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Charlie Hebdo: Ein Rückblick auf mehr als 50 Jahre Satire

Länder: Frankreich

Tags: Chronik, Charlie Hebdo, Biografie

Charlie Hebdo steht in Frankreichs Tradition der satirischen Gesellschaftskritik. Ein Überblick über die Zeitschrift und Ereignisse der Vergangenheit.

 

 

Die Gesellschaft in Form von Satire zu kommentieren, hat in Frankreich nicht nur Tradition sondern auch viele Anhänger. Mit Respektlosigkeit und Stolz, einem linken Einschlag und großem Freiheitssinn steht Charlie Hebdo in dieser Tradition. Auf die Werte des Laizismus pochend, lassen seine Karikaturisten keinen mit ihrem scharfen Humor verschont. Über Jahre veröffentlichte das zeitwichtigste französische Wochenmagazin nach le Canard Enchaîné Karikaturen zum Propheten Mohammed, kritisierte Extremismus in der Religion, aber auch Politik oder Frauen werden zur Zielscheibe der Gesellschaftskritik. Ein Rückblick über das Magazin, die Debatten und Ereignisse, die damit verbunden waren.

 

 

Die vier getöteten Karikaturisten von "Charlie Hebdo"

 

Charb
Stéphane Charbonnier, genannt Charb, war seit 2009 Herausgeber von Charlie Hebdo und Nachfolger von Philippe Val. Er war außerdem Karikaturist für L'Écho des savanes, Télérama, L'Humanité und Fluide glacial. 2011, nach der Brandstiftung auf die Redaktion und die lauter werdenden Bedrohungen, bekam Charb Polizeischutz. Daraufhin sagte er Le Monde, dass er nichts zu befürchten habe: „Ich habe keine Kinder, keine Frau, kein Auto, keine Rücklagen. Es ist vielleicht ein bisschen pompös, das zu sagen, aber ich sterbe lieber erhobenen Hauptes, als auf Knien zu leben.“
 

Tignous
Der Humorist und Karikaturist, 1957 in Paris geboren, machte seine Anfänge mit Illustrationen und in der Comicszene. Ab 1980 wandte er sich der Presse zu und veröffentlichte seine ersten Karikaturen in  L’Idiot international, La grosse Bertha und L’événement du jeudi. Tignous arbeitete regelmäßig für Charlie Hebdo und Marianne, außerdem für Fluide Glacial und L’Echo des Savanes.

Cabu
Der Karikaturist und Comiczeichner wurde am 13. Januar 1938 in Châlons-en-Champagne geboren. Seine ersten Illustrationen publizierte er 1954 in der Lokalzeitung L’Union de Reims.  Unter dem Pseudonym Cabu wurde er vor allem mit seinen Figuren „Grand Duduche“ und „beauf“ bekannt. Er zeichnete für Zeitschriften wie Hara Kiri, Le Canard Enchaîné, Charlie Hebdo und le Figaro. Außerdem zeichnete er live in Fernsehsendungen wie „Droit de réponse“ und „Récré A2“. Als künstlerischer Leiter von Charlie Hebdo karikierte er 2014 vor allem den Dschihad und den Vorstoß der französischen Rechten. „Manchmal bleibt einem das Lachen im Hals stecken, aber der Humor bleibt unsere einzige Waffe.“, sagte er in einem Interview der Ouest France am 27. Dezember 2014.

Wolinski
Mit 80 Jahren war Georges Wolinski, geboren 1934 in Tunis, der älteste in der Redaktion von Charlie Hebdo. 1960 arbeitete er in der Redaktion von Hara Kiri, bevor er von 1970 bis 1981 Chefredakteur von Charlie Hebdo wurde. Das Lieblingsthema des Comiczeichners und Karikaturisten waren Frauen und die Politik. Er arbeitete für große Zeitungen wie l’Humanité, Le Nouvel Observateur, Paris Match oder das Journal du Dimanche (JDD), wo er jeden Sonntag die Nachrichten kommentierte. Er zeichnete rund 600 Plakate, auch für Werbekampagnen. Auf dem internationalen Comicfestival in Angoulême gewann er 2005 den Grand Prix der Stadt. In einem Interview von Paris Match 2012 sagt er: “Cabu und ich sind keine richtigen Provokateure. Wir suchen keinen Streit. Wir sind nicht wie Siné, für den nur eine zensierte Karikatur wirklich gut ist. Wir wollen gute, witzige Karikaturen machen, die die Leute zum Lachen bringen. Manchmal gehen wir ein bisschen zu weit, aber das mögen die Leute ja.“  

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016