gülen nahestehende Personen. Doch die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache. Alle Regierungskritiker landen ausnahmslos im Gefängnis, egal ob Gülen-Anhänger oder liberale Journalisten. Der Alternative Nobelpreis ehrt nun eine der wenigen Zeitungen, die noch nicht von der Politik totgeschlagen wurden und es bleibt ein Funken Hoffnung, dass es mit der Pressefreiheit in der Türkei noch nicht ganz zu Ende ist.

 

Zuletzt geändert am 22. März 2017