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Weiterer Komplize von Pariser Attentäter identifiziert

Länder: Belgien

Tags: Attentate, Paris, Terrorismus, Frankreich

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Paris-Attentäters Salah Abdeslam am 18. März in Brüssel, soll nun ein weiterer Komplize der Pariser Attentäter identifiziert worden sein. ARTE Info fasst die Ereignisse der vergangenen Tage in vier Punkten zusammen.   

Welche Rolle soll Salah Abdeslam während der Pariser Attentate gespielt haben?  

Der mutmaßliche Attentäter Salah Abdeslam wurde am 18. März in der als Islamistenhochburg geltenden Brüsseler Gemeinde Molenbeek festgenommen. Seit den Attacken in Paris am 13. November 2015 war er einer der meistgesuchtesten Männer in Europa.

Nach den Erkenntnissen der Ermittler hätte der 26-Jährige das Killerkommando mit einem Kleinwagen zum Stade de France gefahren, das dort während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland ein Massaker anrichten sollte. Er selbst hätte sich auch in die Luft sprengen wollen. Das habe er laut Informationen der belgischen Staatsanwaltschaft am Wochenende den belgischen Ermittlern gestanden. Ihre französischen Kollegen gehen laut dem Pariser Staatsanwalt François Molins inzwischen zweifelsfrei davon aus, dass der nach den Anschlägen im Vorort Montrouge in einem Mülleimer gefundene Sprengstoffgürtel von Abdeslam abgelegt wurde. Nahe Montrouge war am Abend der Anschläge das Mobiltelefon von Abdeslam geortet worden.

Die belgische Justiz hat am Samstag schwere Vorwürfe gegen den mutmaßlichen Terroristen erhoben. Dem Franzosen sowie einem weiteren mutmaßlichen Mittäter werden die Beteiligung an terroristischem Mord sowie die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Nach Angaben des belgischen Außenministers Didier Reynders vom Sonntag habe der 26-Jährige in Brüssel "wieder etwas vorgehabt".

Bei den Attentaten auf den Pariser Musikklub "Bataclan" sowie mehrere Bars und Restaurants und am Stade de France waren am 13. November 130 Menschen ums Leben gekommen.

 

Welche Verbindung gibt es nach Deutschland?

Die Festnahme Abdeslams hatte anscheinend eine Verbindung nach Deutschland ermöglicht. Abdeslam sei im vergangenen Oktober zusammen mit einem weiteren Verdächtigen von der Polizei in Ulm kontrolliert worden, teilte die belgische Justiz mit. Die Spur dieses mutmaßlichen Kumpanen sei anschließend bis Brüssel verfolgt worden. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte, dass der Verdacht bestehe, dass sich Abdeslam in Ulm aufgehalten habe. Das sei Gegenstand der Ermittlungen.

 

Wie hat Europa auf die Festnahme Abdeslams reagiert?

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve wertete die Festnahme von Abdeslam als Sieg gegen den Terrorismus in Europa. Bei den Einsätzen seien "mehrere Individuen von extremer Gefährlichkeit und Entschlossenheit" außer Gefecht gesetzt worden, sagte er am Samstag nach einer Sitzung des Verteidigungsrates in Paris. Allerdings mahnte er auch, dass die Terrorgefahr weiter bestünde. Auf seinem Twitter-Konto schrieb er, die Bedrohung bleibe weiter hoch: "der Kampf gegen den Terrorismus muss unerbittlich weitergehen. Wir gedenken der Opfer des 13. Novembers".

Frankreichs Präsident François Hollande gab bekannt, dass es eine Verbindung zwischen Abdeslam und den Paris-Attentaten gäbe. Auf seinem Twitter-Konto drückte er den Hinterbliebenen der Opfer sein Mitgefühl aus:

Auch wenn die Festnahme von Abdeslam in Paris, Brüssel und ganz Europa erste Erleichterung mit sich brachte, gilt in Belgien weiter die zweithöchste Terrorwarnstufe. Der nationale Sicherheitsrat stufte die terroristische Gefahr am Samstag weiter als wahrscheinlich ein, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete.

 

Was geschieht nun mit Salah Abdeslam?

Derzeit sitzt Abdeslam im Gefängnis von Brügge in Untersuchungshaft. Nach der Festnahme forderten die französischen Behörden die sofortige Auslieferung des Attentäters nach Frankreich, um ihn dort zur Verantwortung zu ziehen. Laut Angaben des belgischen Premiers Charles Michel gebe es gegen das Auslieferungsgesuch Frankreichs keine politischen Einwände. Wegen rechtlicher Regelungen kann der Transfer bis zu 60 oder 90 Tagen dauern. Nun will sich Salah Abdeslam gegen die Auslieferung wehren. Das meldete die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf dessen Anwalt Sven Mary. Die Chancen, in Belgien bleiben zu können, sind jedoch äußerst gering.

Ferner kündigte Abdeslams Anwalt am Sonntag an, Anzeige gegen François Molins erstatten zu wollen. Der französische Staatsanwalt habe unerlaubterweise Details aus den Vernehmungen ausgeplaudert, sagte er zur Begründung nach Angaben des belgischen Rundfunksenders RTBF.

Zuletzt geändert am 22. März 2017