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André Singer über "Night Will Fall"

Länder: Deutschland

Tags: André Singer, Konzentrationslager

Night Will Fall erzählt die Geschichte von der Befreiung der deutschen Konzentrationslager. Anhand von erschütternden Archivaufnahmen sowie Berichten von Überlebenden und Befreiern beleuchtet der Film die Bemühungen, die unfassbaren Szenen, die sich den Alliierten bei der Befreiung boten, für die Nachwelt festzuhalten. André Singer, der Regisseur, berichtet über die Geburt des Projektes. 

Vor zwei Jahren wandte sich die Produzentin Sally Angel, deren Verständnis des Holocaust durch die starken Bilder im Film "German Concentration Camps Factual Survey" geprägt worden war, an Spring Films. Als sie von Dr. Toby Haggith vom Imperial War Museum erfuhr, dass der ursprünglich geplante Film nie vollwendet worden war, wurde ihr die Größenordnung des Unterfangs bewusst. In ihr reifte die Idee, die Entstehungsgeschichte des Films zu erzählen, weshalb sie Spring Films eine Koproduktion vorschlug.

 

Schnell wurde "Night Will Fall" zu einem Projekt bedingungsloser Hingabe, das die Rolle des bewegten Bildes ergründet – damals und heute. Jahrzehnte später sollte der heutigen Generation die damalige Erfahrung, die Dokumentation dieser schrecklichsten, brutalsten Grausamkeiten, die Menschen erleben und erdulden können, vermittelt werden.

 

Lebensbejahende Zeitzeugen

Ich habe mich bei diesem Projekt vom außerordentlichen, lebensbejahenden Zeitzeugnissen der letzten Überlebenden der Befreiung der deutschen KZs inspirieren lassen. Ich empfinde es als ungeheures Privileg, dass ich mit Soldaten sprechen konnte, die als Erste die Konzentrationslager betraten, mit Kameramännern, die die Aufnahmen machten, mit Redakteuren, die das Material sichteten, und mit Opfern, die dort litten – und die während der ersten, unfassbaren Augenblicke ihrer Befreiung gefilmt wurden. Während Millionen das Kriegsende in Europa feierten, sahen diese Menschen in den Abgrund der Hölle.

 

Die Dokumentation von 1945, mit der die Geschichte begann und die heute den Titel "German Concentration Camps Factual Survey" trägt, wurde von Experten des Imperial War Museum minutiös rekonstruiert und vervollständigt. 2014 wird sie erstmals in ihrer ursprünglich geplanten Fassung gezeigt. Ausschnitte daraus sind in "Night Will Fall" eingeflossen, und im Zuge der Erläuterung von Beginn, Entwicklung und endgültigem Schicksal des ursprünglichen Films werden die alptraumhaften Tage deutlich. "Night Will Fall" ist, wie seine Vorlage, nichts für schwache Nerven. Doch er belegt die unvorstellbare Barbarei, zu der Menschen fähig sind und zollt der Stärke und dem Mut jener Tribut, deren Worte uns beim Anblick der flackernden Bilder Demut lehren.  

 

 

André Singer ist seit über vierzig Jahren Dokumentarfilmemacher. In den 1980er Jahren war er beim englischen Sender Granada Television Redakteur für die Serie "Disappearing World". In den 90er Jahren leitete er den unabhängigen Bereich der BBC-Dokumentarfilmabteilung und gründete dort die preisgekrönte Dokumentarreihe „Fine Cut“ (heute „Storyville“). Singer zeichnet für hunderte Informationsprogramme für den internationalen TV-Markt verantwortlich und produzierte verschiedenste preisgekrönte Kinodokumentationen. Während seiner mehr als zwanzigjährigen Zusammenarbeit mit Werner Herzog produzierte er vierzehn seiner Filme. Singer ist Executive Producer des Dokumentarspielfilms "The Act of Killing", der 2014 mit dem BAFTA-Preis ausgezeichnet und für den Oscar nominiert wurde. 

 

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016