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Belgien – Sexueller Missbrauch in den Rängen der Kirche

Länder: Belgien

Tags: sexuelle Missbrauch, katholische Kirche

Nach einem von der katholischen Kirche in Belgien veröffentlichten Bericht haben sich innerhalb von vier Jahren über 1000 Opfer von sexuellem Missbrauch durch Priester gemeldet.

Die katholische Kirche in Belgien hat Wort gehalten und setzt auf Transparenz. Zum ersten Mal seit drei Jahren veröffentlichte sie am 22. Februar 2016 einen Bericht über sexuelle Übergriffe durch Personen aus ihren eigenen Reihen. Zwischen 2012 und 2015 sind über 400 Beschwerden von 1 046 mutmaßlichen Opfern, in erster Linie Männern, eingegangen. Die meisten waren zum Zeitpunkt des Missbrauchs noch minderjährig, 23 % unter zehn Jahre alt. Fast die Hälfte aller Übergriffe sollen in Schulen, ungefähr ein Viertel in Pfarreien stattgefunden haben.

Auf der Seite FranceTVinfo.fr ist zu erfahren, dass es ebenso viele Täter wie Opfer gibt. Dabei handelt es sich um Priester, Mönche und in der Seelsorge beschäftigte Laien. 60 % der noch lebenden mutmaßlichen Täter sind heute über 70 Jahre alt. In einer Reportage, die auf dem belgischen Sender RTL Info gezeigt wurde, erklärten Verantwortliche der Kirche, die Betroffenen würden künftig nur noch mit Verwaltungsaufgaben betraut.

 

Vier Millionen Euro

Denn Verurteilungen vor Gericht wird es für Vorkommnisse, die in 80 % der Fälle über dreißig Jahre her und damit verjährt sind, nicht geben. Einige Opfer haben Entschädigungszahlungen erhalten, insgesamt hat die katholische Kirche in Belgien vier Millionen Euro gezahlt.

„Wir sind uns dessen bewusst, dass wir die Vergangenheit nicht ändern können. Wir können lediglich versuchen, das anzubieten, woran es in der Vergangenheit in erster Linie gemangelt hat: Menschlichkeit und Solidarität“, erklärte Professor Manu Keirse, der Vorsitzende der interdiözesanen Kommission und Fachmann für Trauerarbeit an der medizinischen Fakultät der katholischen Universität in Löwen bei der Präsentation des Berichts abschließend.

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016