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Bürgerkrieg in Syrien: Kein Ende in Sicht

Länder: Syrien

Tags: Homs, Bürgerkrieg, Aleppo, Russland, Baschar al-Assad

Mit russischer Unterstützung macht die syrische Armee in Aleppo Boden gut. In Genf führt der Protest der Opposition zum Abbruch der Friedensgespräche. US-Außenminister John Kerry wirft Russland vor, eine militärische Lösung zu bevorzugen. Bei der Geberkonferenz in London wird derweil Geld gesammelt, um Syrien und den Nachbarländern in der Flüchtlingskrise zu helfen. Immerhin ein kleiner Erfolg, doch ein Ende des Bürgerkrieges ist nicht in Sicht.

 

Un drone filme Homs en ruines
Drohne filmt zerstörtes Homs Drohne filmt zerstörtes Homs Drohne filmt zerstörtes Homs

 

In Aleppo kreist die syrische Armee die Rebellen ein

875 Ziele in 3 Tagen?

In einem Communiqué schreibt das russische Verteidigungsministerium, zwischen dem 1. und 3. Februar 875 "terroristische Ziele", u.a. in den Regionen Aleppo und Homs bombardiert zu haben.

Anfang der Woche hat die syrische Armee in Aleppo eine Großoffensive gestartet, um die Rebellenviertel einzukreisen. Unterstützt von russischen Kampfflugzeugen sowie regierungstreuen Milizen und der libanesischen Hisbollah-Miliz, hat die syrische Armee in Aleppo die letzte Verbindung zur türkischen Grenze gekappt, ein empfindlicher Rückschlag für die Opposition.

"Die Streitkräfte des Regimes haben in Aleppo in drei Tagen erreicht, was sie in drei Jahren nicht geschafft hatten. Und das vorwiegend dank der russischen Unterstützung", sagte Rami Abdel Rahman, der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. 

Während die Regierung noch vor fünf Monaten an Boden verloren hatte, sei sie nun in der Lage "in mehreren wichtigen Gebieten zu teilen, zu isolieren und vorzurücken". Laut den Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle wurden in der Offensive bisher 100 Rebellen, 64 Kämpfer der Regierungstruppen und 27 Zivilisten getötet, darunter 24 bei russischen Luftangriffen. Demnach seien fast 40.000 Zivilisten seit Beginn der Offensive in Richtung der kurdischen Stadt Afrin, der Grenze zur Türkei und anderer Teile der Provinz Aleppo geflohen.

 

In Genf werden die Friedensgespräche ausgesetzt

Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura verkündete am Donnerstag, dass die Friedensverhandlungen vorzeitig ausgesetzt und voraussichtlich am 25. Februar fortgesetzt würden. Dies, nachdem sie am 1. Februar in getrennten Räumen erst angefangen hatten. Grund für den vorzeitigen Abbruch war mitunter die Offensive um Aleppo. Die syrische Opposition möchte nun nur noch verhandeln, wenn sich die humanitäre Situation verbessert. Syrische Oppositionsvertreter bekräftigten in einem Gespräch mit dem russischen Vizeaußenminister Gennadi Gatilow jedoch ihre Bereitschaft, im Friedensprozess eine konstruktive Rolle einzunehmen. US-Außenminister John Kerry beschuldigte die syrische Regierung und Russland, eine "militärische Lösung" des Konflikts zu bevorzugen. Sein russischer Kollege Sergej Lawrow kündigte an, die Luftangriffe fortzusetzen, bis alle "Terroristen" endgültig besiegt seien.

Der Kreml hat die Unterbrechung der Syrien-Friedensgespräche in Genf offiziell bedauert und eine rasche Fortsetzung gefordert. "Wir hoffen, dass auf eine Pause die nächste Runde der wirklich schweren Verhandlungen folgt", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in Moskau.

 

In London werden 9 Milliarden Euro gesammelt

Zur gleichen Zeit fand am 4. Februar in London die Geberkonferenz für die notleidenden Menschen in Syrien und in den Nachbarregionen statt. Die Weltgemeinschaft einigte sich darauf, neun Milliarden Euro an internationale Hilfsorganisationen zu zahlen. Das entspricht exakt dem Betrag, der vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) gefordert wurde. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem großen Erfolg. Kanzlerin Angela Merkel  sagte, nun könne die Hilfe sofort beginnen. Sie würdigte die "großartigen Leistungen" des Libanons und Jordaniens für die Aufnahme so vieler Flüchtlinge.

Das Geld wird an das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und das Welternährungsprogramm (WFP) fließen. Deutschland gehört neben den USA, Großbritannien, Japan und der EU zu den fünf größten Gebern, die mehr als 60 Prozent der UNHCR-Hilfsprogramme finanzieren. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016