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Armenien: Bilder der Erinnerung

Länder: Armenien, Frankreich

Tags: Agoudjian, Armenien, Völkermord, Fotografie

Armenien gedenkt des Völkermords vor einhundert Jahren, den der türkische Regierungschef Recep Erdoğan bis heute nicht anerkennen will. Der französische Fotograf armenischer Abstammung Antoine Agoudjian seinerseits kämpft gegen das Vergessen. Seit 25 Jahren bereist er die Region, auf den Spuren seiner Vorfahren und der armenischen Vergangenheit. Seine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln geht über die journalistische Arbeit hinaus, sie ist Erinnerungsarbeit, eine innere Arbeit am eigenen Leben. Er spürt Lebensaugenblicke auf und hält sie mit den Mitteln der Fotografie fest. Bestimmte Bilder bleiben auch nach 30 Jahren Karriere überaus präsent, etwa seine Ankunft in Armenien und seine ersten Schritte in der Türkei. Genau in diesem Land, das sich sträubt, den Völkermord an den Armeniern anzuerkennen, wird er seine Fotos Ende April ausstellen. Daneben stellt er auch in der Galerie „Le bleu du ciel“ in Lyon aus, seit dem 3. April bis zum 23. Mai und, vom 12. Mai bis zum 7. Juni, im Kunstzentrum Espace Chabrillan in Montpellier. Außerdem wurde in diesem Frühjahr bei Flammarion sein Bildband "Le Cri du Silence" veröffentlicht.

Génocide arménien : travail de mémoire photographique

Antoine Agoudjian wird am 6. Februar 1961 als Sohn der Textilarbeiter Clément und Ankiné Agoudjian geboren. Er lebt seit damals in Alfortville, einer Vorstadt südöstlich von Paris, in der bis heute viele Armenier wohnen, die in den 20er-Jahren, nach dem Völkermord des Osmanischen Reiches 1915, eingewandert sind. Er gehört zur letzten Generation der Nachfahren, die noch persönlichen Kontakt mit den Überlebenden von damals hatten. Auf dem Weg des armenischen Volkstanzes, den er als Fünfjähriger entdeckt und bis heute pflegt, findet er Zugang zu seinen Wurzeln.
1985, arbeitet er, während einer einjährigen Reise zwischen Brasilien und den USA, in einem Fotolabor, um sich das Geld für den Rückflug nach Frankreich zu verdienen, und entdeckt dabei die Fotografie. 1988 bebt in Armenien die Erde, und die damalige UDSSR öffnet ihre Grenzen für die humanitäre Hilfe. Für ihn wird das die Gelegenheit, endlich dieses Land zu betreten, das er bis dahin nur aus den Erzählungen seiner Großeltern kennt. Er verbringt dort zwei Jahre, als Logistiker und Dolmetscher eines Hilfsprojekts für Waisen und behinderte Kinder, und macht daneben seine ersten Fotos.  
Inzwischen hat Antoine Agoudjian mehrere Fotobände veröffentlicht. Seit dem Jahr 2000 arbeitet er an einem einzigen Projekt zum Thema Erinnerung. Es hat ihn nach Armenien und Georgien geführt, in den Karabach, nach Jerusalem, in den Libanon, nach Syrien, in die Türkei, den Iran und den Irak. 2011 war er der erste Fotograf, der in einer Privatgalerie von Istanbul Bilder zum Thema Erinnerung der Armenier ausstellte, obwohl die Türkei den Völkermord von 1915 bis heute leugnet und Debatten darüber dort heikel bleiben.
Bereits veröffentlicht: "Les Yeux brûlants" (2006), in der Reihe "Photo Poche" des Verlags Actes Sud. "Le Cri du Silence" (2015) bei Flammarion.

 

 

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Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016