Burkina Faso: "Ein afrikanischer Frühling ist nicht unmöglich"

Länder: Burkina Faso

Tags: Antoine Glaser, Michel Kafando

Antoine Glaser, ehemaliger Chefredakteur von La Lettre du Continent, einer Zeitschrift über Afrika, begrüßt den demokratischen Wandel in Burkina Faso. Bei diesem schnellen Umbruch sieht er die Beteilgung der Zivilgesellschaft und der Jugend als besonders wichtig.  Er denkt, dass sich die Bewegung auf den ganzen Kontinent ausbreiten könnte. Hérade Feist hat ihn getroffen.

ARTE: Der Übergangspräsident von Burkina Faso heißt Michel Kafando. Was halten Sie von dem neuen Mann an der Spitze des Landes?

 

Antoine Glaser: Michel Kafando ist der ideale Mann, um diese Übergangsregierung zu leiten. Er ist eine Persönlichkeit Burkina Fasos, die bei dem politischen Vorgehen des Landes jahrelang außen vor war. Er war dreizehn Jahre lang bei den Vereinten Nationen und sehr lange als Botschafter im Ausland. Also war er nicht in die lokalpolitischen Verstrickungen involviert. Daher hat er mehr Chancen als andere, dass ihm dieser Übergang gelingt.

 

Wem hat man diesen Wandel zu verdanken?

 

Antoine Glaser: Das war die demokratische Zivilgesellschaft von Burkina Faso. Zehntausenden jungen Bürger ist der Rücktritt von Blaise

Compoaré gelungen. Das Volk wacht über sein Land und über die politischen Vorgänge, deshalb wird sich das Militär im Land wohl nicht erneut durchsetzen können. Aber machen wir uns keine Illusionen, die Armee von Burkina Faso, Oberst Isaac Zida und sein Chef, der General Honoré Traoré aus der früheren Regierung des Präsidenten, bleiben auch weiter hinter den Kulissen aktiv. Aber ich denke der Übergang, der in diesem Land gerade seinen Lauf nimmt, passiert vor allem über die junge Generation und das ist sehr wichtig.

 

Ich denke, dass die Geschehnisse in Burkina Faso die Voraussetzung für eine sehr wichtige Entwicklung auf dem gesamten Kontinent sind.

Antoine Glaser - 17/11/2014

Werden die Ereignisse in Burkina Faso Auswirkungen auf andere afrikanische Staaten haben?

 

Antoine Glaser: Was in Burkina Faso passiert ist, wird Einfluss auf viele andere afrikanische Staaten haben, deren Präsidenten an der Macht bleiben wollen. In Staaten wie der Demokratischen Republik Kongo, mit 510 Millionen Einwohnern, oder auch der Republik Kongo, die zwar nur 3 bis 4 Millionen Einwohner hat, aber ein reiches Land mit Ölvorkommen ist, wird wohl nicht das Gleiche passieren.

Aber ich denke, dass diese afrikanische Jugend, die sich schon für zehn Euro ein chinesisches Handy besorgen kann, die die Zivilbevölkerung miteinander vernetzt. Die Zivilbevölkerungen der afrikanischen Staaten imitieren sich gegenseitig, genau wie früher die verschiedenen Staatschefs. Natürlich wird sich auch die junge Bevölkerung in den anderen afrikanischen Ländern sagen: „Warum nicht wir? Wir sind nicht dümmer als die Bürger von Burkina.“ Ich denke, dass die Geschehnisse in Burkina Faso die Voraussetzung für eine sehr wichtige Entwicklung auf dem gesamten Kontinent sind. Manche sprechen schon vom afrikanischen oder schwarzen Frühling. Ich glaube auch, dass der afrikanische Kontinent nach dem arabischen Frühling einen Frühling erleben wird, selbst wenn dieser im Herbst stattfindet. Nach dem Kalten Krieg hat Afrika, besonders die ehemaligen Kolonien Frankreichs eine Art geschichtlichen Anachronismus erlebt, der ein bisschen angedauert hat. Aber jetzt bereitet sich auf dem Kontinent ein tiefgehender Wandel vor und Burkina Faso ist das erste Anzeichen dieses Wandels.