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Belgien – Nein zur kommerziellen Leihmutterschaft

Länder: Belgien

Tags: Leihmutterschaft, homosexuelle Paare

In Brüssel hat ein amerikanischer Verband eine Konferenz organisiert, um homosexuelle Paare mit Privatkliniken in Kontakt zu bringen, die sich auf Leihmutterschaft spezialisiert haben. Eine nicht unumstrittene Initiative, die zunehmend politische Züge annimmt.

 

„Homopapas in Europa“, so der Titel der von „Men Having Babies“ organisierten Konferenz, die am 3. Mai 2015 in Brüssel im Rahmen des LGBT-Festivals (Lesbische, Schwule, Bisexuelle und Transgender) stattfand. Anlass genug für den amerikanischen Verband, die knapp 140 angereisten homosexuellen Paare mit Vertretern privater Kliniken und auf Leihmutterschaft spezialisierten Einrichtungen in Kontakt zu bringen.

Solche Konferenzen sind eine schwerwiegende Verletzung der grundlegenden Menschenrechte und stiften Verwirrung

No Maternity Traffic - 03/05/2015

 

In Belgien hat die Initiative für Gesprächsstoff gesorgt. „Solche Konferenzen, welche die Leihmutterschaft bewerben, sind eine schwerwiegende Verletzung der grundlegenden Menschenrechte und stiften Verwirrung“, kritisiert der Verband No Maternity Traffic, demzufolge immer mehr Agenturen ihre kommerziellen Dienste anbieten und dafür zwischen 77 000 und 171 000 Dollar pro Baby verlangen. So stehen Frauen verschiedener Herkunft, sei es aus Indien, der Ukraine, Nepal oder den USA als Leihmütter zur Wahl.

 

Die Gesetzgebung zur Leihmutterschaft ist in Belgien weiterhin schwammig. Sie ist durch keinerlei rechtliche Bestimmungen verboten und wird, de facto, toleriert. So dürfen medizinische Zentren eine Leihmutterschaft begleiten, wenn der Gesundheitszustand der leiblichen Mutter keinen reibungslosen Schwangerschaftsverlauf ermöglicht und die Leihmutter kein Geld für ihre Dienstleistung erhält. Schätzungen zufolge sind in den vergangen zwanzig Jahren in Belgien fünfzig Kinder durch Leihmütter auf die Welt gekommen.

 

„Kommerzialisierung des menschlichen Körpers“

 

„Men Having Babies“ will eigenen Angaben zufolge die Risiken, die mit einer selbstständig über das Internet organisierten Leihmutterschaft zusammenhängen, reduzieren, indem sie vor allem auf erfahrene Leihmütter zurückgreifen. „Wir sind finanziell unabhängige, starke Frauen und haben unsere eigene Familie“, erklärt Colleen, eine Leihmutter auf der Konferenz. „Wir wollen den Menschen nur helfen.“. An diesem Tag haben eine Reihe von Leihmüttern den 140 eingeschrieben Paaren von 11.15-12.00 Uhr gemeinsam mit dem amerikanischen Verband ihre Dienste angeboten, wie die französische Internetseite Bvoltaire.fr berichtet. Gerade dieses Zusammentreffen hat die verschiedenen politischen Familien auf den Plan gerufen.

 

So hat die französischsprachige Christliche Soziale Partei CDH in einer Mitteilung dazu aufgerufen, „jegliche Form der Kommerzialisierung des menschlichen Körpers“ abzulehnen. Die Partei missbilligt alle Initiativen, die sich durch den Markt der Leihmutterschaft bereichern wollen. Die CDH befürchtet, dass solche Organisationen „ihrerseits hin zur Eugenik führen“, wonach in das genetische Erbgut des Menschen eingegriffen werden kann, um eigene Wünsche zu befriedigen.

 

Der belgische Senat hat vor kurzem die Debatte zur Leihmutterschaft wieder aufgenommen, wie die Journalistin Ann-Charlotte Bersipont in einem Interview mit der Zeitung Le Soir erklärte. Ihren Angaben zufolge stehen nur drei Optionen zur Wahl: „Ein vollständiges Verbot der Leihmutterschaft, das derzeitige Verfahren, bei dem von Fall zu Fall entschieden wird, oder eine teilweise Autorisierung ohne Bezahlung der Leihmutter.“ Eine umfassende Liberalisierung, wie in einigen Staaten der USA, sei keine Option. 

 

Fabiola Dor 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016