Der Tod von Fidel Castro: Das Ende einer Ära

28. November 2016

"Heute, am 25. November um 22h29, ist der kubanische Chefkommandant der Revolution, Fidel Castro Ruz, gestorben." So hat der kubanische Präsident Raul Castro den Tod seines 90-jährigen Bruders bekannt gegeben. Fidel Castro war für die einen Freiheitskämpfer, für die anderen ein Diktator und Mörder, für die einen der David, der zehn Goliaths/US-Präsidenten überlebte, für die anderen eine Gefahr des Westens. Fidel Castro war der Vertreter des Globalen Südens, der einen Kampf der Systeme gegen den amerikanischen Imperialismus wagte und diesen noch Jahre nach dem Mauerfall und den Zusammenbruch der Sowjetunion fortsetzte. Das brachte ihm den Vergleich mit der Romanfigur Don Quijote, dem Ritter, der gegen Mühlen kämpfte, ein. Castro hatte sogar eine Statue des Helden in seinem Büro stehen.

"Der Bärtige" war vieles, nur nie langweilig. Seine Reden dauerten angeblich bis zu zwölf Stunden - und es soll Anhänger gegeben haben, die da noch zuhörten. Er überlebte laut kubanischem Geheimdienst über 600 Mordversuche der CIA, unterstützte Freiheitsbewegungen in Lateinamerika, war eine Führungsperson der Blockfreien-Bewegung, war zwei- vielleicht dreimal verheiratet, hatte acht Kinder, die Vornamen seiner fünf Söhne fangen alle mit dem Buchstaben "A" an, weil er großer Verehrer des Feldherrn "Alexander der Große" war...

Doch der Name Fidel Castro steht auch für den Mord an Regimegegnern. Über 5000 Tote soll es unter seiner Führung gegeben haben. Seine Bewegung hatte kein Gespür für die wirtschaftliche Lage im Land. Im Wettbewerb mit anderen Nationen konnte Kuba nicht bestehen, nur einsehen wollte er das nicht. Erst als sein Bruder Raul Präsident wurde, konnte nach 80 Jahren mit Barack Obama der erste US-Präsident wieder Kuba besuchen. Es war am 20.März dieses Jahres. Der Tod Fidel Castros ereignet sich zu einer Zeit, in der die Beziehungen zwischen Kuba und Amerika einen neuen Weg einschlagen. Beide Präsidenten, sowohl Obama als auch Raul Castro, verfolgen ein konkretes Ziel: Obama will den Prozess der Annäherung zwischen den beiden Ländern unumkehrbar machen bevor er im Jahr 2017 seine Präsidentschaft beendet. Castro möchte das seit 1962 bestehende Embargo beenden, das Amerika Kuba auferlegt hatte. Doch die Vorhaben der beiden Präsidenten scheinen durch die Wahl Donald Trumps zum künftigen Präsidenten der USA gefährdet. 

Auch wenn Fidel Castro ein Mann war, der aus der Zeit gefallen schien - nicht nur wegen seiner uralten Adidas-Trainingsanzüge, die er nach seinem politischen Rückzug 2006 immer trug - so war der 90-Jährige bis heute Kult und wird dies auch bleiben. Egal ob man ihn mag oder nicht. Vor allem die Kubaner werden sich an den Todestag des "Máximo Líder" erinnern. Castro war 1959 Anführer der sozialistischen Revolution auf der Karibikinsel und regierte das Land anschließend 47 Jahre lang. Auf Kuba wurde eine neuntägige Staatstrauer verhängt. In Miami, wo viele Exil-Kubaner leben, wurde Castros Tod gefeiert.

 

In unserem Dossier finden Sie alle Reportagen, Hintergrundartikel und Analysen zu Kuba von der Annäherung zwischen den USA und dem Inselstaat bis hin zum Tode Fidel Castros. 

Fidel Castro
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Fidel Castro/Kultur adalberto.jpg

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Fidel Castro

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