Besorgnis in den Moscheen

Länder: Russland

Tags: Russland, Krim

Die Krimtataren, die muslimische Minderheit der Halbinsel, ist über den Anschluss an Russland wenig erfreut. Viele von ihnen haben die Abstimmung darüber boykottiert. Ein Gespräch mit dem Imam Remzi Ismailow.

 

In der Moschee treffe ich den Imam Renzi Ismailow. Er sagt, die Krim soll in die Ukraine zurückkehren: „Das war kein freiwilliger Anschluss. Alles erfolgte unter Druck. Russische Soldaten haben allmählich die Krim besetzt. Putin hat das zuerst geleugnet, später aber zugegeben. Er hat also gelogen! Mit dieser Politik wird Russland nicht weit kommen." Die meisten Krimtataren, die  die muslimische Minderheit auf der Halbinsel im Schwarzen Meer, hätten die Abstimmung über den Anschluss der Krim boykottiert.

Von seinen Gläubigen hätten nur ganz wenige daran teilgenommen - “Menschen ohne Verstand”, wie er sagt, die Märchen Glauben schenken würden. Der Imam klagt über wachsenden Druck seitens des russischen Geheimdienstes: “Wissen Sie, wie viele Leute verschwunden und wie viele verschleppt worden sind?” Nach Schätzungen der Aktivistenorganisation SOS-Krim haben rund 10.000 Krimtataren die Halbinsel seit dem Referendum verlassen. Gegen so manche politisch aktive Exilanten soll Russland eine Einreisesperre verhängt haben - sie können demnach nicht mehr in die Heimat zurück.

 

Krimtataren

 

Im Unterschied zu den Krimdeutschen sind die Krimtataren wenig erfreut über den Anschluss an Russland. Sie sind eine Art “Aborigines”, also die Ureinwohner der Krim. Denn ihre Vorfahren lebten hier lange bevor die Halbinsel unter Katharina der Großen zum ersten Mal russisch wurde. Unter Stalin wurden sie nach Zentralasien ausgesiedelt, weil man ihnen eine Kollaboration mit den deutschen Besatzern andichtete. Seit dem Ende der Sowjetunion durften sie in die Heimat zurückkehren und haben deshalb eher positive Erinnerungen an die unabhängige Ukraine. Heute sind sie 280.000 und machen fast zwölf Prozent der Krim-Bevölkerung aus.

 

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Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016