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Barcelona - Schluss mit lustig

Länder: Deutschland, Spanien

Tags: Massentourismus, Nachtleben

Europäische Kultstädte werden vom Massentourismus überrollt. Die Folge: Lärmbelastung, rüpelhaftes Verhalten und Mietpreisanstieg. Jetzt formieren sich Anti-Touristen-Fronten in ganz Europa.

 

Die Bewohner von Barcelona haben genug von torkelnden Touristen und gehen seit diesem Sommer immer wieder auf die Straße, um die Behörden zum Handeln zu bewegen. Vox Pop hat im beliebten Ausgehviertel Barceloneta recherchiert, wo Partygänger aus der ganzen Welt zusammenkommen.

Doch nicht nur Barcelona ist bei Feierlustigen groß in Mode. Berlin steht für Alternativkultur und zieht jedes Wochenende Tausende junger Touristen an. Mit 11 Millionen Besuchern im Jahr ist Berlin laut Routard.com sogar eine der meistbesuchten Städte Europas. Infolgedessen explodieren in der einst günstigsten europäischen Hauptstadt die Mietpreise. 15 000 Mietwohnungen wurden in den letzten Jahren in Ferienapartments umgewandelt. Als Reaktion auf die Beschwerden der Bürger hat die Stadt im letzten Mai die Zahl der Wohnungen begrenzt, die zu Ferienunterkünften umgebaut werden dürfen.  

 

Du bist kein Berliner

Dass die Berliner die Nase voll haben, zeigen sie auf den Straßen mit eindeutigen Botschaften von Berlin doesn’t love you  über Du bist kein Berliner! bis zu dem wütenden Touristen anzünden. Es sei „eine schlimme Situation“, erklärte Monika Herrmann, Bürgermeisterin von Kreuzberg-Friedrichshain, in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Das Klackern der Rollkoffer auf dem Pflaster raube den Bewohnern ihres Viertels den Schlaf. Weil immer mehr betrunkene Touristen sich vor Hauseingängen übergeben, wurden die sogenannten „Beer Bikes“, bei denen man gemeinsam um einen mobilen Tresen sitzt und radelnd Bier trinkt, aus einigen Vierteln verbannt. Die deutsche Regisseurin Nana Rebhan verarbeitete das Thema in ihrem Dokumentarfilm Welcome Goodbye, in dem sie die Frage stellt: Wer kann schon behaupten, ein echter Berliner zu sein? Und wer sind eigentlich diese lästigen Touristen?

 

Kurtaxe gibt’s (fast) überall

In vielen europäischen Großstädten gibt es schon länger eine Kurtaxe. Sie soll die Kosten decken, die durch ein hohes Touristenaufkommen anfallen, z.B. den Schutz von Grünflächen. In Frankreich beträgt die Summe zwischen 0,20 und 1,50 €. Manche Abgeordnete wollen sie jedoch auf acht Euro anheben – pro Tag und Person! In Rom muss man seit 2011 zwischen zwei und drei Euro zahlen. In Brüssel schwankt der Preis je nach Hotelklasse zwischen 2,15 und 8,75 €, und Venedig bittet seine Besucher nur in der Hochsaison und abhängig vom Stadtviertel zur Kasse. Nur in London gibt es die Abgabe noch nicht – auch wenn die Stadt ernsthaft darüber nachdenkt.

 

Opferstadt Venedig

Den Touristen „geopfert“ habe man Venedig, behaupten aufgebrachte Medien. Tatsächlich zieht „La Serenissima“ jährlich 25 Millionen Touristen an – bei 50 000 ganzjährigen Einwohnern. Die Stadt kann den materiellen und logistischen Aufwand dieser Touristenmassen einfach nicht mehr tragen. Seit einigen Jahren wird sie zudem noch von riesigen Kreuzfahrtschiffen verschandelt, die Tausende von Passagieren durch die Lagunenstadt schippern.  

Laut der italienischen Webseite Tafter cultura e sviluppo haben die Behörden nun beschlossen, die Hafenzufahrt für die größten Kreuzfahrtschiffe (über 96 000 Tonnen) zu sperren. Venezianern und Umweltschützern zufolge sorgen sie mit Rauch und verdampfendem Brennöl für eine enorme Luftverschmutzung. Zudem begünstigen die durch die anlegenden Schiffe ausgelösten Wellen die Absenkung der Stadtfundamente. 

Céline Peschard

 

 

Zuletzt geändert am 17. Januar 2017