|

Boko Haram und El Niño: Millionen Afrikaner hungern

Länder: Nigeria

Tags: Afrika, Hungersnot, Boko Haram

Hungersnöte plagen Millionen Menschen in Afrika. Wie UNICEF mitteilte, leidet die Bevölkerung im Nordosten Nigerias erheblich unter den Folgen der Gewaltherrschaft der Terrormiliz Boko Haram. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sprach heute in Paris von einem "sanitären Desaster". Im Südosten Afrikas sind aufgrund der Dürre gleich sieben Staaten auf schnelle Versorgungshilfen angewiesen. Ertharin Cousin vom Welternährungsprogramm forderte bei einem Besuch in Malawi Hilfszahlungen in der Höhe von 535 Millionen US-Dollar. Hilfszahlungen sind ein Teil der Lösung, doch besonders in Nigeria muss dringend etwas passieren. 

Hilfsversorgung scheitert an Boko Haram 

Im Nordosten Nigerias sind laut Unicef mindestens zwei Millionen Menschen akut von Hunger bedroht. Im Bundesstaat Borno herrscht die islamistische Terrormiliz Boko Haram. Ganze Gebiete sind seit zwei Jahren schon von Hilfezufuhren abgeschnitten, weshalb das Ausmaß der Hungersnot sogar noch größer sein könnte, wie UNICEF miteilte. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen hob hervor, dass rund 244.000 Kinder betroffen seien, von denen 49.000 ohne Versorgungshilfe sterben würden. Im Schnitt drohe der Tod von täglich 134 Kindern, sagte Manuel Fontaine, Unicef-Direktor für die Region West- und Zentralafrika.

Laut Fontaine leisten die Hilfsorganisationen vor Ort gute Arbeit, doch der derzeitige Rahmen erlaube nicht die erforderliche Qualität. "Es muss alles viel schneller gehen", so Fontaine. Anfang des Jahres hatte UNICEF einen Spendenaufruf in Höhe von über 50 Millionen Euro gestartet. Doch nicht einmal die Hälfte der Gelder ist bis heute eingegangen.

 

 

"Sanitäres Desaster"
Hunger in Nigeria.jpg

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sprach bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz heute in Paris von einem "sanitären Desaster", das in Nigeria sichtbar geworden sei. Tausende Menschen hungern in Flüchtlingslagern. Die Krankenhäuser sind überfüllt und ganze Ortschaften nicht erreichbar, da die Transportwege nicht sicher sind. Die nigerianische Regierung hat im Kampf gegen Boko Haram bislang noch keinen Durchbruch erreichen können.

Die Gewalt und die Bedrohung durch die Terrormiliz haben in Nigeria Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Die Terrorgruppe will im Nordosten Nigerias einen Gottesstaat auf Grundlage der islamischen Scharia errichten. Viele der Flüchtlinge sind in die Nachbarstaaten Tschad und Niger geflohen. Dort ist die Versorgungslage allerdings nicht minder angespannt, die Staaten gehören zu den ärmsten Ländern der Welt. Vergangene Woche hatte die EU die Bereitstellung von 145 Millionen Euro angekündigt, um gegen Hunger zu kämpfen und die Gesundheitsversorgung in de Sahel-Zone zu verbessern. Fast die Hälfte der Gelder soll an den Tschad und den Niger gehen.

Boko Haram – Nigerias Terrogruppe. Die ARTE Dokumentation zeigt den Aufstieg der ilamistischen Miliz.

 

El Niño lässt Millionen hungern

Große Hungersnöte plagen zurzeit auch Millionen von Menschen im Südosten Afrikas. Die ohnehin schon angespannte Lage wurde in sieben Staaten nun durch eine schwere Dürreperiode verschlimmert, was laut UNO mit dem Wetterphänomen El Niño zusammenhängt. Betroffen sind Lesotho, Madagaskar, Malawi, Mosambik, Sambia, Swasiland und Simbabwe.

Hunger in Süd-Ost-Afrika.jpg

Ertharin Cousin, Geschäftsführerin des Welternährungsprogramms der UNO, forderte bei einem Besuch in Malawi Hilfszahlungen in Höhe von fast 500 Millionen Euro. Sie sollen zur Versorgung der Menschen bis April 2017 eingesetzt werden. Derzeit seien in den sieben Staaten 18 Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Fast 200 Millionen Euro sollen allein nach Mawali fließen, das dringend auf Unterstützung angewiesen sei. Die Lage drohe sich im Jahresverlauf drastisch zu verschlimmern, warnte Cousin.

 

Hunger: Weltweit ein Problem, in Afrika eine Bedrohung
 

 

Zuletzt geändert am 20. Juli 2016