|

Angola rettet Portugal

Länder: Portugal

Tags: angolanische Investitionen

Angola investiert in großem Umfang in Portugal, und immer mehr Portugiesen wandern in die ehemalige Kolonie in Südwest-Afrika aus. Ein Paradoxon.

 

Direktinvestitionen aus Angola sind in Portugal zwischen 2002 und 2009 von 1,6 auf 116 Millionen Euro angeschwollen. Das Geld fließt in die Luxusindustrie, in Banken, Erdölunternehmen u. v. a. Die seit 1975 unabhängige frühere portugiesische Kolonie ist der zweitgrößte Erdölproduzent des afrikanischen Kontinents und erlebt zurzeit einen wahren Wirtschaftsboom.

Bei einem Staatsbesuch in Luanda, der Hauptstadt von Angola, hatte der portugiesische Premierminister Pedro Passos Coelho 2011 erklärt, dass „Kapital aus Angola willkommen“ sei. Heute übernehmen Investoren aus Angola portugiesische Unternehmen in strategischen Sektoren. Seit rund zehn Jahren besitzt die Öl- und Erdgasfirma Sonangol aus Angola Anteile am portugiesischen Öl- und Erdgasbetreiber Galp Energia. 2012 hat der Ölriese außerdem seinen Kapitalanteil an der portugiesischen Bank Millenium BCP erhöht.

 

Goldene Visa

2012 führte das von der Wirtschaftskrise gebeutelte Portugal das System „Golden Visa“  ein, um ausländische Investoren anzuziehen: Wer 500 000 Euro in Immobilien investiert oder mindestens zehn Arbeitsplätze in Portugal schafft, bekommt ein Visum und damit Zugang zum Schengen-Raum. Der Lockruf war erfolgreich: In nur 13 Monaten flossen 185 Mio. Euro Auslandsinvestitionen nach Portugal.

 

Auf dem Weg nach Angola...

Noch im Dezember 2011 hatte der portugiesische Premierminister eine Welle der Entrüstung ausgelöst, weil er jungen Menschen und Lehrern riet, in anderen portugiesischsprachigen Ländern wie Angola oder Brasilien nach Arbeit zu suchen. Portugal hatte 2014 eine Erwerbslosenquote von 13,4 %, bei den unter 25-Jährigen ist sogar mehr als jeder Dritte arbeitslos. Angesichts der wachsenden Arbeitslosigkeit und der drastischen Sparpolitik suchen heute viele Portugiesen ihr Glück in der Ferne. „In Portugal verdiene ich 1 000 € im Monat. Wenn ich die Miete bezahlt und eingekauft habe, bleibt nichts übrig. In Angola verdiene ich drei Mal so viel und der Arbeitgeber übernimmt sämtliche Nebenkosten“, erzählt Tania, eine 30-jährige Portugiesin, der katholischen Tageszeitung La Croix. Es gibt keine offiziellen Erhebungen, aber schätzungsweise leben heute 100 000 Portugiesen in Angola – 2003 waren es nur 21 000. Auch Mosambik, die andere frühere portugiesische Kolonie in Afrika, zieht immer mehr portugiesische Einwanderer an. Laut taz.de steigt die Anzahl der Portugiesen, die in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, registriert sind, jährlich um 10 %.

Nadine Ayoub

 

Zuletzt geändert am 17. Januar 2017