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Belgien - Babyklappe noch in Gebrauch

Länder: Belgien

Tags: Aussetzen, Babyklappe

Anfang Dezember wurde in der Antwerpener Babyklappe ein neugeborener Säugling gefunden. Die umstrittene Vorrichtung ist die einzige in ganz Belgien.

„Jules“ nannte der ehrenamtliche Helfer den kleinen Jungen, den er im Dezember in der Antwerpener Babyklappe gefunden hatte. Erst am 25. Februar 2015 gab die Stadt, die über die einzige Babyklappe ganz Belgiens verfügt, den Fund bekannt. Die Vorrichtung ist mit einem Wärmebett und einer Kamera ausgestattet und über ein Alarmsystem mit dem nächstgelegenen Krankenhaus verbunden. Sie ermöglicht Eltern, ihren Säugling anonym und straffrei abzugeben.

Das gesunde Neugeborene wurde in eine Adoptivfamilie vermittelt. Die leibliche Mutter hat nun sechs Monate Zeit, um ihre Meinung zu ändern. „Wir wollen der Mutter so viel Zeit wie möglich geben, ihre Entscheidung zurückzunehmen“, erklärte Katrin Beyer von dem Verein „Moeders voor Moeders“ (Mütter für Mütter), der die Antwerpener Babyklappe betreibt, den belgischen Medien. Die Vorrichtung wurde im Jahr 2000 angebracht und seit dem ersten Fund im Jahr 2007 insgesamt fünf Mal in Anspruch genommen.

 

Eine umstrittene Vorrichtung

Schon im Mittelalter waren viele Waisen- und Findelhäuser mit sogenannten Drehladen versehen, in denen Neugeborene anonym abgelegt werden konnten. Die erste moderne Babyklappe wurde im April 2000 in Deutschland eingerichtet; unter anderem in Reaktion auf den beunruhigenden Trend, unerwünschte Säuglinge in Tiefkühltruhen und Mülltonnen zu entsorgen. Länder wie Italien, Polen und die Schweiz zogen rasch nach. Heute gibt es mehrere hundert Babyklappen in Europa.

Ihren Fürsprechern zufolge, die oft auch Abtreibungsgegner sind, garantieren die Babyklappen „das Recht auf Leben des Neugeborenen“ und bewahre „hunderte Säuglinge“ vor dem sicheren Tod. Rund 400 Babys sollen seit dem Jahr 2000 auf diese Weise abgegeben worden sein. Für die Vereinten Nationen verletzen sie allerdings das Recht des Kindes, seine eigenen Eltern zu kennen. Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes formuliert dazu, jedes Kind habe „soweit möglich das Recht, seine Eltern zu kennen und von ihnen betreut zu werden.“

Fons Duchateau, stellvertretender Bürgermeister von Antwerpen und Beauftragter für soziale Angelegenheiten, erklärt unmissverständlich: „Ich weiß, dass die Babyklappen kritisiert werden. Ich bin aber froh, dass es in Antwerpen eine gibt, damit Mütter, die sich in schrecklicher Verzweiflung befinden, ihr Kind sicher und absolut diskret abgeben können.“ 

Franck Berteau

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016