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CitizenGO - Gegen die Gleichstellung von Homosexuellen

Länder: Europäische Union

Tags: Homophobie, Citizen Go

Die Zahl der Online-Angriffe gegen Verfechter der Gleichstellung von Homosexuellen über so genannte „Bürgerplattformen“ wie CitizenGO nimmt stetig zu. Prominentes Opfer: Die EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek, Autorin des „EU-Fahrplans zur Bekämpfung von Homophobie und Diskriminierung aus Gründen der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität“.

 

In den Medien heißt er nur „Lunacek-Bericht“. Der am 4. Februar 2014 von EU-Parlament angenommene Entschließungsantrag fordert die Kommission dazu auf, „Themen im Zusammenhang mit den Grundrechten lesbischer, schwuler, bi-, trans- und intersexueller Personen“ stärker in ihre Arbeit einzubeziehen und insbesondere die „Bekämpfung von Homophobie und Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität“ voranzutreiben.

Der von der österreichischen EU-Abgeordneten Ulrike Lunacek initiierte Fahrplan hatte in Frankreich die Protestbewegung „La Manif pour tous“ auf den Plan gerufen. Der Zusammenschluss verschiedener Vereinigungen sah darin unter anderem einen unzulässigen Versuch, die In-vitro-Fertilisation zwangsweise durchzusetzen. Auf den Spruchbändern einiger Demonstranten war in Anspielung auf den Pink-Floyd-Titel „The Wall“ entsprechend zu lesen: „Brussels, leave our kids alone .

Doch die Feindseligkeiten beschränkten sich nicht alleine auf Demonstrationsparolen. Unmittelbar vor der Abstimmung wurde die offen lesbische Politikerin Lunacek mit etwa 40 000 Hass-Mails bombardiert. Darin wird Homosexualität als „abnormales Verhalten“ bezeichnet und von einem „Freibrief für Pädophile“ gesprochen. Zur gleichen Zeit konnten bei einer Online-Petition gegen den „Lunacek-Bericht“ mehr als 200 000 Unterschriften gesammelt werden. Und das alles von einer einzigen Plattform aus: CitizenGO

 

Cyberspace gegen Gays

Mit mehr als zwei Millionen aktiven Mitgliedern und Unterstützern in ganz Europa ist diese Internetseite zu einer Speerspitze im Kampf gegen die Gleichstellung von Homosexuellen geworden. Die 2013 in Madrid gegründete Protestplattform ist ein Forum für Ultrakonservative, Ultrakatholische und Abtreibungsgegner. So bezeichnet Alvaro Zulueta, CEO von CitizenGo und ehemaliger IBM-Manager, die österreichische EU-Abgeordnete beispielsweise als Extremistin und linksradikale Feministim im Dienste der einflussreichen Homosexuellenlobby.

Aktuell kämpft er gegen ein weiteres Papier, das am 10. März im EU-Parlament verabschiedet wurde und sich mit dem Abtreibungsrecht beschäftigt [Der Bericht Tarabella wurde mit 405 Stimmen und 205 Gegenstimmen angenommen]. Das neue Feindbild ist der so genannte Tarabella-Bericht, in dem es heißt, dass „Frauen insbesondere durch den einfachen Zugang zu Empfängnisverhütung und Abtreibung die Kontrolle über ihre sexuellen und reproduktiven Rechte haben müssen“.  Eine Petition, die bereits 153 000 Unterschriften auf sich vereinen konnte, argumentiert dagegen: „Die Europäische Union ist nicht dazu befugt, über Fragen der Abtreibung oder der Sexualaufklärung an Schulen zu befinden.“

Franck Berteau

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017