Cannes 2014 - Die Preisträger

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Tags: Preisträger, Filmfestival, Cannes

Das Festival 2014 hatte in diesem Jahr viele Spitznamen, die ihrem Inhalt nach aber stets um ein Thema kreisten: Geronto-Festival, Festspiel der weißen Haare oder Altherren-Treffen an der Côte d'Azur. Gemeint war damit das stolze Alter der vielen Regisseure im Wettbewerb. Ken Loach (Jahrgang: 1936), Mike Leigh (1943), David Cronenberg (ebenfalls 71 Lenze), Tommy Lee Jones (67 Jahre), die Brüder Dardenne (60 bzw. 63 Jahre) und der Klassenälteste Jean-Luc Godard mit 83 Jahren. Deutsche suchte man im Wettbewerb vergeblich. Dafür bekam Wim Wenders (68 Jahre) für sein Biopic über den Starfotografen Sebastião Salgado in der Nebenreihe „Un Certain Regard“ einen Spezialpreis. Und natürlich wurde im Vorfeld auch wieder die Gender-Frage gestellt. Vorausschauend hatte man an der Croisette aber mit Jane Campion (60 Jahre) eine Frau auf den Thron der Jurypräsidentschaft gesetzt. Die Neuseeländerin ist die erste und bisher einzige Regisseurin, die in Cannes mit ihrem Film „Das Piano“ eine Goldene Palme gewinnen konnte.

Und so wurde nach dem Besten Debut („Partygirl“) und Besten Kurzfilm („Leidi“) auch gleich die Beste Schauspielerin dieses Jahres gekürt. Nach Meinung der Jury war dies Julianne Moore, die in Cronenbergs Film „Maps to the Stars“ einem abgehalfterten und selbstsüchtigen Hollywood Star ihren Körper lieh. Auch bei der Vergabe der Palme für den Besten Schauspieler scheint die Jury Rollen zu bevorzugen, die ungehobelte und extrovertierte Reibeisen zeigen. Bester Schauspieler wurde der Engländer Timothy Spall, der in Mike Leighs Turner-Portrait zwei Stunden lang einen stets schlecht gelaunten und doch genialen Malerfürsten spielte.     
 
Ganz anderes bevorzugte man da beim Preis für die Beste Regie. War es beim Schauspiel noch die Innerlichkeit, setzte man hier auf einen äußerst politischen Film: „Leviathan“ von dem Russen Andrey Zvyagintsev. Ein verdienter Preis für eine Neuinterpretation der Bibelgeschichte, die mit viel schwarzen Humor die korrupten Verhältnisse in Russland anprangern.
 
Den Preis der Jury teilten sich ganz im Sinne des Generationen-Friedens der älteste und der jüngste Regisseur. Der erst fünfundzwanzig-jährige Kanadier Xavier Dolan für „Mommy“ - ein hinreißender Film über eine Mutter-Sohn-Beziehung. Das neue Wunderkind von Cannes widmete den Preis seiner Generation im Allgemeinen und der Jurypräsidentin im Besonderen. Der Ältere kam erst gar nicht zur Preisverleihung, hatte auf dem Festival aber einen politischen Film („Adieu au Langage) hinterlassen, der nachhaltigen Eindruck hinterließ.
 
Bester Regisseur an der Croisette wurde der US-amerikanische Regisseur Bennett Miller, der für seinen sehr kontrollierten Ringer-Film Foxcatcher, der kein Ringer-Film ist, eine Palme erhielt. Den Großen Preis der Jury erhielt die Italienerin Alice Rohrwacher für ihren Film „Le Meraviglie“. Hier erzählt sie mit viel Feingefühl die Geschichte einer deutsch-italienischen Familie und die der vierzehn-jährigen Gelsomina, die vom Kind zur Jugendlichen wird.  
 
Der Preis des Abends ging an den längsten Film im Wettbewerb: Winter Sleep (196 Minuten). Der Türke Nuri Bilge Ceylan gewann die Goldene Palme für seine starke cineastische Leistung und widmete seinen Preis der Jugend seines Landes. Womit jetzt ein letzter Spitzname des Festivals fällig wäre. Cannes 2014, das Fest der Generationen, in dem die Jungen Anerkennung erhielten und die Alten bestätigt wurden.

 

 

>> Goldene Palme:  "Winter Sleep" von Nuri Bilge Ceylan 

>> Großer Preis der Jury:  "Les Merveilles" von Alice Rohrwacher 

>> Beste Regie:  Bennett Miller für "Foxcatcher"

>> Preis der Jury: "Mommy" von Xavier Dolan und "Adieu au langage" von Jean-Luc Godard

>> Beste weibliche Hauptdarstellerin: Julianne Moore in "Maps to the Stars" von David Cronenberg

>> Bester männlicher Hauptdarsteller: Timothy Spall in "Mr Turner" von Mike Leigh

>> Bestes Drehbuch: Oleg Negin für "Leviathan" von Andrey Zvyagintsev

>> Die Goldene Kamera: "Party Girl" von Marie Amachoukeli, Claire Burger und Samuel Theis ​ ​

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016