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Amokfahrt von Nizza: Was wir wissen

Länder: Frankreich

Tags: Nizza, attentat

Die Amokfahrt in Nizza am Abend des französischen Nationalfeiertags hat 84 Menschen das Leben gekostet. Darunter auch 10 Kinder und Jugendliche. Von den über 200 Verletzten, befinden sich 52 Menschen noch in Lebensgefahr. Der französische Präsident hat den Notstand nach dem Vorfall verlängert. Dieser sollte eigentlich am 29. Juli auslaufen, wie Hollande in seiner Rede zum Nationalfeiertag angekündigt hatte. Am Samstag Morgen bekannte sich der IS zu dem Anschlag. Der Attentäter von Nizza selbst war den französischen Geheimdiensten nicht bekannt. Es gab keinerlei Anzeichen einer Radikalisierung. Jedoch war der 31-jährige Tunesier mit Wohnsitz in Nizza im März wegen Bedrohung, Gewalt, Diebstahls und Sachbeschädigung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. 

Attentat de Nice : ils ont vécu l'horreur

 

Was ist passiert?
Nice, le jour d'après

 

Ein Lkw-Fahrer steuerte sein Fahrzeug am Donnerstagabend auf der Uferpromenade in Nizza ungebremst in eine Menschenmenge, die dort das Feuerwerk zum Abschluss des Feiertags verfolgt hatte. Mindestens 84 Menschen wurden getötet, darunter mehrere Kinder. Gemäß dem französischen Präsidenten befinden sich 50 weitere Menschen in Lebensgefahr.

Nach Schilderungen von Polizei und Augenzeugen ging der Fahrer des Lastwagens mit großer Kaltblütigkeit vor: Er raste auf dem Strandboulevard Promenade des Anglais mit hoher Geschwindigkeit in eine Menschenmenge und setzte seine Fahrt noch rund zwei Kilometer fort, ehe die Polizei ihn erschoss. Hinter sich ließ er eine Spur der Verwüstung. Auf der Uferpromenade lagen nach der Attacke dutzende Tote aufgereiht, bedeckt von weißen Tüchern.

"Wir sahen, wie Leute getroffen wurden und wie Gegenstände umherflogen", berichtete AFP-Journalist Robert Holloway, der sich zu dem Zeitpunkt vor Ort befand. Die Menschen rannten in Panik auseinander. "Die Leute haben geschrien", sagte Holloway. "Es war das absolute Chaos."

 

Täter identifiziert
Attentat de Nice, l'enquête se poursuit
Amokfahrt in Nizza: Ermittlungsstand Amokfahrt in Nizza: Ermittlungsstand Amokfahrt in Nizza: Ermittlungsstand

 

Der Attentäter von Nizza ist identifiziert. Der Staatsanwalt bestätigte bei der offiziellen Pressekonferenz im Palais de Justice von Nizza, dass es sich um Mohamed Lahouaiej Bouhlel, einen 31 Jahre alten Tunesier mit Wohnsitz in Nizza handelt. Es handelt sich demnach um die Person, deren Papiere die Polizei im Tatfahrzeug sichergestellt hatte.

Der Attentäter von Nizza war den französischen Geheimdiensten unbekannt. Er sei nicht als möglicher Gefährder geführt worden, sagte der mit den Ermittlungen betraute Pariser Staatsanwalt François Molins am Freitag. Der Täter sei aber im März wegen Bedrohung, Gewalt, Diebstahls und Sachbeschädigung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Ein Bekennerschreiben zu dem Anschlag liege nicht vor, sagte Molins. "Die Art des Vorgehens entspricht aber weitestgehend den Mordaufrufen terroristischer Organisationen in Zeitschriften und Videos", fügte er hinzu. Das in der Wohnung des Täters sichergestellte Material werde noch ausgewertet.

 

IS hinter der Amokfahrt

Am Samstag Morgen bekannte sich die Terrorgruppe IS zur Amokfahrt von Nizza.

Die Vorgehensweise und das symbolische Datum deuten ebenfalls darauf hin, dass eine Terrorgruppe wie Al-Quaïda oder der IS als Drahtzieher hinter dem Anschlag steckt.

Bereits 2014 rief das Sprachrohr des IS Abou Mohammed Al-Adnani alle "Soldaten des Kalifats" dazu auf, jede zur Verfügung stehende Waffe zu nutzen. Wörtlich sagte er: "Wenn ihr keine Bombe hochgehen lassen könnt und keinen Schuss abgeben könnt, findet andere Lösungen (...) fahrt sie mit einem Auto um." 

Reaktion der französischen Regierung
Attentat de Nice : les réactions politiques
Attentat von Nizza: politische Reaktionen Attentat von Nizza: politische Reaktionen Attentat von Nizza: politische Reaktionen

 

Die französische Regierung hat am Freitag eine dreitägige Staatstrauer bis Montag angeordnet. Noch in der Nacht zum Freitag wandte sich Staatspräsident François Hollande in einer Fernsehansprache an die Nation, die in den vergangenen Monaten von einer ganzen Serie von Anschlägen verunsichert wurde. Der "terroristische Charakter" des Angriffs könne nicht geleugnet werden, sagte der sichtlich erschütterte Präsident. "Ganz Frankreich ist vom islamistischen Terrorismus bedroht." Der Anschlag am Nationalfeiertag habe sich gegen Frankreich gerichtet. "Warum der 14. Juli? Weil er das Fest der Freiheit ist", so Hollande. 

Hollande kündigte entschlossene Gegenwehr an. "Wir müssen alles tun, um gegen die Geißel des Terrorismus kämpfen zu können", sagte er. "Wir werden jene zur Rechenschaft ziehen, die uns auf unserem eigenen Boden angreifen." Hollande stellte in Aussicht, den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien zu verstärken.

 

 

"Die Stadt Nizza an unserem Nationalfeiertag von Terrorismus getroffen. Riesiger Schmerz, das Land ist in Trauer. Die Franzosen werden damit zurechtkommen." (Frankreichs Regierungschef Manuel Valls auf Twitter)

 

 

"Von ganzem Herzen bei den Opfern und ihren Angehörigen nach der niederträchtigen Attacke in Nizza. Wir werden nicht nachgeben. Mut." (Der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron auf Twitter)

 

 

"Im Namen der Pariser geht unsere ganze brüderliche Unterstützung an die Menschen in Nizza. Unsere Städte sind vereint." (Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris auf Twitter)

 

 

Verlängerung des Ausnahmezustandes

Der französische Staatspräsident François Hollande kündigte die Verlängerung des Ausnahmezustandes an, der in Frankreich nach den Terroranschlägen vom 13. November 2015 verhängt wurde und gegen den Willen von Bürgerrechtlern verlängert wurde. Der Ausnahmezustand solle erneut um drei Monate verlängert werden, kündigte der Präsident an. Zudem kündigte der Präsident die Einberufung von Reservisten an, um die Ränge von Polizei und Gendarmerie zu stärken. Die Sicherheitsvorkehrungen im Land würden weiter verstärkt. Die Feierlichkeiten in Frankreich zum Nationalfeiertag am 14. Juli hatten wegen der Anschlagsgefahr unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden. Allein in der Hauptstadt Paris waren 11.500 Polizisten im Einsatz.

 
Drei Tage Staatstrauer

Frankreich hat für die Zeit von Samstag bis Montag die Staatstrauer ausgerufen mit einer Schweigeminute jeden Mittag. Auf der Promenade des Anglais versammeln sich die Franzosen, um das Unfassbare zu begreifen und zu trauern. 

Nice : recueillement national
Zuletzt geändert am 16. Juli 2016