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Brasilien: Behörden unter Druck

Länder: Brasilien

Tags: FIFA, Fußball

Nur noch wenige Tage bis zur WM - aber den brasilianischen Behörden ist nicht zum Feiern zumute. Die sozialen Konflikte breiten sich im Land weiter aus.

Die U-Bahn in São Paulo ist das wichtigste Transportmittel, um zum Stadion "Arena Corinthians" zu gelangen. 20 Millionen Menschen wohnen in der Stadt, die U-Bahn transportiert allein auf dieser Linie täglich 4,5 Millionen Passagiere.

 

In einer Woche geht der Vorhang auf für die Fußball-Weltmeisterschaft. Aber die Stadt ist wie gelähmt. Denn die Angestellten der U-Bahn von São Paulo streiken. Und sie haben sich entschieden, ihren Streik fortzusetzen. Die Streikenden akzeptieren die 8,7% Gehaltserhöhung nicht, die ihnen von der Chefetage angeboten wurde. Sie fordern mindestens 12,2%. Der unbefristete Streik hat zu Staus in Rekordlänge geführt - am 5. Juni standen die Autos während der Hauptverkehrszeit volle 209 Kilometer im Stau. 

 

Behörden unter Druck

Auch wenn der Streik der U-Bahn von São Paulo nur drei der fünf Linien betrifft, steigt der Druck auf die Behörden. Seit Juni 2013, während des FIFA-Konföderationen-Pokals 2013, sind sie mit gigantischen Protestwellen konfrontiert. FIFA-Präsident Joseph Blatter stellte sich hinter die WM-Veranstalter und sicherte ihnen sein Vertrauen zu. "Es ist schwer zu sagen, welchen Einfuss eine soziale Protestbewegung hätte", sagte seinerseits Jérôme Valcke, FIFA-Generalsekretär. "Wir haben mit der Regierung zusammengearbeitet und sicher gestellt, dass der Zugang zum Stadion an allen Spieltagen reibungslos funktioniert, egal was passiert. So dass zwei Ereignisse zur gleichen Zeit stattfinden können - soziale Proteste und WM-Spiele - ohne sich gegenseitig im Weg zu stehen." Gilberto Carvalho, Generalsekretär im Präsidialamt, hat von den Bürgern einen zivilen Waffenstillstand gefordert, um die Touristen friedlich zu empfangen.

 

Soziale Spannungen

Am Mittwoch, den 4. Juni, haben 12.000 Anhänger der "Sans-Toit"-Bewegung und 400 Polizisten im Ruhestand nahe dem Stadion von São Paulo protestiert und eine der Hauptstaßen der Stadt blockiert. Vor zwei Wochen hat ein Streik der Busfahrer für Chaos gesorgt: ein 168-Kilometer-langer Stau war die Folge, mehr als eine Million Menschen waren betroffen. Der Präsident der U-Bahn-Gewerkschaft, die 9700 Arbeiter zählt, bestätigte am Mittwoch abend, dass die Streikenden die vorgeschlagenen Gehaltserhöhungen der Direktion nicht akzeptierten: "Das ist die wirkliche Welt. Die Preissteigerungen bei Lebensmitteln und die allgemeine Inflation sind deutlich höher", als die Vorschläge der Behörden, erklärte er. Die Mitglieder des MTST, des "Movimento dos Trabalhadores Sem-Teto", haben in den vergangenen Wochen für zahlreiche Demonstrationen gesorgt. Anfang Mai hatten sie sogar illegal ein Gelände in der Nähe des Stadions besetzt und "WM des Volkes" genannt.

 

WM unter Beobachtung

Polizisten aus der ganzen Welt sind daran beteiligt, die Sicherheit, die Überwachung der gewaltbereiten Fans und Kriminellen während der WM zu gewährleisten. Brasilien kann Fans den Eintritt verwehren, die ein Vorstrafenregister aufweisen. Sicherheitskräfte innerhalb und außerhalb der Stadien sollen Prügeleien und Krawalle verhindern. Vor Ort sollen 157.000 Polizisten und Soldaten die Sicherheit der Wettkämpfe garantieren. Amnesty International hat die brasilianische Regierung dazu aufgerufen, während der WM das Demonstrationsrecht zu respektieren. "Die Welt hat ihre Augen auf ganz Brasilien gerichtet und nicht nur auf die Stadien. Das Land hat die Gelegenheit zu zeigen, dass es das Recht auf freie Meinungsäußerung und friedliche Proteste wahrt", so der Leiter von Amnesty Brasilien.

 

 

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016