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Belgien – 80 000 Euro für ein Baby

Länder: Belgien

Tags: Leihmütter, Leihmutterschaft

Am 29. und 30. Januar 2016 findet in Brüssel eine Leihmutterbörse statt. Möglich ist dies dank einer gesetzlichen Grauzone.

Vox Pop hat sich bereits im Frühjahr 2015 mit dem Thema beschäftigt. In Belgien herrscht eine unklare Gesetzeslage in Sachen Leihmutterschaft, die weder ausdrücklich erlaubt noch verboten ist. Vier Krankenhäuser arbeiten mit Leihmüttern, jedoch nach ihren eigenen Regeln. Am 29. und 30. Januar 2016 veranstaltet die amerikanische Gesellschaft „Men Having Babies“ nach Informationen auf der Webseite der Wochenzeitschrift Le Vif in Brüssel eine Leihmutterbörse. Zielgruppe sind Paare, die keine eigenen Kinder bekommen können, insbesondere männliche Homosexuelle.

 

Die wirtschaftliche Ausrichtung der Veranstaltung sorgt für Diskussionen. Wie der Fernsehsender VTM Nieuws berichtet, bewirbt die amerikanische Gesellschaft auf der Messe ihren eigenen Angebotskatalog mit einer großen Auswahl von in den Vereinigten Staaten lebenden Leihmüttern. Die Gesamtkosten für die Erfüllung des Kinderwunschs liegen dabei zwischen 80 000 und 100 000 Euro. Im Interview mit RTBF erläuterte die Gynäkologin Candice Autin, dass „dies zu Ausuferungen führen kann, wobei das Elend mancher Frauen ausgenutzt wird. Man kann also solche Praktiken nicht anders als kritisch betrachten.“

 

Bezahlung bald verboten

Ende 2015 hat der belgische Senat über das Thema Leihmutterschaft diskutiert. Sämtliche politischen Fraktionen mit Ausnahme der Christlich Sozialen Partei (CSP), die sich für ein Verbot des Verfahrens einsetzt, sprachen sich für die Ausarbeitung einer Gesetzesvorlage aus. In einem Punkt sind sich jedoch alle einig – das Engagieren von Leihmüttern gegen Bezahlung muss verboten werden.

Die Abgeordnetenkammer muss sich noch zu einem Bericht äußern, der in diesem Zusammenhang ausgearbeitet wurde. Er sieht vor, dass bei Leihmutterschwangerschaften eine biologische Verwandtschaft des Kinds mit mindestens einem der potentiellen Eltern bestehen muss und sie sich auf Fälle beschränken müssen, in denen das Paar selbst körperlich nicht imstande ist, eine Schwangerschaft erfolgreich zu Ende zu führen. Außerdem werden ein Bezug zu Belgien und die Betreuung in einem Fruchtbarkeitszentrum verlangt. Eine weitere Anforderung betrifft klare Absprachen zwischen den beteiligten Parteien sowie Ansprüche der Leihmutter auf finanzielle Entschädigung (Kosten und Einkommensausfälle, jedoch keine Bezahlung). Kinder haben das Recht, ihre Herkunft zu erfahren.

Der Informationsbericht soll die Grundlage für einen Gesetzesentwurf bilden, wie er belgische Sender RTBF erläutert. Er lässt grundsätzlich drei Lösungsansätze zu, nämlich eine vollständige Untersagung von Leihmutterschaften, die heute bereits übliche Entscheidung von Fall zu Fall oder eine teilweise Legalisierung, jedoch unter ausdrücklichem Verbot von bezahlten Dienstleistungen.

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Zuletzt geändert am 9. Oktober 2017