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Belgien – Container für Senioren

Länder: Belgien

Tags: Altenheim, Wohncontainer, Senioren

Ein neues Vorhaben der flämischen Regierung sieht vor, Senioren in Wohncontainern in den Gärten ihrer Kinder unterzubringen. Diese ungewöhnliche Idee stößt allerdings nicht überall auf Gegenliebe.

Ein friedlicher Sommermorgen, die Kinder sind schon wach und laufen in den Garten zur Schaukel. Die noch schläfrige Mutter deckt draußen den Tisch für das Sonntagsfrühstück. Angelockt vom Geruch des frisch gebrühten Kaffees erscheint schließlich auch der Vater. Alles ist bereit, nur die Großmutter muss noch geweckt werden. Sie schläft am anderen Ende des Gartens in einem Wohncontainer ...

Um der Raumknappheit in den Altenheimen zu begegnen, hat die flämische Regierung vorgeschlagen, Senioren in Containern auf den Grundstücken ihrer Kinder oder Enkel unterzubringen. Nach Auskunft der belgischen Tageszeitung Het Nieuwsblad, die am 17. März 2015 erstmalig über diese Pläne berichtete, arbeiten bereits verschiedene Partner an der Gestaltung und Herstellung dieser mobilen und mit allem Komfort ausgestatteten Lebensräume.

Die Container sollen zum Kauf oder zur Miete angeboten werden und den Familien die Möglichkeit geben, ihre Angehörigen aus den überfüllten Altenheimen zu sich nach Hause zu holen, ohne auf individuelle Rückzugsmöglichkeiten aufgrund zu knappen Wohnraums verzichten zu müssen. Als provisorische Wohnmöglichkeit könnten die Container eine Übergangslösung bieten, bis die Unterbringung in einem Hospiz erforderlich wird. Mehrere Hunderttausend Euro sollen für die Entwicklung dieses Projektes bereitgestellt werden.

 

Abgeschoben in den Garten?

In Belgien scheiden sich die Geister an dem unorthodoxen Vorschlag. In einem Interview mit der regionalen Tageszeitung L’Avenir äußerte der wallonische Minister für soziale Maßnahmen, Maxime Prévot, ausführlich seine Bedenken: „Auch wenn pflegebedürftige Senioren auf diese Weise unter der verstärkten Obhut ihrer Kinder stehen, werden sie doch in eine Ecke des Gartens abgeschoben. Ist es wirklich das, was wir für unsere Eltern und Großeltern wollen? Natürlich liegt so etwas nicht in der politischen Absicht des flämischen Ministers, doch man sollte darauf achten, damit nicht die falschen Assoziationen zu wecken. Das ist von entscheidender Bedeutung, sowohl was die älteren Menschen angeht als auch für deren Angehörige und Pflegekräfte.“ 

Schon vor dem eigentlichen Startschuss für das Projekt haben einige Senioren das Leben in den Wohncontainern getestet. In Montignies-sur-Sambres, einem Vorort von Charleroi, leben einige ältere Personen aufgrund von Renovierungsarbeiten in ihrem Seniorenheim bereits in solch vorgefertigten Wohneinheiten. Und sie scheinen damit sehr zufrieden zu sein: „Wir fühlen uns wohl hier, alles ist sehr sauber und wir haben alles, was wir brauchen ... Ehrlich gesagt ist es hier besser als dort, wo wir vorher wohnen mussten, bevor die Arbeiten losgingen“, gesteht Marie-Rose, eine der Bewohnerinnen.

Franck Berteau

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016