|

Belgien - Leben wie ein Flüchtling

Länder: Belgien

Tags: Immigration, Reality TV

Ein flämischer Fernsehsender hat die Ausstrahlungsrechte für die australische Sendung Go back to where you came from gekauft. In der umstrittenen Realityshow schlüpfen die Kandidaten in die Haut illegaler Flüchtlinge.

Ein marodes Fischerboot legt am Ufer an. An Bord sind ein Dutzend illegaler Einwanderer ohne Pass, Handy und Geld ... Dies ist keine x-te Zeitungsmeldung aus dem Tagesgeschehen, sondern der Teaser einer Realityshow, die bald im belgischen Fernsehen starten wird. Das Konzept stammt von einer australischen Sendung namens Go back to where you came from, aufgekauft von dem flämischen Sender Vier: „Über diese Sendung wird viel geredet. Genau aus diesem Grund haben wir die Rechte daran gekauft“, erklärte der Sprecher des Senders der Zeitung De Morgen.

In der australischen Sendung, die seit 2011 läuft, gehen sechs Kandidaten auf eine Fahrt, wie sie jährlich tausende Flüchtlinge unternehmen. Mit einem Unterschied: Sie reisen in die umgekehrte Richtung. Die Teilnehmer verlassen Australien und landen in Kenia, Somalia, Afghanistan oder dem Irak. Dort teilen sie den Alltag echter Flüchtlinge, leben in ihren Lagern und werden mit denselben Vorurteilen konfrontiert wie diese Menschen. Die Kandidaten sind Männer und Frauen aus der australischen Prominenz und repräsentieren einen möglichst breiten Meinungsfächer zur Einwanderungsproblematik.

Die australische Realityshow fand bereits Interessenten in den USA, den Niederlanden, Deutschland, Israel, Dänemark, Schweden und Südafrika. In Europa wird die Sendung zur Informationen über Flüchtlingsfragen genutzt, während in Australien die Kandidaten im Mittelpunkt stehen.

 

Ein umstrittenes Format

In der Zeitung Le Soir bedauerte der belgische Flüchtlingshilfeverein „Coordination et initiatives pour les réfugiés et les étrangers (CIRE)“ die voyeuristische Dimension der Sendung und ihre hohen Kosten. Er wirft den Machern außerdem vor, Leid und Elend der Flüchtlinge zu Quotenzwecken zu missbrauchen. In den Niederlanden wiederum empörte sich ein Abgeordneter der rechtspopulistischen „Partei für die Freiheit“ zwei Monate vor der Ausstrahlung der Sendung auf NPO 2, dass öffentliche Gelder dafür ausgegeben würden, das Publikum davon zu überzeugen, dass „Masseneinwanderung eine gute Sache sei".

Die Sprecherin des Hochkommissariats der Vereinten Nationen für Flüchtlinge ist dagegen überzeugt von der Sendung, denn sie zeige eine Welt, die den meisten Fernsehzuschauern unbekannt sei. 

 

Céline Peschard

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016