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Aufbruch in die Moderne

Länder: Deutschland

Tags: Impressionismus, Expressionismus, Berlin

Entgegen aller akademischer Tradition kauft der Direktor der Alten Nationalgalerie in Berlin, Hugo von Tschudi, im Jahr 1896 impressionistische Bilder aus Frankreich an und stellt sie aus. Sein Amtsnachfolger Ludwig Justi engagiert sich für expressionistische Werke. So ist die Alte Nationalgalerie seit über 100 Jahren schon im Besitz von Werken beider Stilrichtungen. Mit der Ausstellung "ImEx" zeigt nun der amtierende Direktor Philipp Demandt mit 160 Meisterwerken erstmals den Impressionismus und den Expressionismus im Dialog und macht deutlich, wie viel die vermeintlich konträren Kunstrichtungen doch gemeinsam haben. Die Ausstellung dauert vom 22. Mai bis zum 20. September 2015.

 

Kunst als Revolte

In der Mitte des 18. Jahrhunderts gilt die exakte Linie des Klassizismus und ein dramatischer Bildaufbau als ungeschriebenes Kunstgesetz. Ein Aufschrei geht durch die Kunstszene, als impressionistische Künstler wie Monet, Renoir oder Degas in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dieser akademischen Tradition ausbrechen. Für sie steht fortan die Realität und das Empfinden des flüchtigen Moments mit seinen Farben und Lichtspielen im Mittelpunkt.

"Eindruck" versus "Ausdruck"

Der zunächst abwertend gemeinte Begriff Impressionismus wurde vom französischen Kunstkritiker Louis Leroy eingeführt, der diesen aus dem Gemälde "Impression - soleil levant" (auf Deutsch: "Impression - Sonnenaufgang") von Claude Monet abgeleitet hatte. In der Regel wurden impressionistische Werke unter freiem Himmel und in einer skizzenhaften Art gemalt, die es ermöglichte, die Reflexe des Lichts einzufangen. Der Farbgebung und nicht der Linie schenkten Impressionisten deutlich mehr Beachtung.

Jegliche akademische Vorgaben lehnte auch der kurz darauf folgende deutsche Expressionismus ab. Künstler wie Nolde, Kirchner oder Marc, geprägt von der Bedrohung des Ersten Weltkriegs, bringen mit kräftigen Farben und einer leidenschaftlichen Pinselführung ihren Traum von einer besseren Welt zum Ausdruck. Die Expressionisten waren jedoch keine Umstürzler des Gesellschaftssystems, ihre Revolution galt vor allem den formalen Mitteln der Kunst, dem freien Spiel der Farben und Formen.

Pissarro und Beckmann: Künstler ihrer Zeit

Zwei bekannte Vertreter der jeweiligen Strömungen waren der Impressionist Camille Pissarro und der Expressionist Max Beckmann. Pissarro, geboren 1830 als sephardischer Jude in der Karibik, studiert in Paris und bereist Europa. Wie viele Impressionisten begeistert er sich für den Anarchismus. Freunde, wie Cézanne, Monet und Renoir bezeichnen ihn als Begründer der Bewegung und große Inspirationsquelle.

Das Multitalent Beckmann verkauft bereits zu Lebzeiten Bilder, Grafiken, Skulpturen und sogar Texte. Zusätzlich lehrt er an zahlreichen Universitäten. 1884 geboren, prägt die Ablehnung der beiden Weltkriege seine künstlerische Laufbahn. Als er bei den Nationalsozialisten in Ungnade fällt, flieht er nach Amsterdam und stirbt 1950 in New York an einem Herzinfarkt. Er lehnt zeitlebens den Begriff "Expressionist" ab.

"Im" versus "Ex": Zwei Werke im Vergleich

Hier der der mittellose, revoltierende Maler, dort der Tausendsassa und Hochschullehrer. Erfahren Sie selbst, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den beiden Werken von Pissarro und Beckmann liegen. Beide Werke werden in der Ausstellung in der Alten Nationalgalerie Berlin gezeigt.

 

Camille Pissarro: Boulevard Montmartre bei Nacht, 1897; © The National Gallery, London

 

 

 

Max Beckmann, Straße bei Nacht, 1913; © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016